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Im Gespräch | Beitrag vom 12.03.2016

Rainer Moritz und Verena Auffermann "Im Gespräch"Die Liebe in der Literatur

Moderation: Klaus Pokatzky

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Eine Herzgeste wird von einem Teilnehmer an der Wahlparty der Feministische Initiative in Stockholm, Schweden mit Händen gebildet. (imago)
"Liebeskummer lohnt sich nicht …" – von wegen! (imago)

Rainer Moritz ist Leiter des Literaturhauses Hamburg, Verena Auffermann Autorin. Die beiden werden sich über die Liebe in der Literatur unterhalten: Sie ist ein zentrales Thema und immer wieder behandelt worden - mal wunderschön, mal reichlich schräg.

Eine ganze Sparte der Literatur lebt von den großen Gefühlen: von der Sehnsucht, der unerfüllten und der glücklichen Liebe, von Herzschmerz und der Lust an der Lust.

Ob Weltliteratur oder Groschenheft, Kitsch oder Kunst – alles ist erlaubt und hat seine Fangemeinde. Gleichzeitig waren und sind die großen Liebesromane à la "Vom Winde verweht" oder "Madame Bovary" immer auch Sittengemälde ihrer Zeit.

Ein Buch über die schlechtesten Sex-Stellen

"Die Liebe ist eines der zentralen Themen der Literatur", sagt Rainer Moritz. Deshalb hat der Autor und Leiter des Hamburger Literaturhauses auch einige der wichtigsten Liebesromane in seinem Buch "Die Überlebensbibliothek" aufgenommen, in der er in kurzen Zusammenfassungen Lesetipps gibt. Ob für "Die Leiden des jungen Werther", die ihn selbst in jungen Jahren beeindruckten: "Wer liebt und nicht auf Erfüllung hoffen darf, lese Johann Wolfgang Goethes Werther." Oder: "Wer einer vergangenen Liebe nachtrauert, lese Cees Notebooms 'Mokusei'." Wer lebenslängliches Liebesglück nicht für Kitsch halte, solle "Saturday" von McEwan lesen – und wer sich für Sex im Alter interessiere, Philipp Roths "Sabbath Theater".

Rainer Moritz hat aber auch ein Buch über die schlechtesten Sex-Stellen in der Literatur geschrieben:

"Eines meiner Lieblingsbeispiele stammt nicht von einem deutschen Autor, sondern von James Salter, der den Höhepunkt beschreibt mit der herrlichen Formulierung: 'Er kam wie ein trinkendes Pferd'. Da muss man lange nachdenken, wenn man diese Passage auf sich wirken lässt."

"Meine neue Liebe ist Henry James", sagt die Autorin und Literaturkritikerin Verena Auffermann. Sie hat gerade eine Biographie über den amerikanischen Autor verfasst, anlässlich seines 100. Todestages.

"Kaum ein Schriftsteller verstand mehr von der Raffinesse allmählicher Selbstenthüllung. Kaum einer kannte präziser die Regeln alltäglicher Schauspielerei und die Höhe des Preises, der für gesellschaftliche Konventionen und die daran gekoppelte Selbstachtung zu zahlen war. Viele Bücher von Henry James sind Offenbarungseide: 'Daisy Miller', 'Bildnis einer Dame', 'Washington Square'."

Ein weiter Bogen von Literaturtipps

Verena Auffermann spannt bei ihren Empfehlungen einen weiten Bogen, von "Effie Briest" und "Die Marquise von O" oder dem damaligen Skandalroman "Madame Bovary", über Liebeslyrik vom Else Lasker-Schüler und Mascha Keléko - bis zu heutigen Beziehungsromanen wie "Der Mauerläufer" der amerikanischen Autorin Nell Zink:

"Ein rasant erzählter Roman, der zwischen Seitensprüngen, Vogelbeobachtung, Drogen, Kinderwunsch, Sex, Öko-Aktivismus, Bern, Berlin und dem Balkan überraschende Brücken schlägt."

Literaturtipps:

Verena Auffermann
"Henry James. Leben in Bildern", Deutscher Kunstverlag, München 2016
"Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur", zusammen mit Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter, Bertelsmann, München 2009

Rainer Moritz
"Wer hat den schlechtesten Sex? Eine literarische Stellensuche", Deutsche Verlags-Anstalt München 2015
"Die Überlebensbibliothek. Bücher für alle Lebenslagen", Piper Verlag 2006

 

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