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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 17.10.2010

Unspezifische Schmerzen im Becken

Prostatitis - selten erkannt, oft falsch behandelt

Von Achim Simon

Eine Herausforderung für die Prostata: langes Radeln auf hartem Sattel (AP)
Eine Herausforderung für die Prostata: langes Radeln auf hartem Sattel (AP)

Eine Entzündung der Prostata ist eine der häufigsten Erkrankungen des Mannes. Fast jeder dritte Mann im Alter von 20 bis 60 Jahren leidet mindestens einmal im Leben an Prostatitis. In den seltensten Fällen sind Bakterien Ursache dafür. Vielmehr ist die nicht bakteriell bedingte Prostatitis sehr viel häufiger.

Die Symptome einer Entzündung der Vorsteherdrüse sind vielfältig und können Männer massiv belasten, erklärt Prof. Axel Haferkamp, Direktor der Uniklinik für Urologie in Frankfurt:

"Diese Patienten haben in der Regel kein Fieber wie bei der akuten Prostatitis, sie haben unspezifische Schmerzen im Beckenbereich, die ganz verschieden ausstrahlen können, die zum Teil auch in Beine oder auch in den Penis ausstrahlen können. Sie haben zum Teil eine irritative Miktionssymptomatik, das heißt sie müssen häufiger zur Toilette, zum Teil haben sie auch Schmerzen beim Wasserlassen."

Hinzu kommt bei vielen Männern noch ein unbestimmtes Druck- und Fremdkörpergefühl im, Unterleib. Werden dann im Blut oder Urin keine Keime als Ursache gefunden, heißt das nicht, dass Betroffene sich die Symptome bloß einbilden.

Sie sind vielmehr auch ein Ergebnis der organischen Beschaffenheit der Prostata: Die Prostata wächst als Organ, welches sich innerhalb einer Kapsel befindet. Wächst die Prostata , drückt sie gegen die Kapsel, die aber unelastisch ist und kaum nachgibt. Folge: Es entsteht ein erhöhter Druck, der eine Entzündung des Gewebes auslösen kann.

Druck auf die Prostata kann aber auch von außen kommen, etwa durch stundenlanges Fahrradfahren auf einem zu hartem Sattel. Überhaupt ist eine chronische nicht bakterielle Prostatitis auch eine Folge unseres Lebensstils, so die Beobachtung des Urologen Dr. Joachim-Ernst Deuster von der Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie:

"Die Prostatitis ist eine Zivilisatose, das heißt durch unsere Art zu leben, unsere Art zu essen und unsere Art, uns zu wenig zu bewegen, wird diese Krankheit in ihrem Vorkommen gefördert. Männer zwischen 40 und 60, die aktiv oder eher inaktiv ihren Mann stehen im Leben, sind besonders betroffen."

Die Diagnose der nicht bakteriellen Prostatitis ist nicht schwierig, sofern der Arzt daran denkt. Eine Untersuchung des Exprimat-Urins, das nach einer Massage der Prostata gewonnen wird, zeigt meistens eine erhöhte Zahl an Leukozyten- ein sicherer Hinweis auf eine Entzündung.

Für die Behandlung werden entzündungshemmende sowie auf die in der Prostata vorhandenen Rezeptoren der Muskulaturfasern einwirkende Medikamente gegeben, keineswegs Antibiotika, die hier völlig fehl am Platze sind. Allerdings ist die Therapie langwierig und Männer müssen Geduld mitbringen.

Zusätzlich kann eine Magnetfeldtherapie helfen, betont Joachim–Ernst Deuster:

"Einen sehr hohen Stellenwert nimmt hier die Therapie mit elektromagnetischen Impulsen ein. Es kann auf diese Weise die Prostata durch das pulsierende Magnetfeld, das auf sie einwirkt, in ihrer Durchblutung und in ihrer Konstellation gestärkt werden."

Die Magnetfeldstimulationstherapie ist eine elegante und für den Patienten angenehme Weise, eine Prostatitis ergänzend zu entzündungshemmenden Medikamenten zu heilen. Der Patient sitzt auf einem gepolsterten Stuhl, in dessen Sitzfläche ein spezieller Therapiekopf eingearbeitet ist, der die Magnetimpulse etwa acht Zentimeter tief in den Beckenboden abgibt.

Auf diese Weise wird das gesamte Gewebe zu vermehrter Aktivität angeregt, die Mikrozirkulation in den Blutgefäßen deutlich erhöht - mit dem positiven Effekt, dass entzündungshemmende Wirkstoffe schneller an den Entzündungsort transportiert werden.

Wie wichtig die Anregung der körpereigenen Immunabwehr durch Magnetimpulse sein kann, hat Dr. Rainer Klopp vom Institut für Mikrozirkulation in Berlin durch Studien belegen können:

"In diesem Zusammenhang ist die Mikrozirkulation der wichtigste Teil des menschlichen Blutkreislaufes, weil hier die Diffusionsphänomene stattfinden und zugleich auch die ersten Schritte immunologischer Reaktionen realisiert werden."

Darüber hinaus bekommen Männer oftmals erst durch die Magnetfeldtherapie ein Gespür für ihre Beckenbodenmuskeln, was ein anschließendes Beckenbodenmuskeltraining überhaupt erst sinnvoll macht, denn nun wissen sie, welche Muskeln sie aktivieren können.

Einer nicht bakteriellen Prostatitis kann jeder Mann auch einfach vorbeugen: Regelmäßiges Gehen, Laufen und Schwimmen fördern ebenfalls die Durchblutung des Drüsenorgans, ohne zu hohen Druck auf die Prostata auszuüben.

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