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Buchkritik | Beitrag vom 15.02.2017

Thomas Posch: "Johannes Kepler - Die Entdeckung der Weltharmonie"Forscher in schwierigen Zeiten

Von Gerrit Stratmann

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Buchcover "Johannes Kepler" von Thomas Posch (imago / Theiss Verlag / combo: Deutschlandradio)
Buchcover "Johannes Kepler" von Thomas Posch (imago / Theiss Verlag / combo: Deutschlandradio)

Johannes Kepler entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung. Er lebte in einer Zeit des Umbruchs, inmitten des 30-jährigen Krieges. Doch von den Zeitumständen erfahren wir nur wenig in Thomas Poschs Kepler-Monografie.

Lenkt das Lutherjahr gerade verstärkt die Aufmerksamkeit auf das 16. Jahrhundert? Seit September sind gleich drei Bücher über den Astronomen und Mathematiker Johannes Kepler erschienen, der von 1571 bis 1630 lebte. Zuerst eine romanhafte Biografie von Eva Rita Weiser, im November ein über 1.200 Seiten umfassendes Monumentalwerk von Arnulf Zitelmann, jetzt die schnörkellose Monographie von Thomas Posch. 

Thomas Posch, Privatdozent für Astrophysik an der Universität Wien, präsentiert eine linear erzählte Biografie von Keplers Geburt in Weil der Stadt bei Stuttgart bis zu seinem Tod in Regensburg mitten im 30-jährigen Krieg.

Astronomisch gesehen erlebte Kepler aufregende Jahre. Zu seiner Zeit wurde das Fernrohr erfunden. Er war Zeuge einer Supernova, beobachtete den Vorbeiflug des später sogenannten Halleyschen Kometen und sah als einer der ersten Menschen Flecken auf der als makellos geltenden Oberfläche der Sonne.

Berühmt sind bis heute die Keplerschen Gesetze, die in guter Näherung die Umlaufbahn eines Planeten um die Sonne beschreiben und den Abschied vom geozentrischen Weltbild endgültig zementierten.

Das Ende des Geozentrismus

Neben den naturwissenschaftlichen Errungenschaften Keplers betont Posch vor allem dessen weltanschauliche Überzeugungen. Vorbildlich noch heute: Keplers ökumenische Gesinnung, selbst inmitten von Religionskriegen. Von einem katholischen Priester getauft, wurde er von seinen Eltern protestantisch erzogen. Weil er reformatorische Ideen äußert, legt man dem späteren kaiserlichen Hofmathematiker nahe, offiziell zum Katholizismus zu konvertieren. Er lehnt ab und pflegt vorbehaltlos Freundschaften zu Menschen jeder Konfession.

In den Augen Keplers hat Gott die Welt nach mathematischen Gesetzen erschaffen, die aus dem Universum ein ganzheitliches Gefüge machen. Die Abstände der Planeten führt er auf musikalische Harmonien zurück. Gerade dieser naturphilosophische Unterbau stand seiner Rezeption immer etwas im Wege. Galilei oder Newton hatten es leichter.

Eine beschwerliche Zeit

Thomas Posch berichtet quellennah. Seine Schilderungen, aufgelockert durch wenige, aber hilfreiche Bilder, bleiben sehr nahe an Keplers Lebensweg. Buntes Zeitkolorit strömt nur sparsam aus dem Text. Nicht einmal die Hintergründe des 30-jährigen Krieges finden Erwähnung, von dem Kepler doch die ersten zwölf Jahre, zum Teil in Diensten des Generals Wallenstein, noch miterlebte.

Dennoch spiegeln sich in Keplers Leben die Verhältnisse seiner Zeit: beschwerliche Reisen, hohe Kindersterblichkeit, eine schlechte Zahlungsmoral und religiöse Repressalien (nicht zuletzt der Hexenprozess gegen seine Mutter) haben ihn geprägt.

Informativ ist besonders ein kurzer Abriss der Rezeptionsgeschichte, der schildert, wie Keplers Werk durch die Jahrhunderte bis in die jüngste Vergangenheit hinein aufgenommen wurde. So findet man bei Posch zwar keine neuen Erkenntnisse, aber einen kondensierten Überblick auf dem aktuellen Stand der Forschung über Leben, Werk und Anschauungen des bedeutenden Astronomen und Mathematikers.

Thomas Posch: Johannes Kepler. Die Entdeckung der Weltharmonie
Theiss Verlag, Darmstadt 2017
264 Seiten, 24,95 Euro

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