Freitag, 31. Oktober 2014MEZ10:16 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsSein und Online
Ein Internetnutzer hat ein Tablet auf dem Schoß, darauf ist eine Facebook-Illustration zu sehen. Seine Beine sind über eine Sofalehne geschwungen. 

Im Computer gibt es keine große Pause wie im Theater: Der Besucherschwund der Analog-Bühnen beschäftigt heute mehrere Feuilletonisten. Sind Twitter und Facebook schuld oder gar die "Blogwarte", von denen einer schreibt? Mehr

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Fazit

Goethe 2.0Das Leben eines Universalgenies digital
Auf dem Bild "Goethe in der römischen Campagna" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein liegt Goethe hingebettet vor einer italienischen Landschaft

Es ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik: "Propyläen. Forschungsplattform zu Goethes Biographica", nennt es sich. Wird der moderne Mensch den alten Dichter durch die digitalen Medien besser verstehen? Mehr

Filme der WocheSolidarität in den 80ern und heute
Die belgischen Brüder Jean-Pierre (l) and Luc Dardenne (r) bei der Vorstellung ihres Films "Zwei Tage, eine Nacht" beim Valladolid International Film Festival in Spanien, aufgenommen am 18.10.2014

Engagement, Kooperation und Mitgefühl auf der Leinwand: Das mitreißende britische Sozialdrama "Pride" punktet mit Spaß und Pointen; "Zwei Tage, eine Nacht" der Gebrüder Dardenne zeigt den Kampf einer Angeschlagenen in einem Klima sozialer Kälte.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.06.2011

Theater als purer Slapstick

Herbert Fritsch inszeniert "Die spanische Fliege" an der Volksbühne Berlin

Von Eberhard Spreng

Die Berliner Volksbühne.
Die Berliner Volksbühne. (AP Archiv)

Herbert Fritsch führt den 1913 uraufgeführten Schwank von Arnold und Bach als forcierte Bodenakrobatik vor. Ihm geht es nicht um Diskurse, Kommentare oder ironische Distanz, sondern um sportliches Ausagieren.

Vor unlösbare metaphysische Probleme stellt Herbert Fritsch sein Publikum nicht gerade, wenn er ihm den 1913 uraufgeführte Schwank von Arnold und Bach als forcierte Bodenakrobatik vorführt. Es geht dem Schauspieler nicht um Diskurse, Kommentare, ironische Distanz, sondern ums sportliche Ausagieren. Und so ist auch kein bürgerlicher Salon mit Türen, Erker und Schreibtisch zu sehen, sondern nur ein gewaltiger Teppich, der in Wellen bis an die Bühnenrückwand gelegt ist. Die Falten verbergen auch ein eingelassenes Trampolin, auf dem jeder der Akteure einmal je eigene skurrile Sprünge und Purzelbäume absolviert.

Die Schauspieler stecken in üppigen Roben mit geradezu barocken Perücken, stolzieren in kapriziösen Bewegungsticks umher, zucken voreinander zurück wie scheue Tiere und gehen vor der von Sophie Rois verkörperten Emma Klinke regelrecht in Deckung, wenn die sittenstrenge Präsidentin des "Bundes für Mutterschutz" in ihrer verlotterten Verwandtschaft für Ordnung sorgt – eine grandiose Figurine, komisch gespreizt, meisterhaft stilisiert.

An ihrer Seite gibt Wolfram Koch den Mostrichfabrikanten Ludwig Koch, der ein sexuelles Vergehen aus der Vergangenheit verbergen muss. Mit grandioser Körpersprache tänzelt er durch den Slapstick, stürzt zu Boden, rutscht über den Teppich, rappelt sich auf wie eine unzerstörbare Comicfigur. Dieses Theater ist ausgereizt bis zur Grenze dessen, was Schauspielerkörper leisten können, wenn es darum geht, ihnen jeden Rest Naturalismus und Authentizität auszutreiben. Herbert Fritsch vollendet mit seinem tollen Ensemble als Regisseur das, was er als Schauspieler in Castorf-Inszenierungen vor Jahren am selben Haus nur skizzieren konnte: Theater als puren Slapstick. Und weil er alle Register zieht und das ganze Repertoire des Genres beherrscht, ist das einen ganzen Theaterabend lang urkomisch. Bei der Premiere feierte das Publikum Herbert Fritschs Comeback an die Volksbühne.

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Hanswurst auf dem Theatertreffen
Wie die Gier den Menschen entstellt