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Verlassene Geschichten

Das frühe Prosawerk des Siebenbürgers Eginald Schlattner

Von Beate Ziegs

Blick auf den kleinen Platz von Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen.
Blick auf den kleinen Platz von Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen. (picture alliance / dpa)

Eginald Schlattners Romantrilogie "Der geköpfte Hahn", "Rote Handschuhe" und "Das Klavier im Nebel" wurde verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt, er selbst als Spätdebütant gefeiert – ein Dorfpfarrer, der mit 65 Jahren wie ein Komet aus den Tiefen Transsylvaniens die literarische Bühne erobert. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

Die andere Hälfte lag bis vor Kurzem verschlossen in einem großen Koffer auf dem Pfarrhof Schlattners: von Mäusen angenagte Manuskripte, von denen kaum jemand etwas wusste. Zwei Geschichten hätten bereits 1958 veröffentlicht werden sollen. Sie waren Seite für Seite von der Zensur des sozialistischen Rumänien genehmigt worden und hätten dem jungen Nachwuchstalent zum Durchbruch verholfen. Aber dann wurde Eginald Schlattner verhaftet und die Publikation gestoppt.

Nach seiner Haftentlassung schrieb er weiter – für die Schublade. Einige dieser Erzählungen sind nun erstmals in einer Werkausgabe erschienen. Sie geben nicht nur Einblick in das frühe Prosawerk Eginald Schlattners und in die Maßregelungen der Zensur, sondern schließen außerdem eine Lücke in der deutschsprachigen Literaturgeschichte Rumäniens. Ein ausführliches Lebensbild des Eginald Schlattner zeichnet das Feature am kommenden Samstag.

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