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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 15.02.2013

"So endigte der blutige Krieg ..."

Vor 250 Jahren endete der Siebenjährige Krieg mit dem Frieden von Hubertusburg

Von Volker Ullrich

Schloss Hubertusburg in Wermsdorf (picture alliance / dpa / Franz-Peter Tschauner)
Schloss Hubertusburg in Wermsdorf (picture alliance / dpa / Franz-Peter Tschauner)

Nach sieben langen Jahren gab es endlich Frieden zwischen Preußen und seinen Gegnern. Die Verträge von Hubertusburg beendeten 1763 einen zermürbenden Krieg um die Vormachtstellung in Europa. Der Konflikt forderte zahllose Menschenleben – Preußen unter Friedrich dem Großen aber etablierte sich als europäische Großmacht.

"So endigte der blutige Krieg, der ganz Europa umzuwälzen drohte ... Wer konnte voraussehen oder sich denken, dass Preußen dem Angriff jener furchtbaren Liga von Österreich, Russland, Frankreich, Schweden und dem ganzen Heiligen Römischen Reich (deutscher Nation) widerstehen und aus dem Kriege, wo ihm überall Untergang drohte, ohne den geringsten Verlust an Besitzungen hervorgehen würde? "

schrieb Friedrich II., genannt der Große, in seiner "Geschichte des Siebenjährigen Krieges", der mit dem Frieden von Hubertusburg am 15. Februar 1763 zu Ende gegangen war. Begonnen hatte das Ringen freilich nicht mit einem Angriff auf Preußen, sondern mit dem Einmarsch der preußischen Armee in Sachsen am 29. August 1756. Es war ein klassischer Präventivkrieg: Friedrich wollte dem befürchteten Überfall der gegnerischen Koalition zuvorkommen.

"Mit Gottes Hilfe werden wir so viele Feinde gegen den unverschämten König von Preußen zusammenbringen, dass er unterliegen muss",

hatte der Architekt der antipreußischen Allianz, der österreichische Staatskanzler Graf Wenzel Anton von Kaunitz, unumwunden erklärt. Er und seine Kaiserin Maria Theresia wollten nicht nur die Provinz Schlesien zurückerobern, die Friedrich den Habsburgern entrissen hatte, sondern Preußen auf den Status einer zweitrangigen Macht zurückführen. England, Preußens einziger Bündnispartner, war durch die globale Auseinandersetzung mit Frankreich um Nordamerika und Ostindien so in Anspruch genommen, dass es kaum militärische Hilfe leisten konnte. Friedrichs Absicht, die österreichische Hauptstreitmacht gleich zu Beginn in Böhmen entscheidend zu schlagen, bevor Russland und Frankreich eingreifen konnten, schlug fehl. Zwar errang der preußische König später noch eine Reihe glänzender Siege – so am 5. November 1757 gegen die Franzosen bei Roßbach und einen Monat später gegen die Österreicher bei Leuthen. Damals sah sich Friedrich auf dem Höhepunkt seines Ruhms als Feldherr. Aber er musste immer wieder auch schwere Niederlagen hinnehmen, die schlimmste gegen die vereinigten österreichischen und russischen Truppen bei Kunersdorf am 12. August 1759. Der Krieg schien für Preußen verloren. Doch die Gegner nutzten ihren Sieg nicht aus, um der preußischen Armee den entscheidenden Stoß zu versetzen, sondern zogen sich zurück.

"Ich verkünde Ihnen das Mirakel des Hauses Brandenburg",

kommentierte Friedrich in einem Brief an seinen Bruder Prinz Heinrich die überraschende Wende. So schleppte sich der Krieg noch weitere drei Jahre hin. Allerdings machten sich, je länger desto mehr, Kriegsmüdigkeit und Erschöpfung bemerkbar. Da kam ein zweites Mal ein "Mirakel" den Preußen zur Hilfe: Am 5. Januar 1762 starb die Zarin Elisabeth, eine Intimfeindin Friedrichs. Ihr Neffe und Nachfolger, Peter III., war ein Bewunderer des Preußenkönigs. Er beeilte sich, Frieden mit Preußen zu schließen. Nachdem Schweden dem Beispiel Russlands gefolgt war, streckte auch Österreich Friedensfühler aus. Die Verhandlungen zwischen dem österreichischen, preußischen und sächsischen Bevollmächtigten begannen Ende Dezember 1762 im Jagdschloss Hubertusburg bei Wermsdorf in Sachsen. Bereits am 15. Februar 1763 wurde der Friedensvertrag unterzeichnet – fünf Tage, nachdem England und Frankreich ihre kolonialen Interessenkonflikte im Frieden von Paris beigelegt hatten. Preußen erhielt nun endgültig die Provinz Schlesien zugesprochen. Auch das Kurfürstentum Sachsen wahrte seinen territorialen Besitzstand. Alle Seiten verpflichteten sich, auf Entschädigungen für die während des Krieges erlittenen Verluste zu verzichten.

"Somit hat alle unsere Not ein Ende",

notierte Graf Heinrich von Lehndorff, Kammerherr der preußischen Königin.

"Wenn man aber bedenkt, welche unzähligen Opfer dieser Krieg gefordert hat, wie viel Familien ruiniert worden sind, und das alles, um die Herrscher in dem Status quo ante zu sehen, so möchte man über den Wahnwitz der Menschheit laut aufschreien. "

Friedrich kehrte nicht als Triumphator nach Berlin zurück. Er fühlte sich alt und verbraucht:

"Alle Tage verliere ich einen Zahn und bin halb lahm vor Gicht."

Allerdings: Preußen hatte seinen Rang als zweite deutsche Großmacht neben Österreich verteidigt. Dass Friedrich sich gegen eine als übermächtig erscheinende Koalition behauptet hatte, begründete den Mythos um seine Person – einen Mythos, den noch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg beschwören sollten, um die deutsche Bevölkerung zum bedingungslosen Durchhalten anzuhalten.

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