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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 11.04.2014

Vor 35 JahrenDer ugandische Diktator Idi Amin wurde gestürzt

Ende einer achtjährigen Schreckensherrschaft

Von Gaby Mayr

Schwarz-weiß Foto von Ugandas Ex-Diktator Idi Amin (undatiertes Archivbild), bekannt als "Schlächter von Afrika". (dpa / epa)
Ugandas Ex-Diktator Idi Amin (undatiertes Archivbild), bekannt als "Schlächter von Afrika", erlag am 16.8.2003 in Saudi-Arabien, wo er in den vergangenen Jahren im Exil lebte, einem Nierenleiden. (dpa / epa)

Idi Amin ist bei uns bis heute der Inbegriff des blutrünstigen afrikanischen Diktators. Während seiner achtjährigen Herrschaft hatte er Hunderttausende Menschen in Uganda umbringen lassen. Am 11. April 1979 wurde er gestürzt.

"Guten Abend, meine Damen und Herren. Keine Spur von Idi Amin. Sein Militär außer Kontrolle, Ugandas Hauptstadt Kampala ist bedroht von Hungersnot und Epidemien."

So berichtete der Deutschlandfunk nach der Entmachtung des ugandischen Diktators am 11. April 1979. Acht Jahre lang hatte Amin das ostafrikanische Land beherrscht.

1971 putschte sich Idi Amin an die Macht

Idi Amin Dada wurde zwischen 1923 und 1928 geboren - das genaue Datum ist unbekannt. Seine Mutter war eine traditionelle Heilerin, der Vater konvertierte vom Katholizismus zum Islam und verließ die Familie früh. Amin wuchs auf dem Land auf, die Schule besuchte er nur wenige Jahre.

1946 wurde er Mitglied der britischen Kolonialarmee. Bei mindestens einem Einsatz - das ist dokumentiert - verübte er Grausamkeiten. Amin erreichte den höchsten militärischen Grad, der einem Afrikaner zugänglich war. Der große, schwere Mann begeisterte die Briten als Rugbyspieler und langjähriger Boxchampion im Schwergewicht.

1962 wurde Uganda unabhängig. Unter Regierungschef Milton Obote stieg Idi Amin zum Generalstabschef auf. Obote trieb den König des mächtigen Baganda-Volkes, der zugleich Staatsoberhaupt war, ins Exil. Er jagte Menschen aus Kenia zurück in ihr Herkunftsland, verbot andere Parteien und steckte politische Gegner ins Gefängnis. Seine sozialistische Wirtschaftspolitik inklusive Verstaatlichungen brachte Uganda ins Taumeln.

Am 25. Januar 1971 übernahm General Idi Amin nach einem Militärputsch die Macht:

"The members of the Uganda army and airforce decided to take over."

Er lebte mit mehreren Ehefrauen und zahlreichen Kindern

Der joviale General ließ sich gerne "Big Daddy" nennen. In den entlegensten Winkeln Ugandas hörte er sich die Sorgen der Dorfgrößen an. Er versprach, die Korruption zu bekämpfen. Im State House lebte er mit mehreren Ehefrauen und zahlreichen Kindern.

Aber Amin war nicht ausgebildet und nicht gerüstet, Uganda zu führen. Und er fürchtete die Rückkehr von Milton Obote aus dem Exil. Wenige Monate nach seiner Machtübernahme ließ er Tausende Soldaten ermorden, weil sie Acholi oder Langi waren - also den ethnischen Gruppen angehörten, auf die Obote sich gestützt hatte. Dann jagte Amin die indischstämmige Bevölkerung aus dem Land, etwa 80.000 Menschen. Der Kaufmann Kamruddin Hussein blieb als einer von wenigen Indern in Uganda: "Die meisten waren Geschäftsleute. Die ugandische Wirtschaft war sehr abhängig von den Asiaten."

Die Versorgung brach zusammen, vor allem in den Städten. Bei einigen Gütern allerdings klappte der Nachschub: Panzer und Kampfflugzeuge lieferte die Sowjetunion, Whisky und andere Luxusartikel kamen weiterhin aus London.  Auf internationalem Parkett sagte Amin den letzten weißen Minderheitsregimen in Rhodesien und Südafrika den Kampf an. Er sonnte sich im Kreis von Staatsoberhäuptern und gab sich als unabhängiger Streiter für die Sache Afrikas:

"Mich steckt niemand in die Tasche."

Einen ganz persönlichen Triumph über die einstigen Kolonialherren inszenierte Amin, als er sich zur Eröffnung eines afrikanischen Gipfeltreffens von weißen Geschäftsleuten auf einem Sessel durch Kampala tragen ließ.

Westliche Medien bezeichneten ihn als bizarre Witzfigur

Westliche Medien stellten den bulligen Machthaber als dumpfen Tölpel dar. Oder als bizarre Witzfigur - wenn er seine breite Brust mit glitzernden Phantasieorden schmückte. Als brutaler Schlächter schien er der personifizierte Beweis für Afrikas Unfähigkeit, sich selber zu regieren. Tatsächlich führte Amin eine andauernde blutige Schlacht um seinen Machterhalt. Wer ihm gefährlich schien, wurde von seinen Soldaten gefoltert und umgebracht: Religiöse Führer, Konkurrenten im Militärapparat, Staatsbeamte. Aber er ließ auch sehr viele einfache Leute umbringen.

Die Toten wurden verscharrt. Oder in den Nil geworfen. Schätzungsweise 300.000 Menschen fielen Idi Amin zum Opfer. Über das Ende seiner Herrschaft berichtet eine britische Dokumentation:

"By 1978, 1978 meuterten ugandische Soldaten und flohen ins benachbarte Tanzania. Idi Amin setzte Truppen ein, Tanzania startete einen Gegenangriff. Im April 1979 fiel Kampala"

Der gestürzte Diktator floh. Obote kehrte zurück, hunderttausende Menschen wurden in den folgenden Jahren Opfer von weiteren Machtkämpfen. Idi Amin starb 2003 im saudiarabischen Exil.

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