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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 09.10.2011

Xenon, ein fast ideales Narkosegas

Das Gas wird selbst von Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand gut vertragen

Nach der Narkose kein Schwindel mehr - mit dem Edelgas Xenon ist das Realität. (picture alliance / dpa /  Jan-Peter Kasper)
Nach der Narkose kein Schwindel mehr - mit dem Edelgas Xenon ist das Realität. (picture alliance / dpa / Jan-Peter Kasper)

Xenon ist ein Edelgas, das in der normalen Luft vorkommt. Allerdings in einer äußerst geringen Konzentration. Ein Kubikmeter Luft enthält nur 0,08 Millilieter Xenon, das mit Hilfe von Luftzerlegungsanlagen gewonnen wird. In Deutschland ist Xenon seit 2005 als Narkosegas zugelassen. Doch noch nutzen nur wenige Kliniken das zwar sehr schonende, aber sehr teure Anästhetikum.

"Also es geht um die Hypnose, das ist der Schlaf und die Analgesie, die Schmerzfreiheit. Beides gewährleisten wir durch Medikamente. Die Narkosemedikamente, die wir benutzen, die sind sehr sicher, die sind sehr erprobt, aber trotzdem machen die immer kleine Blutdruckschwankungen, deswegen kontrollieren wir hier alle drei Minuten den Blutdruck."

Bei Patienten mit einem geschwächten Herzen sinkt während einer herkömmlichen Narkose der Blutdruck häufig ab, was dann mit ensprechenden Medikamenten behandelt werden muss. Unter einer Narkose mit dem Edelgas Xenon tauchen diese unerwünschten Blutdruckabfälle jedoch so gut wie gar nicht auf.

Xenon belastet offenbar das Kreislaufsystem erheblich weniger als die heute üblichen Narkosemedikamente. Auch deshalb wird Xenon von Anästhesisten als nahezu ideales Narkosemittel gefeiert. Doch in der Klinik kommt es kaum zum Einsatz. Das liegt vor allem an den enormen Kosten, rechnet Peter Kienbaum, Anästesist an der Uniklinik Düsseldorf am Beispiel einer zweistündigen Operation vor:

"In einem solchen Szenario muss man etwa mit 15 bis 20 Litern Xenongas rechnen. Und jetzt einmal den Preis genommen von 15 Euro pro Liter, ergeben sich hierraus allein Medikamentenkosten von 200 bis 300 Euro in diesem Fall."

Eine herkömmliche Narkose würde hingegen nur 80 bis 100 Euro kosten. Der tiefe Schlaf durch Xenon ist also dreimal teuer, so dass er für eigentlich gesunde Patienten kaum zu rechtfertigen ist, meint Peter Kienbaum. Deshalb untersuchen die Düsseldorfer Ärzte derzeit in einer Studie, welche Patienten erheblich von der Xenon-Narkose profitieren.

"Also ich glaube, dass Patienten mit Vorerkrankungen im Bereich des Herz-Kreislaufsystems und auch solche Patienten, die rasch aus der Narkose erwachen sollen, um sie neurologisch beurteilen zu können, von einer xenonbasierten Anästhesie profitieren werden."

Denn das Besondere an Xenon ist, dass es sehr schnell wirkt, sobald man es der Atemluft des Patienten zufügt, es seine Wirkung aber ebenso schnell verliert, wenn es nicht mehr eingeatmet wird. Das ist zum Beispeil bei Operationen am Gehirn sehr hilfreich, sagt der Düsseldorfer Anästhesist Martin Neukirchen.

"Das ist das für mich wirklich Beeindruckende, dass die Patienten nach der Narkose unmittelbar wieder Kopfrechnen können, um es ganz plakativ auszudrücken. Also die Patienten erwachen aus der Narkose und sind im Grunde genommen hellwach, man kann sehen, können sie die Arme bewegen, können sie die Beine bewegen. Und das ist wirklich sehr eindrucksvoll im Unterschied zu den anderen Medikamenten, die wir sonst so benutzen."

Auch ältere Patienten profitieren offenbar erheblich von der Behandlung mit dem Edelgas. Das Gehirn verträgt Xenon nach bisherigen Errfahrungen recht gut, so dass die häufig nach einer Nakose herrschende Verwirrtheit spürbar seltener auftritt. Das alles könnte letztendlich sogar trotz Mehrkosten für die Narkose Kosten sparen.

"Wenn jemand nach der Narkose verwirrt ist und nicht koordiniert ist, muss er natürlich länger im Krankenhaus bleiben, als wenn er wach wird und Kopfrechnen kann."

Außerdem soll eine verbesserte Technik nun helfen, die Kosten für die schonende Narkose zu senken. Mit Hilfe eines geschlossenen Kreislaufsystems und einer Aufbereitung der Ausatemluft des Patienten lässt sich der Verbrauch des Edelgases um bis zu 75 Prozent senken, erklärt Narkosearzt Peter Kienbaum.

"Das passiert, laienhaft dargestellt, in dem Narkosegerät. Das heißt, der Patinet atmet ja dann Kohlendioxyd mit aus, atmet auch Xenon mit aus. Und die Atemluft wird in dem Narkosegerät vom Kohlendioxyd befreit und das Xenon, was der Patient ausgeatmet hat, wird ihm dann auch mit einem der nächsten Atemzyklen wieder zugeführt."

So atmet der Patient bis zu 90 Prozent seiner ausgeatmeten und wieder aufbereiteten Atemluft erneut ein. Das macht die Betäubung billiger und schont die äußerst geringen Resourcen des Edelgases. Die Düsseldorfer Mediziner hoffen nun, dass durch die verbesserte Technik und die bisher guten Ergebnisse aus noch laufenden Studien in Zukunft mehr Risikopatienten in den Genuss einer Xenon-Narkose kommen. Denn die Vorteile überwiegen eindeutig, sagt Martin Neukirchen:

"Abgesehen von den Kosten habe ich bisher eigentlich keine Nachteile beobachtet. Das einzige wo wir ähnliche Effekte beobachten, wie bei normalen Narkosen, ist die Übelkeit. Also auch hier haben wir, ich würde sagen im Bereich von zehn Prozent Übelkeit nach der Narkose."

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