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Lesart | Beitrag vom 18.02.2016

Schriftsteller Orhan Pamuk im Interview"Die ganze Welt ist mir fremd geworden"

Orhan Pamuk im Gespräch mit Andrea Gerk

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Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk bei einer Lesung in Krakau 2012 (dpa / picture alliance / Jacek Bednarczyk)
In seinem neuen Roman nimmt Nobelpreisträger Orhan Pamuk das Istanbul der "kleinen Leute" in den Blick. (dpa / picture alliance / Jacek Bednarczyk)

Wieder geht es bei Orhan Pamuk um Istanbul. Aber diesmal aus der Perspektive der kleinen Leute. Sein neues Buch "Diese Fremdheit in mir" sei "ein Dickens-artiger Roman", sagt der Literaturnobelpreisträger von 2006. Aber ohne das dazugehörige Melodram.

Auch das neue Buch von Orhan Pamuk ist wieder eine Hommage an "seine" Stadt Istanbul. Doch dieses Mal beschwört der Literaturnobelpreisträger nicht das alte, untergegangene Istanbul. "Hier versuche ich, über ein modernes Istanbul zu schreiben, über Einwanderer, Leute, die nach Istanbul kommen, die so eine jugendliche Kraft haben und die diese Stadt verändern, die sie modern machen, auch verfremden in einer gewissen Weise."

Interviews mit Straßenverkäufern und Polizisten als Grundlage

"Diese Fremdheit in mir" erzählt die Geschichte des Straßenverkäufers Mevlut, der aus Anatolien nach Istanbul kommt, von 1969 bis 2012.

"Es ist ein Dickens-artiger Roman, der sich auf das Leben der Unterklasse, der Armen und Besitzlosen konzentriert", sagt Pamuk. "Nur mit dem Unterschied, dass es bei Dickens ja immer ein Melodrama gibt."

Das habe er auf jeden Fall verhindern wollen: "Ich habe sehr viele Interviews gemacht mit Straßenverkäufern in Istanbul, die zum Beispiel Reis oder Hühnchen verkaufen, auch mit Polizisten, auch mit Hotelangestellten, und diese Interviews waren schon sehr wichtig, damit es eben nicht so ein Dickens'scher Roman wurde."

Sorge um den inhaftierten Can Dündar

Zur politischen Situation in der Türkei äußert sich Pamuk besorgt: Es gebe in der Türkei immer noch keine volle Demokratie, dagegen aber "eine wirkliche Kultur der Intoleranz" und eine Bedrohung durch autoritäre Machtstrukturen. Als Autor fiktionaler Texte fühle er sich zwar nicht selbst bedroht.

"Aber für politische Kommentatoren, für Journalisten, da sieht die Lage anders aus", sagt Pamuk unter Verweis auf seinen Freund Can Dündar, den Chefredakteur der Zeitung Cumhuryiet, dem die Regierung Spionage vorwirft.

"Der ist jetzt im Gefängnis gelandet."

Orhan Pamuk: "Diese Fremdheit in mir"
Hanser-Verlag, München 2016,
592 Seiten, 26 Euro

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