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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.10.2011

"Wunderkinder"

Zwei jüdische Kinder werden in der Ukraine der Vorkriegszeit als musikalische Genies gefeiert

Von Jörg Taszman

Imogen Burrell (links nach rechts) als Larissa, Elin Kolev als Abrascha und Mathilda Adamik als Hanna im Film. (picture alliance / dpa /  Britta Pedersen)
Imogen Burrell (links nach rechts) als Larissa, Elin Kolev als Abrascha und Mathilda Adamik als Hanna im Film. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Marcus O. Rosenmüllers "Wunderkinder" erzählt zwei Geschichten: Die der hochbegabten jüdischen Kinder Abrasch und Larissa, die um ihr Leben musizieren, und die Geschichte ihrer ebenfalls musikalischen Freundin Hanna, die mit ihrer deutschen Familie in die Mühlen des Krieges gerät.

Die Ukraine 1941 kurz vor dem Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion. Die beiden jüdischen Kinder Abrascha und Larissa spielen vor Stalin, die Förderer in der KPdSU sind so entzückt, dass den beiden sowjetischen Wunderkindern sogar ein Auftritt in der "Carnegie Hall" versprochen wird. Im Publikum sitzt auch eine deutsche Familie, die es in die Ukraine verschlagen hat.

Hanna, die Tochter eines Brauereibesitzers, möchte mit den beiden Wunderkindern spielen. Nach anfänglichem Zögern entwickelt sich zwischen den drei Kindern eine echte Freundschaft. Doch dann bricht der Krieg aus und der NKWD (sowjetischer Geheimdienst) rächt sich zunächst an den Deutschen. Hannas Familie wird von Juden und Ukrainern versteckt. Als die Deutschen einrücken, kann der Brauereibesitzer sich dann zunächst revanchieren. Aber die SS hat nur die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Sinn.

Der von Artur und Alice Brauner produzierte Film erzählt eine durchaus komplexe und spannende Geschichte aus wirren politischen Zeiten. Leider setzt man dabei auf dramaturgisch zu einfache Lösungen. So reden die Kinder und alle Protagonisten im Film Deutsch miteinander und auch das Darstellerensemble ist alles andere als international. Da kann sich Gudrun Landgrebe als Jüdin, Kommunistin und geniale Musiklehrerein noch so mühen, es wirkt einfach nicht authentisch genug.

Achim von Borries ist mit "Vier Tage im Mai" gerade einen anderen Weg gegangen, hat einen zweisprachigen Film gedreht, der immer wie Kino und nicht wie "Wunderkinder" bestenfalls wie ein betulicher Fernsehfilm wirkt. Einzig und allein Konstantin Wecker als manipulativer SS-Mann, der die Kinder um ihr Leben spielen lässt, ist ein echter Besetzungscoup.

Am Ende bleibt der ehrenwerte Versuch, mit einer allzu ausgedachten Geschichte die Schrecken der Judenverfolgung aus der Sicht von Kindern zu erzählen. Das ist phasenweise berührend aber insgesamt leider nur interessant misslungen.

Deutschland 2011. Regie: Marcus O. Rosenmüller. Darsteller: Elin Kolev, Mathilda Adamik, Imogen Burrell, Kai Wiesinger, Catherine Flemming, Gudrun Landgrebe, Konstantin Wecker. 100 Minuten, ab 12 Jahren.

Links bei dradio.de
Musikpsychologe Holzinger über die emotionalen Folgen von übertriebenem Drill
"Die Konkurrenten - Russlands Wunderkinder II"

Filmwebseite "Wunderkinder"

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