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Profil / Archiv | Beitrag vom 16.02.2006

Untypisch irisch

Irlands "European Shooting Star" Ruth Negga

Von Gerd Brendel

Das Erkennungszeichen der Berlinale  am Potsdamer Platz in Berlin. (AP)
Das Erkennungszeichen der Berlinale am Potsdamer Platz in Berlin. (AP)

21 europäische Jungschauspieler aus den Mitgliedsländern der EU werden der Weltöffentlichkeit auf der Berlinale als "European shooting stars" vorgestellt. Eine von ihnen ist Ruth Negga aus Irland. Sie entspricht nicht gerade dem irischen Klischee - rote Haare und Sommersprossen - und ist doch eins der größten Schauspieltalente von der grünen Insel.

Ruth Negga: "Wie oft ich in den letzten Tagen meinen Namen im Zusammenhang mit dem Wörtchen 'Star' habe nennen hören? Oft, sehr oft."

Und jedes Mal hat sie so ungläubig reagiert, wie die Klassenbeste, die alle mögen, weil sie alle abschreiben lässt und auch ansonsten ein prima Kumpel ist: Ein kurzes Stutzen, und ein verlegener Blick zur Seite: Ihr meint wirklich mich?

Im Zoo-Palast vor ein paar Tagen meinte das Publikum wirklich sie. Gerade war "Breakfast on Pluto" gelaufen. Der Film erzählt das Leben der Miss Kitten, die eigentlich Patrick heißt, als Findelkind aufwächst und schon als Junge entdeckt, dass ein Mädchen in ihm steckt. Regisseur .. begleitet Kitten auf der Suche nach ihren wahren Eltern und der wahren Liebe von der nordirischen Provinz in die Metropole London.

Sie gerät zwischen die Fronten von IRA und englischem Geheimdienst und taucht im Tingeltangel-Millieu unter, aber zum Glück gibt es ja noch "Charlie", Kittens beste Freundin, die "Kitten" wieder nach Hause bringt.

Ruth Negga spielt eine Freundin wie aus dem Bilderbuch: Loyal und mutig. "Charlie" ist die Art von Rolle, für die Ruth Negga wie geschaffen scheint: Eine schöne dunkelhaarige Frau in schwarzen Jeans, keine Spur eine Diva, keine Spur die Darstellerin ihrer eigenen Kunstfigur.

Schon als Kind wusste sie genau, was sie wollte, erzählt Ruth Negga. Aber wie kommt ein kleines Mädchen, aus einer südirischen Kleinstadt dazu, Schauspielerin werden zu wollen? Der Vater, ein Äthiopier stirbt früh. Die Mutter zieht das Einzelkind alleine groß. Und bald lernt Ruth, was es heißt, aufzufallen.

"Als ich ein Kind war, blieben die Leute stehen, um mich anzustarren. Vielleicht mochten sie meine Haare nicht, oder was weiß ich."

Aber statt sich zu verstecken, will sie gesehen werden auf der Bühne.

"Ich kann mich nicht daran erinnern, nicht Schauspielerin werden zu wollen. Und meinen ersten Kuss habe ich mit 14 auf der Bühne bekommen: Da spielte ich einen Science-Fiction-Roboter im Schultheater."

Ruth Negga besuchte das renommierte Samuel Becket Institute, die Theaterschule des Trinity College in Dublin. Einfach hatte es die Schauspielabsolventin mit der dunklen Haut nicht:

"Meine Güte, Du siehst aber gar nicht irisch aus."

Bekommt sie ein übers andere Mal von Regisseuren zu hören.

"Bis jetzt gab es so gut wie keine irischen Schauspielerinnen mit multiethnischen Hintergrund wie mich. Darum gibt’s auch keine Schublade für mich und bis jetzt bin ich noch nie für eine typische "Ausländer-Rolle" besetzt worden. Es ist nicht einfach, es ist wirklich nicht einfach."

Aber Ruth Negga setzte sich durch: Sie spielte an den großen Bühnen des Landes. Der Berlinale- Beitrag "Breakfast on Pluto" wurde für den Golden Globe nominiert. Ihr letzter Film "Isolation", ein Polit-Thriller, kommt im September in die deutschen Kinos. Zurzeit probt sie für die Bakchen des Euripides. Die Auszeichnung zum Shooting Star ist der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere. Wovon Sie träumt?

"Mein Traum, dass die Regisseure sofort begeistert zustimmen, wenn ich sie anrufe, weil ich eine Rolle haben möchte."

Es ist der Traum aller Schauspielerinnen vom Ruhm. Einen Vorgeschmack davon bekommt die Irin auf der Berlinale zu kosten. Am letzten Abend des Shooting Stars-Programm ist sie mit ihren 21 Kollegen Ehrengast einer eigenen Gala in einem Nobel-Hotel. Festivaldirektor Dieter Kosslick greift zu Ehren der Shooting Stars zur E-Gitarre und spielt Rockballaden. Ruth Negga tanzt ausgelassen mit den anderen vor der Bühne. Gibt es etwas, worauf Ruth Negga während der letzten drei Tage hätte verzichten können? Ja, die vielen Fragen zur eigenen Person.

"Es hat mich zu Tode gelangweilt, soviel von mir zu erzählen."

Daran allerdings wird sich Ruth Negga gewöhnen müssen, wenn ihr Traum in Erfüllung gehen soll und aus dem Shooting Star ein echter Star geworden ist.

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