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Interview / Archiv | Beitrag vom 14.10.2014

Syrisch-türkische Grenze"Humanitäres und militärisches Drama"

Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung Istanbul kritisiert Weigerung der Türkei, einen Korridor nach Kobane zu eröffnen

Ulrike Dufner im Gespräch mit Katrin Heise und Christian Rabhansl

Die Grenze bei Kobane: türkische Panzer und Schaulustige (picture-alliance / dpa / Tolga Bozoglu)
Die Grenze bei Kobane: türkische Panzer und Schaulustige (picture-alliance / dpa / Tolga Bozoglu)

Während der IS die Kurdenstadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze belagert, bombardiert die türkische Regierung offenbar Stellungen der PKK. Die türkische Öffentlichkeit sehe nur die Kurden als Bedrohung, kritisiert Ulrike Dufner, Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung Istanbul.

"Die türkische Öffentlichkeit beschäftigt sich bisher mit den Kurden und nicht mit dem eigentlichen Problem", sagt die Politologin, die das Istanbuler Büro der Heinrich-Böll-Stiftung leitet.

Die türkische Regierung sei offenbar fest entschlossen, eine Pufferzone auf syrischem Territorium zu errichten. Aus diesem Grund eröffne die Regierung auch keinen Korridor in die vom IS angegriffene Grenzstadt Kobane, so Dufner. "Das ist einfach sowohl unter humanitären Gesichtspunkten als auch natürlich unter militärischen Gesichtspunkten ein wirkliches Drama, weil sie zulässt, dass die Menschen dort abgeschlachtet werden."

Dennoch müsse der Friedensprozess in der Türkei nicht zu Ende sein: "Es gibt hier momentan sehr starke Bemühungen seitens der Kurden, die Konflikte zu deeskalieren." Auf der anderen Seite habe sich der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu von seinen Äußerungen wenige Tage zuvor distanziert und gesagt, dass natürlich auch die Kurden in Kobane seine Brüder seien. Dennoch seien sich viele Kommentatoren "nicht mehr sicher, inwiefern die AKP sozusagen noch den Fuß vom Gas bekommt", sagte Dufner.

 

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