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Kulturpresseschau

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Fazit

Kunsthalle BremenViele Lücken in den Beweisketten
Die Aufnahme vom 20.08.2011 zeigt die Rückseite der Kunsthalle Bremen am Tag ihrer Wiedereröffnung mit beiden Anbauten. Damit vergrößerte sich die Nutzfläche um 3750 auf insgesamt 7820 Quadratmeter. Nach der zweijährigen Schließung präsentierte sich damit die Kunsthalle der Hansestadt deutlich erweitert und modernisiert.

Bundesweit lagert in den Museen noch von den Nazis geraubter Besitz. Denn wenn der Etat kaum für Museumsarbeit reicht, kommt auch die Provenienzforschung zu kurz. Die Kunsthalle zeigt erste Ergebnisse eines dreijährigen Projekts.Mehr

Brasiliens KulturszeneZerrissen wie nie
Blick auf die Stadt Rio de Janeiro und die Bucht, links ist die Christusstatue zu sehen 

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt streiten die Kulturschaffenden in Brasilien über die Frage, für wen sie ihr Kreuz machen sollen. Die Auseinandersetzung wird emotional geführt - und verursachte sogar das Aus einer Filmfirma.Mehr

FilmmusikKlänge für den Kampf gegen den Hai
Pierre Brice (l) als Apachen-Häuptling Winnetou und Lex Barker als sein Blutsbruder Old Shatterhand in einer Szene des Karl-May-Films "Im Tal des Todes". Lex Barker sitzt auf einem Pferd mit einem Gewehr in der Hand. Beide schauen in die Ferne.

Moderne Musik für einen Stummfilmklassiker: Bei den Filmmusiktagen Sachsen-Anhalt üben sich zum Beispiel junge Komponisten. Doch auch die renommierten Vertreter kommen in Halle auf ihre Kosten und es gibt eine Ehrung für den Komponisten der Winnetou-Musik.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.09.2011

Wie ein anschwellender Sturm

"Bluthochzeit" am Münchner Volkstheater

Von Christoph Leibold

Roter Vorhang
Roter Vorhang (Stock.XCHNG)

Diese Inszenierung ist kurz, aber heftig: Der serbische Regisseur Milos Lolic lässt Federico Gracia Lorcas lyrischer Tragödie "Bluthochzeit" ihre archaische Kraft entfalten – bannt dabei aber jedwede Kitschgefahr.

Diese Inszenierung ist kurz, aber heftig. Wie ein rasch anschwellender Sturm. Der serbische Regisseur Milos Lolic, der mit der "Bluthochzeit" am Münchner Volkstheater seine erste Inszenierung an einem deutschen Stadttheater vorgelegt hat, lässt Lorcas lyrischer Tragödie ihre archaische Kraft, bannt aber jedwede Kitschgefahr, die in der poetisch-pathetischer Sprache des Stücks lauert, indem er mit einer dezidiert kargen Ästhetik kontert.

Ein blutroter Vorhang, davor in einer langen Reihe nebeneinander goldene Stühle auf der ansonsten leeren Bühne, die nichts anderes zu sein behauptet als sie ist: eben eine Theaterbühne. Auf den Stühlen nehmen die Schauspieler Platz. Sie sind in Kleider geschlüpft, die Ort und Zeit von Lorcas Stück zitieren (Spanien in den 1930er Jahren), schlüpfen aber nicht in die Rollen andalusischer Bauern. Lorcas Figuren werden bei Lolic eher gezeigt als verkörpert, sie scheinen fast nur aus Sprache und Mimik zu bestehen, kaum Körperlichkeit. Wer etwas zu sagen hat, erhebt sich von seinem Stuhl und geht vor an die Rampe, Monologe und Dialoge werden dort direkt ins Publikum gesprochen.

Während vorne die Solos oder Duette stattfinden, bleiben die übrigen Darsteller hinten sitzen, lauschen konzentriert, machen manchmal chorische Einwürfe (die oft Szenenanweisungen gleichkommen) und vor allem: klopfen, klatschen und stampfen. Das lässt an Flamenco denken. Und tatsächlich steigert sich das anfänglich den Text nur akzentuierende, musikalisch rhythmisierende Klopfen und Klatschen in der Hochzeitsszene zu einem berauschten Tanz, den hier alle um das Brautpaar tanzen. Aber da ist die Braut längst schon in Gedanken bei ihrem früheren Liebhaber, mit dem sie wenig später durchbrennen wird. Der verschmähte Bräutigam nimmt die Spur auf, das Stampfen und Trampeln der Schauspieler wird nun zum donnernden Hufgetrappel der berittenen Verfolger.

Klirrendes Gitarrengetöse, düstere Klangkaskaden aus dem Lautsprecher und dumpfe Schläge auf ein Mikrophon, die dem Zuschauer in die Magengrube wummern, markieren den finalen Showdown, als sich Bräutigam und Brauräuber gegenseitig umbringen. Der infernalische Sturm ist entfesselt. Ohne einen einzigen Tropfen Bühnenblut zu verspritzen, hat Milos Lolic einen soghaften Blutrausch inszeniert. Eine überwältigende Theaterstunde.