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Kompressor | Beitrag vom 01.03.2016

US-Autor Ross ThomasPolit-Thriller-Helden vom Format eines Donald Trump

Von Laf Überland

Im Vorwahlkampf: Der Milliardär Donald Trump. (picture alliance / dpa / Larry W. Smith)
Milliardär Donald Trump im US-Vorwahlkampf: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber hätte gut in die Romane von Ross Thomas gepasst. (picture alliance / dpa / Larry W. Smith)

Wahlkampfmanager, Gewerkschaftsbosse, Mittelsmänner: Die Helden in den Romanen von Ross Thomas sind immer eigenwillig und skurril. Einer wie der Polit-Shooting-Star Donald Trump hätte gut in einen der Thriller gepasst, mit denen der US-Autor den politischen Betrieb entlarvte.

Einer wie Donald Trump hätte gut in die Bücher von Ross Thomas gepasst.

Donald Trump: "Politicians are all talk, no action!"

Einer, der Leute aus dem Wählervolk auf die Bühne kommen lässt, um sich von Nahem anzugucken, dass seine seltsamen Haare kein Toupet sind!

Donald Trump: "I don't war a toupet. It's my hair! I swear! Come here! Come on up here. You have to do an inspection. We don't wanna mess it up too much, cause I do use hairspray."

Ross Thomas' Akteure waren auch stets skurril und eigenwillig. Was hätten sie uns sonst auch zu erzählen gehabt als Krimi-Figuren?

Und es gab ja viel zu erzählen für diesen Mann! Der politische Thrillerautor Ross Thomas war nämlich ein Geschichten-Junkie, der Anekdoten hortete, und ein Meister des Komplotts. Und sein Thema waren nie die großen Spionageaktionen oder die Superagenten. Sein Thema waren eher irgendwelche Loser mit Vergangenheit – und wie sie aus den kuriosesten Gründen wieder aufs Parkett des politischen Betrugs geschickt werden: Journalisten, politische Berater, Überbringer von Lösegeld oder der aus dem Knast entlassene Richter - und vor allen anderen seine beiden Dream Teams: MacCorkle und Padillo, die erst in Bonn und dann in Washington D.C. das beste Steakhaus im Umkreis führen - und die beiden Ex- Waisenkinder Quincy Durant und der dicke Artie Wu, der nebenbei noch letzter Anwärter auf den chinesischen Kaiserthron ist.

Trickreiche über Bande gespielte Komplotte

Interessiert Sie, wie man eine Wahlkampagne klaut? Oder - eine Gewerkschaft? Wollen Sie wissen, wie man eine Stadt korrumpiert?

Wenn Ross Thomas' Protagonisten erklären, wie das geht, dann kann der Leser das hinterher auch. Im Prinzip zumindest. Denn seine Komplotte waren meistens kleine Meisterstücke der Intrige, der Psychologie und der Chuzpe - immer höchst trickreich über Bande gespielt! Aber er hatte in seiner Laufbahn ja auch einige besondere abgefeimte Tricks gelernt, mit denen man den demokratischen Entscheidungsprozess beeinflussen kann.

Klientin: "Wird Ihnen bei Ihrem Job nicht manchmal übel?"
Held: "Doch. Aber gewöhnlich nehme ich was dagegen."
Klientin: "Und was nehmen Sie dagegen?"
Held: "Geld."

Ross Thomas: Geboren 1926 in Oklahoma City, einem Zentrum der konservativen Welt, ging er im Zweiten Weltkrieg zum Kämpfen auf die Philippinen, danach schloss er sein Literaturstudium ab und wurde Reporter. In Deutschland baute er die AFN-Filiale in Bonn auf, das war Anfang der 50er, als sich die Geheimdienste dort die Klinke in die Hand gaben. Von einer Londoner PR-Firma ließ sich Thomas dann anheuern, um den Wahlkampf für einen nigerianischen Häuptling zu leiten, der gerne Präsident werden wollte, was nicht klappte. Dafür brachte er aber 1956 das Kunststück fertig, gleichzeitig den Wahlkampf eines Republikaners für der den Senat und den eines Demokraten für den Gouverneursposten zu managen.

Ghostwriter und Redenschreiber für Gewerkschaftsführer

Ross Thomas wurde Ghostwriter und Redenschreiber für Gewerkschaftsführer, und als er lange genug hinter den Kulissen der politischen Macht herumgejoggt war und von der Pike auf das Geschäft der Manipulation gelernt hatte, fing er an, aus diesen unglaublichen, bisweilen surrealen Anekdoten aus der Welt der Mächtigen und Bösen wunderbare Romane zu basteln: intellektuelle Horror-Operetten mit fachmännisch seziertem politischem Hintergrund und mit Dialogen so trocken, dass man beim Lesen Durst kriegte.

Frau: "Wer um alles in der Welt bringt es nur fertig, sein Kind Velveta zu nennen?"
Held: "Fonduefans?"

Ross Thomas' elegant-ironische Romane schärfen heute noch den Blick für die Wirklichkeit hinter den politischen Fassaden, indem sie die menschliche Komödie mit raffinierter politischer Manipulation mischen. Und manchmal bestätigen sie auch nur unsere schlimmsten Befürchtungen über Macht und Geld in den Händen von Exzentrikern – wenn Politik zu einer reinen Marketingveranstaltung wird und als Comedy-Wettkampf völlig außer Kontrolle geraten kann.

Donald Trump: "Look – everybody knows me. I've had an amazing life, I've built an amazing business... Stupid stupid stupid, very stupid, bing bing bing bong bong..."

Ross-Thomas-Süchtige müssen nun nicht mehr auf Flohmärkten herumlaufen, um alte übersetzte und gekürzte Ullstein-Ausgaben zu finden: Inzwischen lässt der kleine Berliner Alexander-Verlag alle Romane von Ross Thomas neu übersetzen und bringt sie nach und nach heraus: zuletzt den wahnwitzigen Gewerkschaftswahl-Thriller "Porkchoppers".

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