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Thema / Archiv | Beitrag vom 27.08.2008

"Umsonst hat gewonnen!"

Reihe im Radiofeuilleton über die Zukunft der Musikwirtschaft

Wer hören will, will meisten gleichzeitig nicht mehr zahlen.  (Stock.XCHNG)
Wer hören will, will meisten gleichzeitig nicht mehr zahlen. (Stock.XCHNG)

Seit Jahren klagt die Musikbranche über Umsatzrückgänge im Tonträgergeschäft. Es scheint so, als sei niemand mehr bereit Geld für Musik auszugeben, wenn man sie doch umsonst im Internet bekommen kann. Die Reihe "Umsonst hat gewonnen?" im Radiofeuilleton befragt Musikmacher, Produzenten und Labelmanager zur Zukunft des Musikgeschäfts.

Angesichts der zahlreichen illegalen Tauschbörsen und Filesharing-Plattformen im Netz gab es zahlreiche Versuche der Musikindustrie, mit legalen Downloads Geld zu verdienen. Zwar gab es bei legalen Downloads im vergangenen Jahr ein Plus von 53 Prozent, das ganz große Geschäft im Internet lässt sich scheinbar jedoch nicht machen, wie das Beispiel Radiohead zeigt.

Die britische Band hatte ihr letztes Album "In Rainbows" vor der regulären CD-Veröffentlichung auf ihrer Homepage komplett zum Download freigegeben. Die Nutzer konnten entscheiden, wie viel sie für die einzelnen Songs oder das komplette Album bezahlen wollten, man konnte es auch komplett umsonst bekommen. Wie viel tatsächlich dabei eingenommen wurde, gab die Band nicht bekannt. Branchenintern wurde zwar über einen finanziellen Flop gelästert, doch für die Band zahlte sich das Unternehmen trotzdem aus: Kurz darauf ging das Album als CD in den Handel und schoss in den USA und Großbritannien auf Platz 1, in Deutschland auf Platz 8.

Eine britische Studie fand jedoch heraus, dass die Mehrzahl der Hörer das Radiohead-Album weiterhin wie gewohnt von Filesharing-Plattformen illegal "heruntersaugte", als es legal umsonst von der Radiohead-Homepage herunterzuladen.

Angesichts dessen wächst in der Industrie die Einsicht, dass mit dem Verkauf von Musik kaum noch Geld zu verdienen ist. Der Bertelsmann-Konzern zog aus dieser Einsicht die Konsequenz, sich von seiner Beteiligung am Musikkonzern Sony zu trennen. Medienexperte Jo Groebel über den Ausstieg des Medienkonzerns aus dem Musikgeschäft *

Wie weiter im Musikbusiness? Fragen an die Profis

Angesichts der Einbrüche im Tonträgergeschäft empfiehlt der Produzent Mario Thaler daher den Plattenfirmen, sich mehr zu Dienstleistern für Bands zu entwickeln, die ein Allround-Paket mit Marketing, Konzertorganisation und CD-Verkäufen organisiert. Insgesamt zeigte er sich verwundert, dass die Hörer angesichts von MP3s, iPod und schlechter Knopfkopfhörer anscheinend nur noch wenig Wert auf Klangqualität legen. MP3-Audio

Viele Bands setzen deshalb vermehrt auf Konzerte, um Geld zu verdienen. Doch nach Ansicht von Christof Ellinghaus, Chef des deutschen Independent-Labels City Slang, verdienen daran nur bekannte Top-Acts wie Madonna oder U2, die immer höhere Preise nehmen. Der Rest müsse immer mehr Konzerte für immer weniger Geld bestreiten. Der mangelnde Verkauf von Tonträgern wegen illegaler Downloads hat für ihn dramatische Folgen: Er könne nicht mehr aufwändige Platten produzieren, weil das Geld dafür nicht mehr da sei. Ellinghaus hofft auf eine "Kultur-Flatrate" die von jedem Computerbesitzer mit Internetanschluss erhoben werden soll. MP3-Audio

Der Geschäftsführer der Internetplattform "Finetunes", Oke Göttlich, sieht die Lage weniger dramatisch. Sein Unternehmen verdient seit fünf Jahren mit dem Verkauf von Musik im Internet Geld. Zwar klagten die großen Plattenfirmen darüber, dass nicht mehr genug Geld mit Musik zu verdienen sei, er nehme aber wahr, dass der Verkauf übers Internet zunimmt, so Göttlich. Im Gegensatz zu illegalen Tauschbörsen bekäme man bei Finetunes hervorragende Klangqualität sowie auf jeden Fall sichere Dateien. MP3-Audio

Programmhinweis:
Lesen Sie zum Thema "Umbruch im Musikgeschäft" auch den Hintergrund Down durch Download im Deutschlandfunk.

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