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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 15.10.2008

Visionen von einem magischen Reich

Libba Bray: "Der Geheime Zirkel III. Kartiks Schicksal", Verlag dtv extra, 864 Seiten

In ein visionäres Reich zwischen Leben und Tod flüchtet Romanheldin Gemma. (eso.org)
In ein visionäres Reich zwischen Leben und Tod flüchtet Romanheldin Gemma. (eso.org)

Es ist eine magische Welt, in die Gemma flüchtet, um der Tristheit eines Internats für höhere Töchter zu entfliehen. Kraftvoll und spannend beschreibt Libba Bray in ihrem Jugendbuch "Der Geheime Zirkel III." dieses Reich voller Abenteuer. In diesem Band schließt sich der Kreis des Geheimen Zirkels. Es ist ein spannendes Ende voller Liebe und Tod, Aufopferung, Schuld und Sühne.

März 1896 in einem englischen Internat für höhere Töchter. Die gebürtige Engländerin Gemma Doyle ist nach glücklicher Kindheit in Indien seit einem Jahr auf dieser Schule. Sie trinkt Tee und plaudert übers Wetter. Unter der Oberfläche aber leidet Gemma.

Die prüde, verklemmte Freudlosigkeit der Anstalt, die Grausamkeiten der Mädchen untereinander, aber auch die jämmerliche Perspektive auf eine Ehe, deren einzige Kriterien Geld und Ansehen sind, verhöhnen ihren Traum vom Leben. Seit dem Tod ihrer Mutter leidet Gemma zudem unter schrecklichen Visionen von Tod und Gefahr - fast zweifelt sie an ihrem Verstand.

Immer wieder begegnet sie dem jungen Inder Kartik, der sie bewegen will, von ihren Visionen abzulassen. Doch Gemma erscheint ein Tor aus Licht, durch das sie eine zweite Welt betreten kann - das Magische Reich, welches irgendwo zwischen Leben und Tod angesiedelt ist. Mit ihren Freundinnen betritt sie diese Welt immer wieder, und die Anzeichen verdichten sich, dass Gemma dort kraft ihrer Magie eine Parallelwelt erfährt, die sie tief in ihr eigenes Leben und in Geheimnisse ihrer Herkunft blicken lässt.

Hinter der Magischen Welt befindet sich die Winterwelt, das Reich des Todes. Deren Wesen trachten Gemma nach dem Leben, um den Machtkampf der Welten zu gewinnen. Kartik muss sich opfern, um seine Magie mit der von Gemma verschmelzen zu können, damit die drei Welten wieder in eine Balance geraten.

Der Geheime Zirkel ist im dritten Teil nun geschlossen und erklärt. Zwei Bände lang wurden die Leser in einer Spannung gehalten, wo die Schnittpunkte zwischen Realität, dem Magischen Reich und der Winterwelt liegen, wer wozu gehört und ob es tatsächlich so etwas wie eine Parallelwelt gibt. Es ist ein spannendes Ende voller Liebe und Tod, Aufopferung, Schuld und Sühne.

Das Buch ist - wie seine beiden Vorgänger auch - ungeheuer kraftvoll geschrieben und von Ingrid Weixelbaumer ganz hervorragend übersetzt. Die Sprache der Heldinnen ist jugendlich, hat aber auch eine angenehm altmodische Färbung. Es macht sicher nicht nur Jugendlichen großen Spaß, das Buch zu lesen, auch Erwachsenen, die eine gelungene Mischung aus Fantasy und Spannung suchen, wird es gefallen. Wer die ersten beiden Teile der Trilogie gelesen hat, wird "Kartiks Schicksal" regelrecht herbeisehnen, denn man will ja klipp und klar wissen, was hinter den drei Welten steckt.

Man würde wohl denken, Libba Bray sei Engländerin, aber sie stammt aus Texas. Schon als Kind hatte sie ein Faible für Gruselgeschichten und für die viktorianische Zeit in England. Außerdem liegt ihr der britische Humor.

Mit 26 Jahren legte Libba Bray ihr Examen im Bereich "Drama" ab und ging nach New York. Dort lernte sie Barry Goldblatt kennen, einen wichtigen Agenten für Kinder- und Jugendbücher. Beide heirateten und leben nun mit ihrem Sohn in Brooklyn.

Der Leser merkt, dass die Autorin sauber recherchiert haben muss, was Gepflogenheiten und historische Tatsachen angeht. Auf jeder Seite kann man zwischen den Zeilen lesen, dass Libba Bray sicher gerne selbst an die Schauplätze ihrer Trilogie gereist wäre. Den Begriff "Fantasy" darf man hier wörtlich nehmen, nicht als Fantastik, deren Wurzeln Sagen und Mythologien sind, sondern als Roman-gewordene blühende Phantasie.

Eine gewisse Kritik gilt der Länge der drei Bücher. Wer sorgfältig alle drei gelesen hat, wird auf Erklärungen stoßen, die er schon kennt. Andererseits erwächst daraus die Möglichkeit, den brandneuen Teil zu lesen, ohne unbedingt die Bände eins und zwei zu kennen.

Rezensiert von Roland Krüger

Libba Bray: Der geheime Zirkel III. Kartiks Schicksal
Übersetzt von Ingrid Weixelbaumer
Verlag dtv extra
864 Seiten, 14,95 Euro

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