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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 29.01.2013

Von digitalen Bastlern, die steinreich werden

Chris Anderson: "Makers. Das Internet der Dinge - die nächste industrielle Revolution", Hanser, München 2013, 286 Seiten

Der erste 3D-Drucker in China (picture alliance / dpa / Ruan Banhui)
Der erste 3D-Drucker in China (picture alliance / dpa / Ruan Banhui)

Eigene Produkte am Computer entwerfen, diese einfach ausdrucken und damit zum Unternehmer werden. So könnten die Erfolgsbiografien der nahen Zukunft aussehen, glaubt der Internet-Visionär Chris Anderson. Das passende Werkzeug für die heimische Garage gibt es bereits: den 3D-Drucker.

Wenn Chris Anderson ein Buch schreibt, horcht die Internetwelt auf. Aus gutem Grund: Der amerikanische Wirtschaftsjournalist gilt als ein Mann mit Gespür für die ganz großen Trends. In seinem letzten Buch "Free" beschrieb er ein neues Wirtschaftsmodell, bei dem kostenlose Digitalangebote mit Zusatzfunktionen ergänzt werden, für die ein Kunde bezahlt. Inzwischen werden damit im Internet Millionen verdient.

Auch Heimwerkern des digitalen Zeitalters prophezeit Chris Anderson eine große Zukunft. Und schreibt nicht nur darüber, er hat es selbst ausprobiert: Als Bastler von Flugrobotern hat er sein Hobby in eine florierende Firma verwandelt. Wie er das genau hinbekommen hat und wie es auch andere schaffen können, davon erzählt sein neues Buch "Makers".

"Maker" hat es eigentlich schon immer gegeben – Menschen, die gern Dinge zusammenbasteln und Neues erfinden, deren Ideen jedoch, wenn überhaupt, dann von großen Unternehmen umgesetzt wurden. Mit der Digitalisierung, neuer Software und der Entstehung neuer Werkzeuge wie 3D-Drucker ist das Verhältnis von Erfindern und Wirtschaft jedoch radikal demokratisiert worden. Von nun an kann jeder Produkte am Computer designen, anschließend einfach ausdrucken und damit zum Unternehmer werden. Für Chris Anderson ist das nichts Geringeres als eine neue industrielle Revolution, die unsere Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren radikal verändern wird.

Doch nicht nur, dass die Produktionsmittel jetzt theoretisch in der Hand einer breiten Masse liegen. Anschaulich schildert er, wie sich damit auch die Produktionsweise verändert und eine neue Kultur der Zusammenarbeit entsteht. Schritt für Schritt geht der Journalist beispielhaft die Entstehung von "Maker"-Produkten durch – angefangen bei seinen eigenen Flugdrohnen bis hin zu Autos der amerikanischen Firma Local Motors, die nach dem Maker-Prinzip hergestellt werden.

Erfindung, Finanzierung, Produktion und Vertrieb: Kein Detail in der Herstellungskette lässt Anderson aus, selbst die wichtigsten Werkzeuge – neben 3D-Drucker der 3D-Scanner oder der Lasercutter – beschreibt er in Aufbau und Funktionsweise. Das ist, zumal wenn es technisch wird, nicht immer spannend. Aber die Mühe lohnt sich: Wer jetzt zum Maker werden will, hat eine gute Gebrauchsanweisung.

Die verknüpft Chris Anderson mit seiner Vision für die Zukunft. Ein Kernelement der "Maker"-Bewegung besteht darin, dass die Produkte nach dem Open-Source-Prinzip hergestellt werden. Jeder kann an der Entstehung mitwirken oder vorhandene Designs weiterentwickeln. Das wird zu einer ungeahnten Produktvielfalt führen, da ist sich Anderson sicher.

Wichtiger aber noch: Mit den neuen Werkzeugen lassen sich kleinere Stückzahlen rentabel produzieren. Damit sieht er den "Maker" als Gegenmodell zur Konkurrenz in den Billiglohnländern, die auf Masse setzt. "Maker" als Garant für die Auferstehung des Westens, der in der Vergangenheit viele Arbeitsplätze in der Industrie verloren hat – das ist Andersons Utopie. Eine Annahme, deren Beweis jedoch noch aussteht.

Besprochen von Vera Linß

Chris Anderson - Makers. Das Internet der Dinge: die nächste industrielle Revolution
Aus dem Amerikanischen von Sigrid Schmid
Hanser, München 2013,
286 Seiten, 16,99 Euro

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