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Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.02.2010

"Up in the Air"

Hannelore Heider über eine bitterböse US-Komödie

Ryan Bingham arbeitet als seelischer Feuerwehrmann: Er muss Mitarbeitern US-amerikanischer Unternehmen die Nachricht von ihrer Entlassung überbringen und deren Wut und Verzweiflung lindern. Innerlich ist Bingham jedoch ganz unbeteiligt - menschliche Nähe ist ihm fremd.

USA 2009, Regie: Jason Reitman, Hauptdarsteller: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, ohne Altersbeschränkung

"Up in the Air" -"Hoch über den Wolken" und damit über den allzu menschlichen Niederungen schwebt Ryan Bingham. Der durchaus sympathische und vertrauenserweckende, aber innerlich kalte Mann hat damit seinen idealen Job gefunden. Er bereist das ganze Land in der Funktion eines seelischen Feuerwehrmanns, denn seine Firma verdient an einer Arbeit, die andere scheuen.

Ihre Mitarbeitern überbringen Menschen die Nachricht von ihrer Entlassung und sorgen dafür, dass das keine unangenehmen Folgen hat. Innerlich unbeteiligt übernimmt Ryan Schadensbegrenzung, er sieht Verzweiflungs- und Wutausbrüche als Begleiterscheinung eines Jobs, der für ihn überaus angenehm ist. Sein höchstes Ziel ist das Erreichen der Zehn-Millionen-Flugmeilen-Marke, was für den ohnehin privilegierten Vielflieger eine Art Nobelpreis wäre.

Mit dieser satirischen, äußerst vergnüglichen Zustandsbeschreibung aber hält sich Autor und Regisseur Jason Reitman nicht lange auf. Er bringt seinen Helden in Versuchung, in Konflikte, die durch menschliche Nähe entstehen. Nach Jahren wird er wieder mit seiner Familie konfrontiert, da seine Schwester heiratet. Auch wenn die familiären Beziehungen alles andere als ideal sind, hat doch letztlich jeder dort seinen Platz, nur Ryan nicht. Unerwartet wird auch das so angenehme Verhältnis zu seiner Geliebten Alex (Vera Farmiga), einer Vielfliegerin wie er, problematisch, da er sich wirklich in sie verliebt.

Zur größten Herausforderung aber gerät das Anlernen seiner junge Kollegin Natalie (Anna Kendrik). Mit jugendlicher Kaltschnäuzigkeit gedachte sie eigentlich, das Geschäft noch zu effektivieren, indem jeglicher persönlicher Kontakt per Videokonferenz ausgeschaltet wird. Diese Tour wird nicht nur für sie, auch für ihren Lehrer zum menschlichen Desaster, doch nicht zu seiner letzten. Am Ende schwebt der Mann, der nicht einmal die einfache Frage "Where are you from" mehr beantworten kann, wieder über den Wolken, über einem eigentlich doch so wunderschönen Land, wie es uns die grandiosen Luftbilder vermitteln.

Jason Reitman hat mit einem grandiosen Hauptdarsteller und zwei interessanten Frauenfiguren das Kunststück fertig gebracht, uns eine wenn auch bittere Komödie über ein menschliches Drama zu erzählen, das letztlich auch noch eine Liebeserklärung an Amerika ist.

Filmhomepage: "Up in the Air"

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