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Lesart | Beitrag vom 24.10.2016

Risiken der Produktion in FernostDas Buch als globalisiertes Produkt

Hans von Trotha im Gespräch mit Jörg Magenau

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Buchdruckerei (imago/Fotoarena)
Ob Bücher in Deutschland oder woanders auf der Welt gedruckt werden, wird nach wirtschaftlichen Kriterien entschieden. (imago/Fotoarena)

Bücher sind Kulturgüter – und knallhart kalkulierte Wirtschaftsgüter. Auch das Geschäft mit dem Buch hat sich globalisiert: Aufwendige Bildbände werden beispielsweise oft in Asien gedruckt. Das bringt aber auch Gefahren für die Verlage mit sich.

In Frankfurt am Main gibt es jedes Jahr zwei Buchmessen: eine, die feuchtfröhlich die Literatur feiert - und eine, auf der knallhart kalkuliert und gearbeitet wird. So beschreibt es unser Literaturkritiker Hans von Trotha, der sich dieses Mal auf der Buchmesse nicht so sehr mit den wortgewaltigen Literaten, sondern mit rechnenden Verlegern beschäftigt hat.

So war er auch oft in Halle 6, in der die internationalen Verlage unter anderem ihre opulenten Bildbände vorstellten. Ein Geschäft, dass nur noch funktioniert, indem die Verlage internationale Produktionsgemeinschaften gründen, wie von Trotha berichtet. Die Bildbände erscheinen überall auf der Welt mit den gleichen Fotos, nur der Text wird ausgetauscht und dem Verkaufsland angepasst – was enorm beim Kostensparen hilft.

In Schiffscontainern lagern auch Bücher

Gedruckt wird dann oft in Fernost, auch hier geht es schlicht ums Geld. Doch das hat auch seine Schattenseiten: So leiden etwa Verlage unter der Pleite von Hanjin, der siebtgrößten Reederei weltweit. Deren Insolvenz hat dazu geführt, dass überall auf der Welt Schiffe festsaßen und -sitzen - die Fracht wird nicht gelöscht, da die Häfen nicht auf den Kosten sitzenbleiben wollen.

In den Schiffscontainern liegen auch Bücher. Das illustriert die - störungsanfälligen - Abläufe des globalisierten Buchhandels. Große deutsche Verlagen sind laut von Trotha von der Hanjin-Pleite nicht betroffen – aber auch sie hätten sofort in ihre Planungslisten geguckt. Für einige kleinere Verlage sei die Insolvenz der Reederei aber tatsächlich "existenziell bedrohlich" – denn ob die Bücher rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Läden liegen, ist noch nicht ausgemacht.

Mehr zum Thema

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(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 14.10.2016)

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