Seit 17:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 17:07 Uhr Studio 9
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 23.01.2016

Rassismus-Vorwurf gegen Oscar-Verleihung"Nur die Spitze des Eisbergs"

Filmkritikerin Anna Wollner im Gespräch mit Thorsten Jabs

John Krasinski und Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs präsentieren die Nominierten der Kategorie "Weibliche Hauptrolle". (AFP - Mark Ralston)
Nicht nur die fünf Oscar-Nominierten für die weibliche Hauptrolle sind weiß. (AFP - Mark Ralston)

Prominente Schauspieler, wie etwa Will Smith, boykottieren in diesem Jahr die Oscar-Verleihung, weil keine schwarzen Kollegen nominiert sind. Filmkritikerin Anna Wollner erklärt, wie Hollywood bereits bei der Finanzierung von Filmen Minderheiten ignoriert und kommentiert die angekündigten Reformen.

Nach dem Streit um mangelnde Oscar-Nominierungen für schwarze Schauspieler reagiert die Academy of Motion Picture Arts mit Reformen. Sie will drei neue Vorstandsposten einrichten, um Minderheiten besser zu repräsentieren. Weil zum zweiten Mal in Folge dunkelhäutige Schauspieler auf der Liste der Oscar-Nominierten fehlten, hatten prominente Künstler einen Boykott der Verleihung angekündigt. Dazu gehören Regisseur Spike Lee und der Schauspieler Will Smith.

Lebenslange Mitgliedschaft

Die Filmkritikerin Anna Wollner hält die Reform für historisch und dringend notwendig. 94 Prozent der Mitglieder der Academy seien weiß, die große Mehrheit von ihnen sei männlich, sagt sie im Deutschlandradio Kultur. Dieses Verhältnis habe sich über Jahrzehnte etabliert, da die Mitgliedschaft bislang lebenslang galt. Künftig sollen nur Oscar-Preisträger und Nominierte eine lebenslängliche Mitgliedschaft erhalten, die anderen werden alles zehn Jahre nachweisen müssen, dass sie noch in der Filmwirtschaft tätig sind.

Es herrscht das alte System der Studios

Wollner hofft darauf, dass frei werdende Posten mit Vertretern von Minderheiten besetzt werden und dadurch die Academy an Vielfalt gewinnt. Auch wenn die Reformen für Academy bedeutungsvoll seien, so sei der bisherige Umgang der Academy mit Minderheiten "nur die Spitze des Eisbergs". Es werde "ein Symptom bekämpft, aber nicht die Ursachen". In Bezug auf die gesamte Filmindustrie in Hollywood herrsche noch immer das alte System der großen Filmstudios. Die meisten Geldgeber seien weiße Männer, sie würden entscheiden, nach welchem Geschlecht und ethnischer Herkunft Rollen besetzt werden.

Mehr zum Thema

Kritik an Nominierungsverfahren - Oscar-Akademie will vielfältiger werden
(Deutschlandfunk, Die Nachrichten, 23.01.2016)

Aus den Feuilletons - Sorry, "Star Wars"!
(Deutschlandradio Kultur, Kulturpresseschau, 14.01.2016)

Interview

Historiker über Babi Jar"Es gab auch Kollaborateure"
Gedenkstätte Babi Jar in der Ukraine (picture alliance / dpa / Andreas Stein)

Deutschland und die Ukraine erinnern an die Opfer des Massakers von Babi Jar. Dem Historiker Jörg Baberowski geht das nicht weit genug: Auch Russland und Weißrussland müssten einbezogen werden. Von der Ukraine fordert er eine Aufarbeitung der Tatsache, dass es Kollaborateure gab.Mehr

FriedensmissionenNicht nur zahlen, auch hingehen
Ein Mann mit einem Stock bewaffnet, steht vor einem brennenden Fahrzeug in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. (PASCAL MULEGWA / ANADOLU AGENCY /afp)

Deutschland sollte sich stärker an UN-Friedensmissionen beteiligen, meint Daniel Maier, Mitarbeiter der UN-Mission Monusco in der Demokratischen Republik Kongo. Nötig sei unter anderem mehr Personal. Maier sieht noch mehr Kapazitäten.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur