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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.01.2015

Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung"Muslime sind fromm und liberal zugleich"

Yasemin El-Menouar im Gespräch mit Katrin Heise und Christian Rabhansl

Teilnehmer der islamkritischen Pegida-Demonstration in Dresden. (imago)
Wissensdefizite in Sachen Islam laut Diagnose der Leiterin der Bertelsmann-Studie: Teilnehmer der islamkritischen Pegida-Demonstration in Dresden. (imago)

Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich laut dem Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung vom Islam bedroht. Dazu bestehe allerdings wenig Anlass, meint die Soziologin und Studienleiterin, Yasemin El-Menouar: Auch bei "hoch religiösen" Muslimen in Deutschland stünden die Grundwerte wie Demokratie nicht zur Diskussion.

Immer mehr Deutsche lehnen den Islam ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Befragung der Bertelsmann-Stiftung im Rahmen des "Religionsmonitors". Waren es vor zwei Jahren noch 53 Prozent, sind es inzwischen 57.

Die hier lebenden Muslime geben der Leiterin der Studie, Yasemin El-Menouar, zufolge allerdings wenig Anlass zu solchen Ängsten. "Grundwerte stehen eigentlich überhaupt nicht zur Diskussion, auch nicht bei Muslimen." Dies gelte auch für Hochreligiösen, von denen etwa 90 Prozent der Demokratie als Staatsform zustimmten, betont die Sozialwissenschaftlerin. "Muslime sind fromm und liberal zugleich." Lediglich ein Prozent sei als extremistisch einzustufen.

"Der Großteil der Pegida-Anhänger ist vermutlich noch nie einem Muslim begegnet"

Ursächlich für das zunehmende Bedrohungsgefühl vieler Deutscher seien insofern Wissensdefizite, was den Islam angeht. Außerdem werde in der Öffentlichkeit häufig das Thema Integration der hier lebenden Muslime mit Phänomenen wie al-Qaida und IS vermischt: "Wir haben ja diesen Fokus der Öffentlichkeit auf diese extremistischen radikalen Randgruppen seit 2001 im Prinzip. Und die prägen aber auch das Bild, das viele Menschen vom Islam haben – und vor allen Dingen dort, wo der Kontakt fehlt."

So fänden die Pegida-Aufmärsche vornehmlich in Ostdeutschland statt, wo es kaum Muslime gebe: "Der Großteil der Menschen ist vermutlich noch nie persönlich einem Muslim begegnet."

Insofern vermutet Yasemin El-Menouar, dass hier andere Ängste auf den Islam projiziert würden. "Wir haben ja auch viel Wandel in der Gesellschaft wie ein zunehmendes Auseinandergehen von Arm und Reich, Alterssorgen, Sorgen um den Arbeitsplatz et cetera."

 

Mehr zum Thema:

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