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Interview | Beitrag vom 05.02.2016

Raoul Schrott über DadaHeutiger Kunst fehlt die Selbstironie

Moderation: Dieter Kassel

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Der Autor Raoul Schrott im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio / Chrisoph Richter)
Der Autor Raoul Schrott im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio / Chrisoph Richter)

Was hat uns Dada, was haben uns die Dadaisten heute noch zu sagen? Was diese einst entwickelt hätten - Performance, Happening oder Poetry Slam - sei heute zur Pose, zum Plakativen geworden, bedauert der Dada-Experte Raoul Schrott.

Dada, vor 100 Jahren gegründet, verstand sich als Anti-Kriegs-Kunst, die alles in Frage stellte. Deshalb nahmen die Dadaisten der Sprache ihren Sinn und legten mit ihren Collagen und Aktionen bloß, was ihrer Meinung nach zu diesem Krieg geführt hatte.

Programmtipp: Hörspiel "Die Kunst an nichts zu glauben - De arte nihil credendi" von Raoul Schrott am So., 17.4.2016, 18:30 Uhr - 20 Uhr

Doch Dada ist noch viel mehr, wie der österreichische Schriftsteller, Germanist und Dada-Experte Raoul Schrott betont. Uns heute geläufige Kunstformen wie Absurdes Theater, Modernes Ballett, Performance, Happening oder Poetry Slam gingen auf die Dada-Künstler zurück. Schrott hatte Ende der 80er-Jahre seine Dissertation über den Dadaismus geschrieben.

Was bedeutet uns Dada heute noch? Dada komme unserer heutigen Zeit "nicht ganz entgegen, weil wir heute vielleicht dieser dadaistischen Geisteshaltung zu nah geworden sind und sie inzwischen so ausgehöhlt, haben dass sie eigentlich nichts mehr bedeutet", sagt Schrott. Die genannten Kunstformen seien heute zum Plakativen geworden.

Selbstironie verloren?

"Heute spielen wir dieses Lais­ser-faire eigentlich auf allen Ebenen durch - um es zuzulassen, aber auch, um es nurmehr zu konsumieren." Brauchen wir also heute vielleicht - so wie damals - eine radikal neue Kunstform, ein neues Dada? "Wie Dada heute aussehen könnte, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass  der Ausdruck des Menschlichen in seiner Offenheit, in seiner Lächerlichkeit auch etwas ist, das verunsichert, das gleichzeitig aber marginal bleiben wird." 

Heutige Kunst habe nicht mehr diese Form von Selbstironie, die Dada besessen habe. "Selbstironie - wo haben Sie die zum letzten Mal bei Literaten und Künstlern gehört?" Künstler, die über ihre eigenen öffentlichen Blamagen und Irrtümer lachen könnten - wo gebe es das noch?

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