Sonntag, 2. August 2015MESZ16:17 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsGedränge auf dem Grünen Hügel
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ehemann Joachim Sauer am 25.07.2015 in der Pause während der Eröffnung der 104. Bayreuther Festspiele in Bayreuth (Bayern). Die Richard-Wagner-Festspiele dauern bis zum 28. August. (picture-alliance / dpa / Tobias Hase)

Der Auftakt zu den Wagner-Festspielen war Thema Nummer eins der vergangenen Feuilleton-Woche. Während in der "Zeit" die Details im Bayreuther Rummel skizziert wurden, zog die "NZZ" bei der musikalischen Bewertung von Thielemanns "Tristan" alle Register.Mehr

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Fazit

Ernst Jandl zum 90. Geburtstagschtzngrmm t-t-t-t
(picture alliance / dpa / Porträtdienst)

Mit Gedichten wie "schtzngrmm" und "ottos mops" löste Ernst Jandl Empörung bei der Kritik aus – und Jubel beim Publikum. Am 1. August wäre der österreichische Dichter 90 Jahre geworden. Wir sprechen mit seinem Biografen Klaus Siblewski über Jandl und sein Wirken.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.06.2011

Theater als purer Slapstick

Herbert Fritsch inszeniert "Die spanische Fliege" an der Volksbühne Berlin

Von Eberhard Spreng

Die Berliner Volksbühne. (AP Archiv)
Die Berliner Volksbühne. (AP Archiv)

Herbert Fritsch führt den 1913 uraufgeführten Schwank von Arnold und Bach als forcierte Bodenakrobatik vor. Ihm geht es nicht um Diskurse, Kommentare oder ironische Distanz, sondern um sportliches Ausagieren.

Vor unlösbare metaphysische Probleme stellt Herbert Fritsch sein Publikum nicht gerade, wenn er ihm den 1913 uraufgeführte Schwank von Arnold und Bach als forcierte Bodenakrobatik vorführt. Es geht dem Schauspieler nicht um Diskurse, Kommentare, ironische Distanz, sondern ums sportliche Ausagieren. Und so ist auch kein bürgerlicher Salon mit Türen, Erker und Schreibtisch zu sehen, sondern nur ein gewaltiger Teppich, der in Wellen bis an die Bühnenrückwand gelegt ist. Die Falten verbergen auch ein eingelassenes Trampolin, auf dem jeder der Akteure einmal je eigene skurrile Sprünge und Purzelbäume absolviert.

Die Schauspieler stecken in üppigen Roben mit geradezu barocken Perücken, stolzieren in kapriziösen Bewegungsticks umher, zucken voreinander zurück wie scheue Tiere und gehen vor der von Sophie Rois verkörperten Emma Klinke regelrecht in Deckung, wenn die sittenstrenge Präsidentin des "Bundes für Mutterschutz" in ihrer verlotterten Verwandtschaft für Ordnung sorgt – eine grandiose Figurine, komisch gespreizt, meisterhaft stilisiert.

An ihrer Seite gibt Wolfram Koch den Mostrichfabrikanten Ludwig Koch, der ein sexuelles Vergehen aus der Vergangenheit verbergen muss. Mit grandioser Körpersprache tänzelt er durch den Slapstick, stürzt zu Boden, rutscht über den Teppich, rappelt sich auf wie eine unzerstörbare Comicfigur. Dieses Theater ist ausgereizt bis zur Grenze dessen, was Schauspielerkörper leisten können, wenn es darum geht, ihnen jeden Rest Naturalismus und Authentizität auszutreiben. Herbert Fritsch vollendet mit seinem tollen Ensemble als Regisseur das, was er als Schauspieler in Castorf-Inszenierungen vor Jahren am selben Haus nur skizzieren konnte: Theater als puren Slapstick. Und weil er alle Register zieht und das ganze Repertoire des Genres beherrscht, ist das einen ganzen Theaterabend lang urkomisch. Bei der Premiere feierte das Publikum Herbert Fritschs Comeback an die Volksbühne.

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Hanswurst auf dem Theatertreffen
Wie die Gier den Menschen entstellt