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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 20.12.2015

Zukunft von VereinsheimenNeuer Wind im heimlichen Zentrum

Ernst-Ludwig von Aster

Im Innenraum eines Sport-Vereinsheims stehen Tische und Stühle, auf dem Fensterbrett Pokale. Vor dem Fenster ist ein Sportplatz zu sehen. (Deutschlandradio / Ernst-Ludwig von Aster )
Das Vereinsheim des SC Berliner Amateure in Kreuzberg (Deutschlandradio / Ernst-Ludwig von Aster )

Es ist das heimliche Zentrum jedes Vereins: Das Vereinsheim. Doch die Vereine müssen aufpassen, dass ihre Wohnzimmer nicht zur Alten-WG werden. Beispiele für eine sanfte Modernisierung gibt es - etwa in Berlin.

Sonntagmorgen, kurz vor neun. Die D-Jugend der Berliner Amateure macht sich warm für ihr Spiel gegen Marienfelde. Ein kalter Wind fegt über den Kunstrasenplatz an der Körtestraße, der mitten zwischen Kreuzberger Altbauten liegt. Jutta Krüger steht hinter dem Tresen im Vereinsheim,beobachtet die Jugendmannschaft durch die Scheibe.

"Seit 7.30 Uhr bin ich hier. Da setzen wir zuerst 'nen Cafe auf und dann geht's los mit belegte Brötchen machen, Töchterchen hilft fleißig mit."

Mutter und Tochter im Vereinsheim – der Rest der Familie auf dem Platz. Das ist oft der Wochenendplan bei den Krügers.

"Alle spielen sie Fußball bei uns. Außer meine Tochter und ich. Papa ist in der Alt-Liga, drei Jungs sind in der ersten Männer - immer schön voran."

Und das Vereinsheim ist der Treffpunkt. Ein kleiner Raum, Sitzgarnitur, unzählige Pokale auf den Regalen. Und ein kleiner Tresen als Versorgungs-Zentrum.

"Unsere bunten Tüten sind der absolute Renner, oder Sucuk-Brot, Buletten - die können hier alles bekommen, nur kein Alkohol, das gibt es hier gar nicht."

Gesund, gesellig. Ein Ruheraum der Sportbewegung. Mitten im quirligen Kreuzberg.

"Es kommen auch Kinder hierher, und fangen an zu spielen, während die Geschwister draußen Training machen. Dann kommen die Eltern rein, dann wird ein bisschen geklüngelt, ja halt so gemütliches Zusammensein."

Ein sportlicher Spagat

Am Stadtrand, direkt neben dem Olympiastadion, sucht Peter Hahn in einem großen Aktenschrank. Nach der Zukunft des Vereinsheims.

"Ist ein Vereinsheim noch zeitgemäß? Es gibt schon virtuelle Vereinsheime. Und da habe ich ein Beispiel gefunden in Köln."

Peter Hahn ist Referatsleiter beim Berliner Landessportbund, zuständig für Sportstätteninfrastruktur. Dazu gehören auch Vereinsheime. Rund 1000 gibt es in der Stadt.

"Ja, das ist das Wohnzimmer des Vereins, und der Mittelpunkt des Vereins."

Seit 20 Jahren berät Hahn Vereine in Sachen Sportstätten. Prüft ihre Investitionsvorhaben, blickt auf die Mitgliederstruktur.

"Ich stelle fest, das zu wenige Jugendliche da sind. Es gibt Heime, wo man sagt, das ist noch das Abbild der 50er- und 60er Jahre, voller Wimpel erschlagen." .

Dann wird Hahn zum Sportdiplomaten. Die 60er-Jahre vor Augen. Die Zukunft im Blick. Oft ein sportlicher Spagat:

"Es darf keine Skatrunde allein von alten Herren dort stattfinden. Weil es ja auch mit Fördergeldern betrieben wird, sollten die Angebote vielfältiger sein. Und da sind wir im Gespräch mit den Vereinen und Verbänden, um diese Zukunftsschiene zu bedienen."

Zukunftsprogramm für das Vereinsheim

Operation Zukunft. Damit das Wohnzimmer des Vereins nicht zur Alten-WG wird.

"Habe ich gerade aktuell gesehen: Einer hat seine Fotos ausgestellt. Und neuerdings ist es auch so, dass Räumlichkeiten für die Jugend geschaffen werden, nebenan Internet."

Eine sanfte Modernisierung. Kein übereilter Umbau. Das schwebt Peter Hahn vor - als Zukunfts-Programm für das Vereinsheim.

"Das ist schon so eine Art Rückzugsgebiet. Und wenn das top gemacht wird, dann… Gibt es genug Beispiele, Körtestraße, wie auch immer."

Halbzeit bei den Amateuren in Kreuzberg. Ein Dutzend Zuschauer drängen ins Vereinsheim, kaufen Kaffee und Brötchen. Ein Jugendlicher beäugt neugierig die Handschuhe des Vereins, kauft ein paar für 6,50 Euro. Jutta Krüger lacht. Einen Euro musst Du noch zahlen, sagt sie. Die kriege ich noch vom letzten Mal.

"Man ist Kummerkasten-Mama, für alle und jeden da. Können gerne alle mit ihre Probleme kommen, wird geguckt, wo man helfen kann. Wie jetzt gerade mit unseren Flüchtlingen, sind wir auch gerade sehr engagiert, da drin, unterstützen die so ein bisschen, sammeln Sportmaterial."

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