Samstag, 1. November 2014MEZ07:51 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsSein und Online
Ein Internetnutzer hat ein Tablet auf dem Schoß, darauf ist eine Facebook-Illustration zu sehen. Seine Beine sind über eine Sofalehne geschwungen. 

Im Computer gibt es keine große Pause wie im Theater: Der Besucherschwund der Analog-Bühnen beschäftigt heute mehrere Feuilletonisten. Sind Twitter und Facebook schuld oder gar die "Blogwarte", von denen einer schreibt? Mehr

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Fazit

Elaine SturtevantDie Crazy Cat ihrer Generation
Die Künstlerin Elaine Sturtevant posiert am 04.06.2011 in Venedig bei der Eröffnung der 54.Kunstbiennale Venedig vor der Preisverleihung für die Fotografen.

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zeigt das grafische Werk Elaine Sturtevants - einschließlich 80 bisher noch nicht veröffentlichter Zeichnungen. Für Kurator Mario Kramer war die Künstlerin ein Augenöffner.Mehr

Goethe 2.0Das Leben eines Universalgenies digital
Auf dem Bild "Goethe in der römischen Campagna" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein liegt Goethe hingebettet vor einer italienischen Landschaft

Es ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik: "Propyläen. Forschungsplattform zu Goethes Biographica", nennt es sich. Wird der moderne Mensch den alten Dichter durch die digitalen Medien besser verstehen? Mehr

Filme der WocheSolidarität in den 80ern und heute
Die belgischen Brüder Jean-Pierre (l) and Luc Dardenne (r) bei der Vorstellung ihres Films "Zwei Tage, eine Nacht" beim Valladolid International Film Festival in Spanien, aufgenommen am 18.10.2014

Engagement, Kooperation und Mitgefühl auf der Leinwand: Das mitreißende britische Sozialdrama "Pride" punktet mit Spaß und Pointen; "Zwei Tage, eine Nacht" der Gebrüder Dardenne zeigt den Kampf einer Angeschlagenen in einem Klima sozialer Kälte.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.05.2012

Zwei Herzen, die eins sind, reißen Gebirge nieder

Neu im Kino: "Sharayet – Eine Liebe in Teheran" - ein Außenseiter-Hit von Regisseurin Maryam Keshavarz

Von Hans-Ulrich Pönack

Sarah Kazemy als Shireen Arshadi in "Sharayet - Eine Liebe in Teheran"
Sarah Kazemy als Shireen Arshadi in "Sharayet - Eine Liebe in Teheran" (picture alliance / dpa)

Im vergangenen Jahr auf dem renommierten "Sundance Festival" gewann "Sharayet – Eine Liebe in Teheran" den Publikumspreis: ein prächtiger und kluger Unterhaltungsfilm.

Du bist jung, voller Elan, hast auch musikalisches Fieber im Blut, willst leben, willst Dich ausprobieren, willst Dein Leben genießen. Das Motto: Wir sind jung, also geben wir Gas. Aber das ist nicht so leicht hier im Iran. Du stammst zwar aus einem gutbürgerlichen, vergleichsweise komfortablen und liberalen Elternhaus, aber das "schützt" dich nun auch nicht mehr wie bisher, denn Du bist eine junge Frau,eine "wertlose" dynamische junge Ego-Frau.

Doch Atafeh Hakimi (Nikohl Boosheri), ebenso schön wie clever, akzeptiert dies nicht. Sie nutzt den vorgegebenen Freiraum und geht "heimlich" auf die Jagd nach der Lust und Vergnügen. Gemeinsam mit ihrer attraktiven Schulfreundin Shireen (Sarah Kazemy). Man "probiert", besucht illegale Partys, wo Kids beiderlei Geschlechts mit Musik, Sex und Drogen "experimentieren".

Dabei verlieben sich Atafeh und Shireen ineinander. Eine lesbische Beziehung im Iran? Die Moral-Polizei tritt auf den Plan. "Aufgeweckt" durch den in die Familie zurückgekehrten Bruder Mehran (Reza Sixo Safai). Der einst vielversprechende Musiker hat einen Drogenentzug hinter sich und sucht seinen Halt mehr und mehr im religiösen Fundamentalismus.

Überwacht in der geräumigen Wohnung, stasihaft von seiner eigenen Sippe, um eventuelle Unmoral "aufzudecken". "Manchmal müssen wir uns mit der Wirklichkeit abfinden", resigniert die Mutter. Der Vater, einst selber ein Revolutionär, der gegen das Schah-Regime kämpfte, sieht sich in der Defensive. "Du bestimmst über Deine Tochter, ich über meine Frau", gibt Sohn Mehrin die neue Richtung vor- als er Shireen "kauft", was Atafeh nicht mehr aushält.

George Orwell im Jahre 2010. "1984", der allgegenwärtige, mächtige "Große Bruder". Fundamentalistisch, aggressiv, zerstörend. Der Film basiert zum Großteil auf eigenen Erfahrungen der Drehbuch-Autorin und Regisseurin Maryam Keshavarz.. Mit ihrem Spielfilm-Debüt folgt sie einem persischen Sprichwort: "Zwei Herzen, die eins sind, reißen Gebirge nieder".

"Circumstance", wie der Film im Original heißt, wurde in Beirut, im Libanon, gedreht und ist eine faszinierende Gesellschaftsparabel auf den iranischen Mittelstand, der im Sommer 2009 von der sogenannten "Grünen Welle" der Opposition erfasst wurde.

"Circumstance" ist ein prächtiger und kluger Unterhaltungsfilm, besetzt mit einem überzeugenden Ensemble, aus dem die beiden weiblichen Hauptakteure in ihrem unangestrengten, feinfühligen körpersprachlichen Agieren herausragen.

Auf dem renommierten "Sundance Festival", wo der Film im Januar 2011 uraufgeführt wurde, erhielt "Sharayet –Eine Liebe in Teheran" den Publikumspreis. Wir hier sollten ihn – im derzeit angesagten übervollen Programmfieber – auf keinen Fall übersehen: Ein Außenseiter-Hit.

USA/Frankreich/Iran 2010; Regie: von Maryam Keshavarz, Darsteller: Nikohl Boosheri, Sarah Kazemy, Reza Sixo Safai, FSK ab 12 Jahren, Laufzeit: 105 Minuten

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"Ein gesellschaftliches Erdbeben"