Seit 19:00 Uhr Oper
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 19:00 Uhr Oper
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 27.01.2016

Vorwürfe russischer Behörden Propaganda gegen Europa

Andrej Gurkov im Gespräch mit Katja Schlesinger und Frank Meyer

Der russische Außenminister Sergei Lawrow (picture alliance / dpa / Karpov Sergei)
Der russische Außenminister Sergei Lawrow erhebt Vorwürfe gegen deutsche Behörden. (picture alliance / dpa / Karpov Sergei)

"Es ist eine Propagandawelle", sagt der Journalist Andrej Gurkov über den Umgang russischer Medien mit dem Fall eines angeblich entführten und vergewaltigten Mädchens aus einer russlanddeutschen Familie. Mit der Propaganda wolle man Stimmung gegen Europa machen.

Seit Tagen gibt es Spekulationen über eine angebliche Entführung und Vergewaltigung eines 13jährigen Mädchens aus einer russlanddeutschen Familie in Berlin. Obwohl die Polizei mehrfach Zweifel am Wahrheitsgehalt der Geschichte geäußert hat, schaltete sich nun sogar Außenminister Sergei Lawrow ein. Er forderte eine lückenlose Aufklärung über das Schicksal von "unserem Mädchen Lisa".

Andrej Gurkov, Journalist bei der Deutsche Welle, berichtete im Deutschlandradio Kultur über den Umgang mit dem Thema in den russischen Medien

"Im Fernsehen wird dieser Fall seit Tagen massiv thematisiert. Es ist regelrecht eine Propagandawelle. Sie zielt darauf, dass Europa – jetzt überflutet von den Flüchtlingen – jetzt nicht mehr die Sicherheit von ehemaligen russischen oder nach wie vor russischen Staatsbürgern garantieren kann."

"Unter dem Schutz Moskaus"

Es herrsche eine neue Doktrin, sagte Gurkov:

"Alle, die russische Wurzeln haben, befinden sich sozusagen unter dem Schutz Moskaus. Und daher hat Lawrow eigentlich nur auf ein Thema und auf eine Frage reagiert, die zur Zeit von den Medien in Russland sehr hoch gespielt wird."

Position Putins soll gestärkt werden

Es gehe weniger um den konkreten Fall, sondern um dessen "propagandistische Dimension", meinte Gurkov. Mit dieser Linie verfolge man zwei Ziele:  

"Erstens: Die Stimmung gegen Europa anzuheizen oder überhaupt Stimmung gegen Europa in Russland zu machen. Durch das Miesmachen Europas stärkt man innenpolitisch die Position von Wladimir Putin und seiner Regierung. Zweitens: Die fremdenfeindlichen Stimmungen, die in Deutschland eindeutig da sind und zunehmen, werden genutzt, um einen gewissen Druck auf die Regierung auszuüben, konkret auf die Kanzlerin. Dem Kreml käme es natürlich gelegen, wenn Frau Merkel jetzt zurücktreten würde."  

Dem Kreml sei Merkels harte Haltung bei den Sanktionen im Weg. Durch Stimmungsmache gegen Europa und vor allem die Kanzlerin wolle man von innenpolitischen Problemen ablenken: Russland brauche Geld, da es unter dem niedrigen Ölpreis leide. Aufgrund der Sanktionen könne sich der Kreml aber kein Geld im Ausland leihen.

Mehr zum Thema

Russlanddeutsche in Nürnberg - Wie die Vertreibung der Stalin-Ära nachwirkt
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 25.01.2016)

Syrien-Friedensgespräche in Genf - Will Russland syrische Teilnehmer aussuchen?
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 25.01.2016)

Kämpfer gegen Assad - Wo muss man als Syrer stehen?
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 22.01.2016)

Mord an Litwinenko - Russland weist die Schuld weit von sich
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 21.01.2016)

Interview

Nukleare AufrüstungTrump gibt "Anlass zur Sorge"
Russland zeigt eine Topol-M-Atomrakete auf dem Trainingsgelände in Alabino bei Moskau am 07.04.2010. (dpa/picture alliance/ RIA Nowosti/ Iliya Pitalev)

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, das Atomwaffenarsenal seines Landes auszubauen. Er will "das Rudel anführen". Der Rüstungsexperte Oliver Meier hält die Sorge vor neuen atomaren Rüstungswettläufen für berechtigt.Mehr

175 Jahre Karl MayDie Lust am Reisen in Gedanken
Der französische Schauspieler Pierre Briece als Winnetou und der britisch-amerikanische Schauspieler Stewart Granger (r) in der Rolle des Old Surehand in einer Karl-May-Verfilmung Anfang der 60-er Jahr in Jugoslawien (picture alliance / dpa / rialto)

Er unternahm fiktive Reisen an reale und imaginäre Orte, reiste als Old Shatterhand nach Nordamerika und als Kara Ben Nemsi in den Orient: Der Erfolg von Karl Mays Romanen lag in der Kombination von real Möglichem mit Imaginärem und starken Charakteren, sagt der Literaturwissenschaftler Werner Nell. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur