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Profil / Archiv | Beitrag vom 25.09.2009

Singen mit Leib und Seele

Chor der Woche: Der Gemischte Chor Bröckel

Von Sigrid Brinkmann

Notenblatt gerollt (Stock.XCHNG / valentino sirbinas)
Notenblatt gerollt (Stock.XCHNG / valentino sirbinas)

Der 1882 gegründete <papaya:link href="http://www.gemischter-chor-broeckel.de" text="Gemischte Chor der niedersächsischen Gemeinde Bröckel" title="Gemischte Chor der niedersächsischen Gemeinde Bröckel" target="_blank" /> verfügt über eine breites Repertoire. Neben Musicals wird auch plattdeutsches Liedgut dargebracht.

Friedhelm Krüger ist noch vor allen anderen Chormitgliedern am Schützenhaus eingetroffen. Der ehemalige Landwirt wartet unter einem großen Baum. Seit 27 Jahren ist er dabei.

"... mit Leib und Seele. Wenn ich nicht krank bin, bin ich beim Singen. Heute haben wir ungefähr 1800 Einwohner, aber wie das überall so ist in den Chören, wir müssten mal einen Nachschub haben von 15 jungen Leuten."

Wie gerufen erscheint eines der jüngsten Mitglieder: Marie-Christin Kaufmann.

Die 19-Jährige kommt in Begleitung ihrer Mutter und ihrer Großmutter Margret Müller, die schon seit 52 Jahren im Bröckeler Chor singt. Die drei Frauen sind nicht die einzige Familie, die in drei Generationen vertreten ist. Auf die Frage nach ihrem Lieblingslied antwortet Marie-Christin ohne zu zögern:

"'Cats', das Musical. 'I like the flower'. Aber ich glaube, das werden wir auch nicht singen heute Abend."

Sie wird Recht behalten, denn für das nächste Konzert am 27. September muss die Feinarbeit an 20 Stücken vorangetrieben werden.

"So, nehmt mal Platz und jetzt an die Arbeit! Nummer 205 A: 'Bunt sind schon die Wälder'."

Otmar Schulz leitet den Chor seit drei Jahren. Der 71-Jährige ist promovierter Theologe. Seine Frau ist Pastorin in einer Nachbargemeinde von Bröckel. Manchmal kommt sie wegen der vielen Arbeit zu spät zur Probe. Dass Otmar Schulz mit Kirchenmusik groß geworden ist, hat er seiner Mutter zu verdanken.

"Die hat uns im Krieg, meine Schwester und mich, mitgenommen in ihre Kantorei, weil sie uns ja bei den Bombenangriffen – wir haben in der Nähe von Berlin gewohnt – nicht allein zuhause lassen konnte, und dann habe ich mit vier, fünf Jahren alles gekonnt, was in der Kantorei gesungen wurde. Ich durfte sogar mitsingen. Nur der Dirigent hat gesagt: Otmar, bitte nicht so laut! So bin ich zum Singen gekommen. Und es ist überliefert, dass ich schon mit drei Jahren auf dem Schemel gestanden habe mit einer Makkaroni in der Hand und dirigiert haben soll – hat meine Mutter mir erzählt."

"Der Apfel fällt mit leisem Laut, das hätte ich auch gern übersetzt in die Musik, ja? Ja, dass Ihr den nicht so vom Baum plumpsen lasst, den Apfel - vom Anfang!"

Von den Männern kann keiner Noten, flüstert mir Otmar Schulz zu. Mir wäre es nicht aufgefallen, dass sie die Notenblätter nur als Textstütze benutzen. Jüngere Choristen wie Jens Burneleit, der für eine Berufskrankenkasse arbeitet und viel über Land fährt, fällt es manchmal schwer, Frau und Kindern gegenüber auf dem eigenen Hobby zu bestehen, zumal der Bröckeler Chor auch an Wochenenden häufiger bei Kirch- und Dorffesten auftritt.

"Als ich angefangen habe, so Anfang 90, mit knapp 50 aktiven Sängern, und da waren 15 Leute unter 20 bei und das war natürlich schon was ganz anderes, aber mit der Zeit, die Frauen heiraten, Beruf, Bundeswehr, Studium, zieht dann alles weg."
"Wir gehen jetzt auf die 70 und sagen öfters: Oh nein, schon wieder montags los, und denn kommt Jens und sagt: Los Mama, komm mit, und dann stehen wir wieder auf vom Sofa und denn geht's wieder los. Also, so zieht der eine den anderen mit."

Das Temperament des Chorleiters, soviel wird schnell sichtbar, reißt die 46 Sänger und Sängerinnen spürbar mit. Otmar Schulz' Weg als Musiker ist nicht geradlinig verlaufen.

"Leider habe ich durch die Kriegswirren kein Klavierspielen lernen können. Und musste trotzdem meine C-Prüfung machen, alles autodidaktisch, und bin da nur durchgekommen, weil ich so gut improvisieren konnte und mogeln konnte. Im Pfuschen bin ich groß, ja. Das ist ein Kernsatz, nicht? Ein schöner Kernsatz."

In den niedersächsischen Dörfern wird noch Plattdeutsch gesprochen, und ein Chor muss unbedingt mundartliche Lieder im Repertoire haben. Friedhelm Krügers liebstes Lied ist die "Bröckelsche Hymne", mit der jedes Konzert zu Ende geht.

"Es ist leider nur zweistimmig zu singen, aber ich denke, es gehört zu Bröckel. Es kann jeder singen, von der Melodie her lässt es sich wunderbar singen."

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