Sonntag, 1. Februar 2015MEZ22:18 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDas Elbflorenz und seine Fremden
Dresden (picture alliance / dpa / Foto: Daniel Gammert)

In der "SZ" schreibt der Schriftsteller Ingo Schulze über seine Pegida-Erlebnisse. Er stellt fest: "Ich sehe tatsächlich fast nur Männer." Auch der "Spiegel" widmet sich noch einmal dem Elbflorenz und versucht zu ergründen, warum einige Dresdner mit Fremden fremdeln. Mehr

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Fazit

Dramaturgen-KonferenzTheater und Pop
Der Philosoph Robert Pfaller (Foto: Reinhard Winkler)

In Linz kam jetzt die Dramaturgische Gesellschaft zu ihrer Jahrestagung unter dem Titel "Was alle angeht. Oder. Was ist (heute) populär?" zusammen. Philosoph Robert Pfaller betonte, Theater funktioniere zwar anders als Popkultur, sie schließen sich aber nicht gegenseitig aus. Mehr

"Dämonen" in FrankfurtLaut, nackt und ätzend
Das Ensemble der Frankfurter "Dämonen"-Inszenierung von Sebastian Hartmann (Birgit Hupfeld / schauspiel frankfurt)

Der Regisseur Sebastian Hartmann hat Dostojewskijs Roman "Die Dämonen" am Schauspiel Frankfurt auf die Bühne gebracht. Fast fünf Stunden dauert das ebenso nervenzerrende wie fantastische Spektakel – großes Theater. Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.06.2011

Theater als purer Slapstick

Herbert Fritsch inszeniert "Die spanische Fliege" an der Volksbühne Berlin

Von Eberhard Spreng

Die Berliner Volksbühne. (AP Archiv)
Die Berliner Volksbühne. (AP Archiv)

Herbert Fritsch führt den 1913 uraufgeführten Schwank von Arnold und Bach als forcierte Bodenakrobatik vor. Ihm geht es nicht um Diskurse, Kommentare oder ironische Distanz, sondern um sportliches Ausagieren.

Vor unlösbare metaphysische Probleme stellt Herbert Fritsch sein Publikum nicht gerade, wenn er ihm den 1913 uraufgeführte Schwank von Arnold und Bach als forcierte Bodenakrobatik vorführt. Es geht dem Schauspieler nicht um Diskurse, Kommentare, ironische Distanz, sondern ums sportliche Ausagieren. Und so ist auch kein bürgerlicher Salon mit Türen, Erker und Schreibtisch zu sehen, sondern nur ein gewaltiger Teppich, der in Wellen bis an die Bühnenrückwand gelegt ist. Die Falten verbergen auch ein eingelassenes Trampolin, auf dem jeder der Akteure einmal je eigene skurrile Sprünge und Purzelbäume absolviert.

Die Schauspieler stecken in üppigen Roben mit geradezu barocken Perücken, stolzieren in kapriziösen Bewegungsticks umher, zucken voreinander zurück wie scheue Tiere und gehen vor der von Sophie Rois verkörperten Emma Klinke regelrecht in Deckung, wenn die sittenstrenge Präsidentin des "Bundes für Mutterschutz" in ihrer verlotterten Verwandtschaft für Ordnung sorgt – eine grandiose Figurine, komisch gespreizt, meisterhaft stilisiert.

An ihrer Seite gibt Wolfram Koch den Mostrichfabrikanten Ludwig Koch, der ein sexuelles Vergehen aus der Vergangenheit verbergen muss. Mit grandioser Körpersprache tänzelt er durch den Slapstick, stürzt zu Boden, rutscht über den Teppich, rappelt sich auf wie eine unzerstörbare Comicfigur. Dieses Theater ist ausgereizt bis zur Grenze dessen, was Schauspielerkörper leisten können, wenn es darum geht, ihnen jeden Rest Naturalismus und Authentizität auszutreiben. Herbert Fritsch vollendet mit seinem tollen Ensemble als Regisseur das, was er als Schauspieler in Castorf-Inszenierungen vor Jahren am selben Haus nur skizzieren konnte: Theater als puren Slapstick. Und weil er alle Register zieht und das ganze Repertoire des Genres beherrscht, ist das einen ganzen Theaterabend lang urkomisch. Bei der Premiere feierte das Publikum Herbert Fritschs Comeback an die Volksbühne.

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Hanswurst auf dem Theatertreffen
Wie die Gier den Menschen entstellt