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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 15.01.2015

Regionalflughafen Kassel-CaldenNächster Abflug in drei Monaten

Von Ludger Fittkau

(picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
Nichts los am Terminal des Regionalflughafens Kassel-Calden (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Seit zwei Jahren schon steht der Regionalflughafen Kassel-Calden in Nordhessen. Doch Maschinen heben dort nur selten ab, das Unternehmen hat Millionendefizite. Ein Experte sagt: Bei der momentanen Auslastung ist ein Überleben undenkbar.

"Ich habe so manchmal das Gefühl, draußen ist ein Atombombe gefallen und kein Mensch ist mehr hier. Fukushima in Calden. Ist ein bisschen übertrieben, aber es ist schon sehr traurig."

Ein Gefühl absoluter Leere – das  verspüren viele, wenn sie das Areal des Flughafen Kassel-Calden betreten. Gerade im Winter kommt hier kaum jemand hin. Warum auch? Wer im Internet den Flugplan des noch nicht einmal zwei Jahre alten, fast 300 Millionen Euro teuren Regionalflughafens in Nordhessen öffnet, bekommt folgende Auskunft: Der nächste Abflug etwa an einem Montag soll nach Marrakesch gehen – allerdings erst am Montag, den 13. April – also in gut drei Monaten! Ähnlich sieht es an den anderen Wochentagen aus. Lediglich samstags wird auch in den Wintermonaten ein Flug nach Fuerteventura angeboten.  Knapp zwei Jahre nach der Eröffnung des Flughafens auf den Hügeln zehn Kilometer nördlich von Kassel hat sich das bestätigt, was Bürgerinitiativen und Kenner des Marktes für Regionalflughäfen schon vor dem Bau von Kassel-Calden prognostizierten. Etwa der Hamburger Flugverkehr-Experte Gerd Pontius:

"Mit dem jetzigen Stand des Flughafens und der Auslastung des Flughafens ist ein Überleben undenkbar. Man kann natürlich sagen, dass jeder Flughafen eine Anlaufzeit benötigt, man sieht aber, wie schwer sich die Fluggesellschaften tun, ein Programm für Kassel aufzusetzen."

Vertrauen zurückgewinnen

Die Berliner Fluggesellschaft Germania ist ein Unternehmen, auf die der Kasseler Flughafen-Manager Ralf Schustereder  sehr stark setzt, um künftig  Flüge von und nach Kassel wieder für Kunden attraktiv zu machen:

 "Also primär ist das Ziel, Vertrauen zurückzugewinnen, das dem Airport verloren gegangen ist. Das heißt aber über die Stabilisierung des Flugplans mit Fluggesellschaften wie Germania, die uns treu verbunden sind, ein solides Angebot im Flugplan zu etablieren und damit auch potentielle Fluggäste auch wieder an Kassel zu binden."

Wenn man sich jedoch anschaut, von wo aus Germania aktuell startet oder landet, steht nicht Kassel-Calden oben auf der Liste – sondern ganz andere Regionalflughäfen, die allerdings teilweise wie Calden mit Millionen-Defiziten kämpfen: Der Hunsrück-Flughafen Frankfurt- Hahn, Münster-Osnabrück oder Hannover, aber auch der internationale Airport Frankfurt am Main. Viele dieser aktuell beliebteren Flughäfen liegen weniger als zwei Zugstunden von Kassel entfernt.

"Der Unterschied zwischen zum Beispiel Frankfurt-Hahn und Kassel-Calden ist, dass man nicht versucht hat, in einer wirtschaftsschwachen Region einen Flughafen zu etablieren. Sondern Kassel ist eine der Wirtschaftsaufsteigerregionen der Bundesrepublik gewesen und deswegen ist der Flughafen eine Ergänzung."

Flughafen-Manager: Lage wohl auch in zehn Jahren noch schwierig

Sagt der Liberale Florian Rentsch, bis vor einem Jahr Wirtschaftsminister in Hessen. 2017 will die aktuelle schwarz-grüne Landesregierung den Flughafen Kassel-Calden noch einmal grundlegend auf den Prüfstein stellen. Ob der Flughafen bis dahin seine Millionendefizite deutlich reduzieren kann, ist fraglich. Flughafen-Manager Ralf Schustereder sieht seinen Airport auch noch in zehn Jahren in einer schwierigen Lage:

"Sicherlich in einem hart umkämpften Umfeld eines Regionalairports. Der Luftverkehr hat sich verändert, insofern, dass die Regionalairpoirts insgesamt einen Dämpfungsfaktor erlitten haben."

Der Dämpfungsfaktor – das bedeutet: Es gibt auch künftig mehr Stille am Flughafen Kassel-Calden, als den Verantwortlichen lieb ist.

"Fukushima in Calden."

Das ist übertrieben – doch die Leere in Kassel-Calden ist auch knapp zwei Jahre nach der Eröffnung ein Symbol eines Großprojektes, das vor dem Scheitern steht.

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