Seit 13:30 Uhr Länderreport
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 13:30 Uhr Länderreport
 
 

Religionen / Archiv | Beitrag vom 22.11.2008

Wann beginnt und wann endet die Weihnachtszeit?

Katholische und evangelische Zählweisen

Von Thomas Kroll

Weihnachtsmarkt  in Erfurt (AP)
Weihnachtsmarkt in Erfurt (AP)

Lebkuchen vor Herbstbeginn, Weihnachtsmärkte Mitte November. Alle Jahre wieder. Nicht genug: Wer im Dezember durch Berliner Straßen schlendert, gewinnt den Eindruck, es sei Weihnachtszeit. Schöner Schein: In vielen Wohnungen spendet schon ein Christbaum Licht. Und am dritten Weihnachtstag ist wieder alles vorbei. Dann säumen bereits zahlreich ausrangierte Tannenbäume die Bürgersteige der Hauptstadt. Wer wissen will, wie lang die Weihnachtszeit dauert, hat es nicht leicht. Er muss die katholische und die evangelische Zählweise beachten.

Rohner: "Und so dauert die Weihnachtsoktav ..."

Achtung, es geht hier nicht um Musik. Die Weihnachtsoktav finden Sie weder auf einem Weihnachtsklavier noch auf einem Christmas-Xylophon.

Rohner: "Und so dauert die Weihnachtsoktav vom Weihnachtsfest selbst bis zum Neujahrstag, der der Oktavtag von Weihnachten ist. Und eigentlich sind die acht Tage so wie ein großer Tag, ein großes Fest mit vielen Facetten."

Verstehe: Katholisch gerechnet dauert Weihnachten acht Tage. Katholiken feiern einfach durch – am 25., 26., 27., 28., 29., 30., am Sylvester und am Neujahrstag. Macht unterm Strich acht volle Feiertage.
Da hat man die Rechnung aber ohne die Protestanten gemacht. Die können noch länger! Deren Buchhaltung folgt Sternen, nicht Zahlen.

Mildenberger: "... die Sterne hängen auf jeden Fall bis zum letzten Sonntag nach Epiphanias."

Epiphanie, neudeutsch: "Heilige Drei Könige", feiert man am 6. Januar, fünf Tage nach dem Neujahrstag. Dann dauert Weihnachten 13 Tage lang, Weihnachtsoktav plus fünf Tage.
Damit sind wir aber keineswegs am Ende.

Mildenberger: "Wenn Ostern sehr früh ist, wie es in diesem Jahr war, dann gibt es nur einen Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Und dann erst, ... am Ende dieser Woche nach dem Epiphaniasfest endet der Weihnachtsfestkreis."

In diesem Jahr fiel Epiphanias auf einen Sonntag. Bis zum Sonntag darauf folgten weitere sieben Tage. Weihnachtsoktav plus fünf Tage bis Epiphanias, dazu weitere sieben Tage, macht insgesamt zwanzig Tage.

Rohner: "Früher feierte man die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar, dem Fest Lichtmess."

Die Katholiken wieder. Sie verdoppeln glatt. Wenn die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar dauert, macht das exakt 40 Tage.

Mildenberger: "Und es können in ... unserer deutschen evangelischen Zählung insgesamt bis zu sechs Sonntage nach dem Epiphaniasfest gefeiert werden."

Die Protestanten halten locker mit beim Weihnachtspoker. 13 Tage bis Epiphanias und dann noch bis zu 42 Tage wegen der sechs Sonntage nach Epiphanias – macht unterm Strich 55 Tage. Das ist Rekord. Das ist viel – für viele zu viel.
Spaß beiseite. Wie kommt diese Verwirrung zustande? Beginnen wir mit der Adventszeit. Schritt für Schritt. Wann beginnt die?

Mildenberger: "Man muss da eben vom 25. Dezember zurückrechnen und sagen: Der Advent beginnt am 4. Sonntag vor dem 25. Dezember."

Irene Mildenberger vom Liturgiewissenschaftlichen Institut der VELKD bei der Theologischen Fakultät Leipzig.

Mildenberger: "Es kann ... der erste Advent frühestens am 27. November sein und spätestens ist er am 3. Dezember. Also von daher hängt es einfach damit zusammen, dass Weihnachten nicht immer auf den gleichen Wochentag fällt und von daher sich der Anfang verschiebt."

Auf diese Unterschiede gehen aber die handelsüblichen Adventskalender nicht ein. Die sind genormt. Sie beginnen stets mit dem 1. Dezember und liegen damit oft falsch – liturgisch, aber auch praktisch gesehen. In diesem Jahr gibt es ein Stück Schokolade weniger für die Kinder, denn der 1. Advent fällt auf den 30. November.
Einfacher ist es mit dem Ende: Der Advent ist vorbei, wenn Weihnachten beginnt.

Mildenberger: "Man weiß gar nicht mehr, dass Weihnachten eigentlich am 25. Dezember ist. Das ist immer das erste, was ich ... selbst meinen Studenten immer wieder beibringen muss, dass Weihnachten nicht am 24. Dezember ist, sondern erst am 25."

Warum dann aber Christvespern und Christmetten am 24. Dezember?

Mildenberger: "Liturgisch gesehen beginnt der Tag immer am Abend, das heißt der 25. Dezember, der Weihnachtstag beginnt am Abend des 24. Dezember und damit beginnt die Weihnachtszeit."

Rohner: "Der Adventskranz als Zeichen des Advent – übrigens noch gar nicht so alten Datums – kennzeichnet die drei bis vier Wochen, die es sind vom 1. Advent bis zum Heiligen Abend, die berühmten vier Kerzen. Der Weihnachtsbaum als Lebensbaum, ein Zeichen, das die Weihnachtszeit im engeren Sinne prägt, der also vor dem Heiligen Abend noch eigentlich nichts verloren hat."

