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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.12.2015

Schriftstellerin Marica BodrozicWie uns Sprache vor der Welt schützt

Marica Bodrozic im Gespräch mit Andrea Gerk

Die Autorin Maria Bodrozic im Funkhaus von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)
Die Autorin Maria Bodrozic im Funkhaus von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)

Marica Bodrozics neuestes Werk "Das Auge hinter dem Auge" ist die Buchausgabe einer Poetikvorlesung. Die Autorin erklärt uns, welche sprachphilosophischen Überlegungen sich hinter dem Buchtitel verbergen.

Wie Sprache uns vor einer unmenschlichen und oberflächlichen Welt schützen kann – darüber reflektiert Marica Bodrožić in ihren Romanen und Essays. Die 42-jährige Schriftstellerin Marica Bodrozic kam erst im Alter von zehn Jahren aus Kroatien nach Deutschland und musste sich ihre neue sprachliche Heimat erst erobern.

Inzwischen hat sie mehr als zehn Bücher geschrieben, zahlreiche Auszeichnungen erhalten und kroatische Literatur ins Deutsche übersetzt.

Ihr neuestes Werk ist die Buchausgabe einer Poetikvorlesung, die Marica Bodrožić im vergangenen November in Wiesbaden gehalten hat:"Das Auge hinter dem Auge". Was hinter diesem Titel steckt, erklärt Marica Brodrozic so:

"Was ich darin beschreibe, ist, dass ich immer, sozusagen, den Blick von Innen nehme und versuche, dieses innere Sehen in die Sprache zu tragen. Das ist mir sehr wichtig, weil dieser innere Ort vom Bewusstsein kommt, von diesem allumfassenden Denken und die Sprache an einer tieferen Stelle berührt."

Persönlich sei sie durch ihre Zweisprachigkeit geprägt, wie ja auch ihre Heimat, das frühere Jugoslawien, durch das nebeneinander verschiedener Sprachen, Kulturen und Identitäten geprägt gewesen sei.

In einer ihrer Geschichten, die sie in ihrem Buch beschreibt, schildert Bodrozic die Begegnung mit einem syrischen Flüchtlingsmädchen. Die Kleine habe sie an ihre eigene Kindheit erinnert:

"Sie wird die deutsche Sprache schneller lernen als ihre Eltern. Sie ist jetzt schon dabei, ihnen die Welt zu erklären, in der sie leben. Sie geht, als muslimisches Mädchen aus Aleppo, die dort Französisch gelernt hat, auf eine deutsche Schule, auf eine katholische Schul hier in Berlin. Und hat schon ein unglaubliches Universum in sich und kann es mit anderen teilen."

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