Montag, 1. September 2014MESZ13:22 Uhr

Kommentar

MilitärhilfeKeine Waffen an den Irak!
Kurdische Kämpfer und Anhänger der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) schwenken bei Kani Masi im Norden des Irak ihre Waffen.

Im Irak haben deutsche Waffen aber auch gar nichts zu suchen, kommentiert Ulrich Leidholdt: Die Pflicht zur militärischen Hilfe liege bei denen, die den Schlamassel angerichtet haben, also bei den USA.Mehr

Sanktionen gegen RusslandEine Frage der Dosis
Flaggen der Europäischen Union vor dem Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel, Belgien (14.5.2012)

Kaum etwas aber wäre verheerender, als wenn sich die Europäer von Russland wegen der Ukraine auseinander dividieren ließen. Sie müssen mit Putin reden, aber auch die Daumenschrauben bei den Sanktionen anziehen, meint Annette Riedel.Mehr

WaffenexportNur noch ein normaler Staat
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 20.03.2014 am Rednerpult des Bundestags in Berlin und gibt eine Regierungserklärung zur Krim-Krise ab. 

Die Bundesregierung könnte ohne Einbindung des Bundestags über die Waffenlieferungen in den Irak abstimmen. Das wäre ein von der Kanzlerin nicht gewohnter, schlechter Stil - und ein deutlicher Fehler, meint Falk Steiner.Mehr

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Politisches Feuilleton

KrisenherdeProjekt Weltvernunft vorerst gescheitert
Ein Foto durch ein Loch in einer Mauer zeigt am 24.06.2014 Gebäude in der Stadt Ramadi, die bei Kämpfen zwischen sunnitischen Milizen und Regierungsgegnern, inklusive der Gruppe ISIS, beschädigt wurden.

Die Welt steht in Flammen, plötzlich regiert allerorten die Barbarei, so scheint es. Im Namen des Heiligen wird gemordet und geraubt. Das gefährdet auch das Erbe Europas, ein Projekt der Vernunft, analysiert der Autor Christian Schüle. Mehr

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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 12.10.2012

So spektakulär wie naheliegend

Nobelpreiskomitee stimuliert neue Erzählung der europäischen Einigungsgeschichte

Von Peter Lange, Chefredakteur Deutschlandradio Kultur

Die Friedensjahre in den Staaten der EU seit 1945 sind die längste ununterbrochene Friedenszeit auf dem Kontinent.
Die Friedensjahre in den Staaten der EU seit 1945 sind die längste ununterbrochene Friedenszeit auf dem Kontinent. (AP)

Dass die Völker in Europa seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben, ist ein Verdienst der Europäischen Union und der Politiker, die das mit allen Mühen der Ebene organisiert haben. Der Friedensnobelpreis für die EU ruft in Erinnerung, dass das nicht selbstverständlich ist.

Eine der neueren und trotzdem abgenutzten Plattitüden über die Europäische Union geht ungefähr so: Die EU braucht einen neuen Narrativ. Die Europäische Staatengemeinschaft als Projekt der Friedensstiftung sei nichts mehr, mit dem man bei der jungen Generation Engagement und Empathie für Europa auslösen könne.

Letzteres mag ja zutreffen. Aber kann das ein Grund sein, die Erfolgsgeschichte der Europäischen Einigung nicht mehr zu erzählen und sie mangels Interesse beim jüngeren Publikum im Museumsspeicher zu verklappen?

Nein, mag sich das Nobelkomitee gedacht haben und stimuliert mit seiner ebenso naheliegenden wie spektakulären Entscheidung eine neue Erzählung der europäischen Einigungsgeschichte. Sie ist naheliegend, fast langweilig, weil wir den Europäischen Frieden so selbstverständlich leben und in Anspruch nehmen wie das saubere Trinkwasser aus dem Wasserhahn und die reibungslose Müllabfuhr. Sie ist spektakulär, weil sie in Erinnerung ruft, dass das alles eben nicht selbstverständlich ist.

Europa war über 2000 Jahre ein Kontinent der Kriege - mit einem höllischen Exzess an moderner, industriell organisierter Menschen- und Völkervernichtung im 20. Jahrhundert. Die 67 Friedensjahre in den Staaten der Europäischen Union seit 1945 sind - historisch gesehen - nicht viel mehr als ein Wimpernschlag, und doch die längste ununterbrochene Friedenszeit auf dem alten Kontinent. Was das für eine Leistung ist, und was sie Wert ist, lässt sich erahnen, wenn man eine Region wie den Nahen Osten dagegenstellt, in der das Ende eines über 60-jährigen Krieges mit heißen und kalten Phasen immer noch nicht in Sicht ist.

Und dass der Umbruch von 1989, mit Ausnahme von Rumänien, fast überall friedlich verlief, darf man immer noch als ein Wunder bestaunen. Vielleicht sogar heute noch mehr als vor ein paar Jahren, wo wir alle beobachten, mit welch fürchterlichem Blutvergießen die Menschen in Nordafrika und Arabien ihr Ringen um Freiheit bezahlen müssen. Es hätte 1989 auch bei uns furchtbar werden können.

Dass die Völker in Europa seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben, ist ein Verdienst der Europäischen Union und der Politiker, die das mit allen Mühen der Ebene organisiert haben. Der Friedensnobelpreis für die EU ruft in Erinnerung, dass das nicht selbstverständlich ist. Er mahnt auch, das auch in Zukunft als Aufgabe im Blick zu behalten. Eine EU, deren südliche Länder über Jahre von wirtschaftlicher Depression, Massenarbeitslosigkeit, und Armut gezeichnet sind, von politischer Instabilität und inneren Unruhen, eine solche EU wäre eine unfriedliche Union, die Europa als Ganzes schwer belasten würde. Wenn sich die einstige Schicksalsgemeinschaft als Solidargemeinschaft zeigen würde, wäre das auf jeden Fall preiswerter.