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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.11.2006

Sterzing beklagt fehlende politische Perspektive im Nahen Osten

Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah: Bevölkerung droht in Depression zu verfallen

Spuren der israelischen Panzer in der palästinensischen Stadt Beit Hanoun im Gazastreifen (AP)
Spuren der israelischen Panzer in der palästinensischen Stadt Beit Hanoun im Gazastreifen (AP)

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Israel und den Palästinensergebieten hat der Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah, Christian Sterzing, den Regierungen beider Länder fehlende politische Initiative vorgeworfen. Es sei tragisch, dass auf beiden Seiten keine handlungsfähige Regierung vorhanden sei, sagte Sterzing im Deutschlandradio Kultur.

So seien die rivalisierenden Palästinenser-Gruppen Hamas und Fatah mit den Verhandlungen über die künftige Regierung der nationalen Einheit beschäftigt. Parallel dazu sei die israelische Regierung mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt. Sterzing weiter: "Es ist nicht absehbar, dass hier irgendwelche politischen Initiativen gestartet werden. Es ist eine weitgehende Hilflosigkeit und Strategielosigkeit zu beobachten."

Das führe auch dazu, dass die Bevölkerung sowohl in Israel als auch in den Palästinenser-Gebieten in Depression verfalle. Hinzu komme die sich zuspitzende humanitäre Lage in den Palästinenser-Gebieten. Den Menschen fehle eine politische Perspektive. Auch die internationale Gemeinschaft zeige keine Initiative, um den palästinensisch-israelischen Konflikt zu lösen. Angesichts dieser Lage könne der sich morgen zum zweiten Mal jährende Todestag von Arafat zur weiteren Gewalt führen. Sterzing wörtlich: "Es ist in dieser angespannten Situation durchaus denkbar, dass ein solcher Gedenktag zu einem nationalen großen Tag aufgebauscht wird und dass dies auch Anlass für Aktionen werden kann. Man kann da im Augenblick nur spekulieren, aber ausschließen kann man es nicht."

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