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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 17.11.2013

Rettung vor den Fluten

Vor 50 Jahren sollte Hochtief ägyptische Felsentempel verlegen

Von Irene Meichsner

Abu Simbel (Großer Tempel Ramses II.) nahe Assuan, Ägypten (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)
Abu Simbel (Großer Tempel Ramses II.) nahe Assuan, Ägypten (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

Fast wären die Tempel von Abu Simbel in den Fluten des Assuan-Stausees versunken. Der Rettungsplan der UNESCO: Das Heiligtum von Ramses II. sollte an einen sicheren Ort transferiert werden. Der Auftrag ging an ein internationales Firmenkonsortium unter Leitung des Essener Konzerns Hochtief.

Um Haaresbreite wären die Tempel von Abu Simbel in den Fluten des Assuan-Stausees versunken. Die UNESCO bat die ganze Welt um Hilfe: Das komplette Heiligtum von Pharao Ramses II. sollte in Einzelteile zerlegt und an einem sicheren Ort wieder aufgebaut werden. Am 17. November 1963 wurde ein internationales Firmenkonsortium unter Leitung der Essener Hochtief mit der technischen Durchführung des Projekts betraut.

"Das optimale Projekt war an sich das italienische, das die Hebung der Tempel über die Wasserfläche vorsah. Aber dieses Projekt kostete etwa 60 Millionen Dollar! Jetzt steht ein schwedisches Projekt zur Diskussion, das von der UNESCO vertraglich akzeptiert werden soll. Nach diesem schwedischen Projekt würden die Tempel in Riesenblöcke geschnitten werden. Um an anderer Stelle wieder aufgebaut zu werden."

Es war ein Wettlauf mit der Zeit. Hätte sich die UNESCO, hier vertreten durch die Italienerin Paola Mancinelli-Scotti, nicht im letzten Moment der berühmten Tempel von Abu Simbel angenommen, dann gäbe es sie heute nicht mehr. Gamal Abdel Nasser, seit 1952 ägyptischer Staatspräsident, hatte bald beschlossen, den Nil südlich von Assuan zu einem gigantischen Trinkwasserreservoir aufzustauen. Mehrere altägyptische Heiligtümer drohten in dem Stausee zu versinken - darunter der "Große Tempel" Ramses' II., den der Pharao vor mehr als 3000 Jahren fast 60 Meter tief in einen Sandsteinfelsen am Westufer des Nils hatte graben lassen. Im April 1959 bat Ägyptens Kultusminister Sarwat Ikasha die UNESCO um Hilfe. Ein knappes Jahr später - die Arbeiten am Assuan-Staudamm hatten schon begonnen - appellierte UNESCO-Generalsekretär Vittorino Veronese an das Weltgewissen.

"Diese Kostbarkeiten gehören ja nicht nur den Nationen, die sie heute in Verwahrung haben. Die ganze Welt hat ein Anrecht auf ihre immerwährende Erhaltung. Vertrauensvoll lade ich deshalb Regierungen, Institutionen, öffentliche und private Stiftungen und alle Menschen guten Willens ein, ihren Teil zum Erfolg beizutragen."

Kühne, teils auch utopische Pläne zum Erhalt der Tempel von Abu Simbel wurden geschmiedet, bevor schwedische Ingenieure sich mit dem Plan durchsetzten, das komplette Heiligtum 64 Meter höher und 180 Meter weiter landeinwärts zu versetzen. Am 17. November 1963 wurde ein internationales Konsortium unter der Leitung der Essener Baufirma Hochtief mit der Durchführung des beispiellosen Projekts betraut. Da war es fast schon zu spät.

Nachdem im Mai 1964 der erste Zulauf zum neuen Stausee freigesprengt worden war, stieg der Wasserpegel kontinuierlich.

"Vordringlichste Aufgabe war daher zunächst, die beiden Tempel mit einem Schutzdamm zu umgeben, der sie eben vor dem steigenden Wasser frei hielt und in dessen Schutz der Abbau selbst durchgeführt werden konnte", "

so Karl-Heinz Martini von der Firma Hochtief. Auf Schiffen wurden Kräne, Bagger, Geräte und Baumaterial aus aller Welt herangeschafft. Für rund 2000 Arbeiter, Techniker, Archäologen und andere Experten stampfte man in der Wüste eine kleine Stadt aus dem Boden. Zuerst mussten die Felsen oberhalb der Tempel abgetragen werden. Danach zerlegte man die Kultstätte mit Trockensägen in 1036, jeweils maximal 30 Tonnen schwere Einzelteile. Die vier 21 Meter hohen Statuen am Eingang des Ramses-Tempels, in denen sich der Pharao selber verewigt hatte, zersägten italienische Fachleute, die Erfahrungen aus dem Abbau von Marmor mitbrachten, sämtlich mit der Hand. Keine Fuge sollte breiter sein als maximal sechs Millimeter.

" "Und je nach Erfordernis sind dann die einzelnen Teile im Bereich der Schnittfugen selbst mit Kunstharz geschützt worden bzw. vorher durch Aufbohrung und Einsetzen von Ankern und Verpressen durch Kunstharzmörtel verfestigt worden."

Die Einzelteile wurden durchnummeriert und auf gepolsterten Tiefladern zu einem Zwischenlager transportiert. Parallel zum Abbau begann der Wiederaufbau der Tempel am neuen Standort. Als Stütze diente ein riesiges Stahlgerüst, das später zu einem künstlichen Berg aufgeschüttet wurde. Im September 1968 war das Mammutwerk vollbracht. 50 Länder hatten sich daran beteiligt, die Kosten lagen am Ende bei rund 80 Millionen Dollar. Eine Folge der geglückten Rettungsaktion war die Verabschiedung der "Welterbekonvention". Seit 1979 stehen die Tempel von Abu Simbel, eine von Ägyptens größten Touristenattraktionen, auf der von der UNESCO geführten Liste des Welterbes, die heute insgesamt 981 Kultur- und Naturdenkmäler in 160 Ländern umfasst.

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