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Thema / Archiv | Beitrag vom 09.03.2011

Vom Ankommen und Einrichten im Fremden

Das Einwanderermärchen "Almanya - Willkommen in Deutschland" läuft ab morgen in den Kinos

Von Amin Farzanefar

Als der sechsjährige Cenk wissen möchte, wieso die Türken eigentlich hier in Deutschland sind, erzählt ihm seine ältere Cousine Canan die Geschichte ihres Großvaters Hüseyin:

wie er sich 1970 mit Frau und drei Kindern aus Anatolien aufmachte und in Deutschland ankam, wie man sich arrangieren musste im fremden Land, wie die Kinder heranwuchsen und man irgendwie heimisch wurde. Doch jetzt, 40 Jahre später, hält Opa Hüseyin den deutschen Pass in der Hand, und verkündet plötzlich seinen Kindern und Kindeskindern, in die Türkei zurückzukehren ...

"Ich habe Haus gekauft in Türkei - in Dorf ... in Heimat!"

Auf der gemeinsamen turbulenten Fahrt im Kleinbus Richtung Erzincan, episodisch unterbrochen von weiteren Rückblenden in die Familiengeschichte, kommt es zu Zerwürfnissen und Versöhnungen, eine Schwangerschaft wird entdeckt und leider kehren nicht alle zurück. Doch am Ende hat die Reise jeden verändert – und wieder in Deutschland blickt Cenk mit neuem Selbstbewusstsein auf sein Erbe und seine Familiengeschichte zurück.

"Almanya" ist ein ebenso bewegendes wie freches Einwanderer- und Familienmärchen, in seinem epische Bogen auch an die Italo-amerikanischen Einwanderergeschichten Hollywoods erinnernd, wie man sie aus dem "Paten" kennt, dazu aber flott und albern, traurig und melancholisch - in braunen, warmen Farben. Konsequent aus der türkischen Perspektive erzählt, hagelt es Klischees von Deutschland – kalt, voller Kartoffeln und Hunde – und Bürokraten:

Einbürgerungbehörde:

"... Damit haben Sie sich zur deutschen Leitkultur bekannt - Sie müssen einmal die Woche Schweinefleisch essen und Urlaub nur in Mallorca ... Wollen Sie den Pass?" – "Ja!"

Genauso sperrig wie die fremde Kultur wirkt auf die Neuankömmlinge auch die deutsche Sprache, ein unverständliches Kauderwelsch - bis in die Weihnachtslieder hinein.

"Almanya" ist gleichsam eine Retourkutsche auf die jahrzehntelange filmische Darstellung der Türken zwischen Ehrenmord und Drogendeal - eine kleine Geschichte vom Ankommen und Einrichten im Fremden.

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