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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 25.06.2011

Zivis weg, Bufdis vor

Was bringt der Bundesfreiwilligendienst?

Gäste: Dr. Ansgar Klein, Geschäftsführer des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement und Leopoldine Kawan, Deutsches Rotes Kreuz; Moderation: Stephan Karkowsky

Zivis wie ihn gibt's bald nicht mehr. Die Lücke sollen Freiwillige füllen. (AP)
Zivis wie ihn gibt's bald nicht mehr. Die Lücke sollen Freiwillige füllen. (AP)

"Nichts ist erfüllender, als gebraucht zu werden", mit diesem Slogan wirbt das Bundesfamilienministerium derzeit für den neuen Bundesfreiwilligendienst. Er soll ab dem 01.07.2011 den bisher verpflichtenden Zivildienst ablösen. Doch bislang ist das Interesse eher mager, viele Einrichtungen befürchten Lücken in der Versorgung.

Noch herrscht auch Verwirrung, was dieser neue Dienst bringen soll und für wen er gedacht ist. Kritiker befürchten teure und unnötige Parallelstrukturen neben den bereits etablierten Freiwilligendiensten.

Zu den Skeptikern gehört der Geschäftsführer des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement Ansgar Klein. Besonders die Öffnung auch für ältere Freiwillige stelle die Träger vor neue Herausforderungen:

"Wir haben gute Erfahrungen mit dem Freiwilligendienst aller Generationen gemacht, und mir ist nicht klar, wie die psychologische Betreuung der Älteren aussehen soll. Bei den Älteren muss man eine ganz andere Pädagogik anwenden, als bei den unerfahrenen Jungen. Das ist komplettes Neuland, das wird nicht einfach so nebenbei gemacht!"

Da der Zwang wie bei den Zivis wegfalle, müsse der Dienst für die künftigen "Bufdis", wie sie von der Bundesfamilienministerin genannt werden, attraktiver werden:

"Er muss interessant sein, motivierend, er muss Lernprozesse anstoßen, wo ich etwas von meiner Umgebung lernen kann. Und ich muss am Ende rauskommen und sagen: 'Das war eine tolle Sache!' Bettenschieber, Fahrer oder Pförtner – das macht doch keiner!"

Ansgar Klein erinnert aber auch daran, dass 2011 das "Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit" ist und möchte eine Diskussion über ein generelles soziales Engagement anstoßen:

"23 Millionen Menschen tun es bundesweit und sie tun es nicht wegen des Geldes, sondern weil man davon selber einiges hat. Wer sich engagiert, kriegt soziale Kontakte, er sammelt Erfahrungen, Kompetenzen. Er gestaltet Gesellschaft mit. Man lernt viel fürs Leben und verändert die Gesellschaft. Deshalb sagen wir: Wer Engagement fördert, fördert die Demokratie."

"Wir brauchen eine neue Anerkennungskultur", sagt Leopoldine Kawan. Die Pädagogin leitet die Ausbildung für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) beim Deutschen Roten Kreuz in Berlin. Sie betreut auch schon die ersten "BFDler", wie sie sie nennt.

"Bufdi klingt doch wie Mufti. Soll ich eine 61-Jährige Bufdi nennen?"

Ihre ersten Bewerber:

"Ältere Frauen, die ganz viel Kompetenzen haben und diese gern als Lebensschatz weitergeben möchten. Jüngere müssen sich diese Kompetenzen erst erwerben. Der Bedarf von Menschen über 27Jahren, sich zu engagieren, ist da. Ich höre das so oft: 'Wie schade, dafür bin ich schon zu alt'."

Sie sieht eine große Chance für den Bundesfreiwilligendienst und ein generelles Engagement:

"Wir schaffen damit doch viel bessere Voraussetzungen für den ersten Arbeitsmarkt! Und wir entlasten die Staatskasse: Leute, die arbeiten, sind weniger krank. Außerdem ist es ein guter Austausch zwischen jung und alt – das finde ich super! Es vermittelt auch ein anderes Lebensgefühl: Gebraucht zu werden!"

"Zivis weg, Bufdis vor – Was bringt der Bundesfreiwilligendienst?"
Darüber diskutiert Stephan Karkowsky heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit Leopoldine Kawan und Ansgar Klein. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Links:
Bundesfreiwilligendienst
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
Bundesfreiwilligendienst im DRK

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