Martin Rohner, Zeremoniar am Dom zu Osnabrück.
Protestanten entzünden die Kerzen am Weihnachtsbaum nach der Christvesper. Katholiken müssen noch warten. Katholische Christbäume erstrahlen erst nach der nächtlichen Messfeier in vollem Licht.

Rohner: "Der Weihnachtsfestkreis besteht aus der Adventszeit und der Weihnachtszeit im engeren Sinne. Die Adventszeit als die Vorbereitungszeit, die vom 1. Advent bis zum Heiligen Abend geht, und die Weihnachtszeit, die dann vom Heiligen Abend bis zum Sonntag nach dem 6. Januar geht."

So die aktuelle katholische Version. Die Weihnachtszeit beginnt mit der Weihnachtsoktav und endet – wie auch der Weihnachtsfestkreis – am Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn. Das nennt man auch Epiphanie oder Epiphanias.
Das evangelische Gottesdienstbuch sieht jedoch für die Weihnachtszeit und für den Weihnachtsfestkreis eine andere Zeiteinteilung vor. Und jetzt wird die Sache verwirrend:

Mildenberger: "Der Weihnachtsfestkreis besteht aus der Adventszeit, der eigentlichen Weihnachtszeit und dann zumindestens in der evangelischen Kirche aus der Epiphaniaszeit."

Bleiben wir zunächst bei der Weihnachtszeit. Die endet für Protestanten mit dem Epiphaniastag am 6. Januar. Babett Flügger, Pastorin am St. Petri Dom zu Bremen:

Flügger: "In diesem Jahr fiel ja der 6. Januar auf den Sonntag, und bei uns privat in unserer Familie stand der Weihnachtsbaum noch am 6. Januar. Wir haben noch einmal die Kerzen angezündet und wir haben den 6. Teil des Weihnachtsoratoriums gehört, der ja am 6. Januar, am Epiphaniastag, zu spielen sei. Und damit haben wir persönlich das Weihnachtsfest in diesem Jahr abgeschlossen."

Mildenberger: "Der Weihnachtsfestkreis, das ist klar, der geht weiter. Andererseits sind die Texte, die ... in dieser Zeit gelesen werden und die Inhalte dann doch nicht mehr so unmittelbar mit Weihnachten verbunden und deswegen denke ich ist es im Bewusstsein der Menschen schon so, dass ein erster großer Einschnitt der 6. Januar ist."

Bei den Protestanten schließt sich an die Weihnachtszeit noch die Epiphaniaszeit an. Die beendet den Weihnachtsfestkreis.

Mildenberger: "Und es können in ... unserer deutschen evangelischen Zählung insgesamt bis zu sechs Sonntage nach dem Epiphaniasfest gefeiert werden. Wie lange ... der Weihnachtsfestkreis tatsächlich dauert, hängt ... davon ab, wann Ostern gefeiert wird."

In der Epiphaniaszeit geht es wie am Epiphaniastag um erste öffentliche Auftritte Jesu. Im Mittelpunkt steht aber nicht mehr das Kind in der Krippe, sondern der erwachsene Jesus. Der lässt sich öffentlich taufen und wirkt sein erstes Wunder bei der Hochzeit zu Kanaa.
In der katholischen Kirche hat man mit der Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil die Sonntage nach Epiphanias abgeschafft und die Weihnachtszeit verkürzt. Dennoch trifft man in katholischen Kirchen auch nach dem offiziellen Ende der Weihnachtszeit auf Weihnachtsbäume.

Rohner: "Früher feierte man die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar, dem Fest Lichtmess, "Darstellung des Herrn" heißt das Fest offiziell heute. Deshalb steht auch an ganz vielen Orten die Krippe bis zum 2. Februar, und wenn dann in manchen Kirchen auch noch Weihnachtsbäume, vielleicht gerade an der Krippe stehen, ist das nichts Schlimmes, sondern durchaus ein gutes Symbol."

Religionen

Kulturerbe Kneipp-KurDoktor Wasserfreund
Ein Büste von Sebastian Kneipp ist im Kurpark in Bad Schwalbach (Hessen) mit Ästen von umgestürzten Bäumen verdeckt.  (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Die deutsche Unesco-Kommission hat das Kneippen in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Erfunden hat die Wasseranwendung der Priester und Gesundheitsreformer Sebastian Kneipp, auch "Wasserdoktor" genannt.Mehr

ExorzismusMit Teufelsaustreibern gegen Wahrsager
Diese Zierinitiale als Deckfarbenmalerei mit Gold zeigt eine Teufelsaustreibung, aufgenommen in Stralsund in einer Handschrift mit dem Titel Liber ordinarius (= Regelungen für liturgische Handlungen) aus dem 15. Jahrhundert (picture alliance / ZB / Stefan Sauer)

Die römische päpstliche Hochschule bietet Exorzismus-Kurse gegen den Hang vieler Italiener an, Wahrsager und Kartenleger aufzusuchen. Kritiker werfen der Kirche vor, dass ihre Teufelsaustreiber selbst nicht mehr als Scharlatane seien.Mehr

Papst FranziskusIn Polen geliebt und gehasst
Papst Franziskus bei der Kreuzweg-Prozession an Karfreitag am Kolosseum in Rom.

Am Dienstag beginnt der Weltjugendtag in Krakau: Hunderttausende werden kommen, um Papst Franziskus zu sehen. Dabei sind nicht alle Polen gut auf den Papst zu sprechen. Manchen ist er zu liberal - gerade Flüchtlingen oder auch Homosexuellen gegenüber.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur