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Buchkritik

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 17.03.2008

Radikale Ökos auf Walfänger-Jagd

Peter Heller: "Wir schreiten ein - Der Kampf des Paul Watson gegen die Walfangflotten der Welt", marebuchverlag, 368 Seiten, 19,90 Euro

"Wir schreiten ein" zeigt, wie radikale Ökos Schiffe versenken spielen. (Monika Seynsche)
"Wir schreiten ein" zeigt, wie radikale Ökos Schiffe versenken spielen. (Monika Seynsche)

Peter Heller blickt hinter die Kulissen von Sea Shepherd, einer Organisation, die von radikalen Ex-Greenpeace-Aktivisten gegründet wurde. Die Umweltschützer jagen Walfangboote und rammen diese. Heller war Augenzeuge bei einem dieser Rammmanöver.

1986 erließ die IWC, die Internationale Walfangkommission der UNO, ein generelles Walfangverbot, um die vom Aussterben bedrohten Wale zu schützen. Das Abkommen währte zehn Jahre, dann schuf Japan, die Walfang-Nation Nummer eins, neue Mehrheitsverhältnisse in der IWC - durch großzügige finanzielle "Zuwendungen" an Mitgliedsstaaten der IWC.

Und so sind sie denn wieder unterwegs, die Walfang-Flotten Japans, Islands und Norwegens, um Tausende von Walen zu töten - offiziell zu Forschungszwecken, wie es heißt. Regelmäßig gehen Berichte von friedlichen Greenpeace-Protestaktionen durch die Medien.

Ein Ableger von Greenpeace allerdings geht einen radikaleren Weg, die "Sea Shepherd Conservation Society". "Hüter der Meere" nennt sich die Organisation, die ihre Schiffe ausschickt, um Walfangschiffe aktiv zu rammen beziehungsweise zu versenken. Für eine dieser Aktionen ist der amerikanische Journalist Peter Heller an Bord eines der Sea Shepherd-Schiffe gegangen. Herausgekommen ist sein Buch "Wir schreiten ein - Der Kampf des Paul Watson gegen die Walfangflotten der Welt".

Paul Watson, Jahrgang 1951, ist nicht nur der Kapitän des Schiffes, auf dem Peter Hellers Reportage entstand, - Paul Watson war 1972 Mit-Begründer von Greenpeace und bis 1977 deren Vorsitzender. 1977 verließ Watson zusammen mit einigen anderen Gründungsmitgliedern Greenpeace, weil ihm die Organisation zu passiv und ineffizient geworden war, und gründete im selben Jahr die Sea Shepherd-Organisation, zu deren Vorsitzenden er seit der Gründung gehört. Zu den Unterstützern von Sea Shepherd gehören unter anderen Brigitte Bardot, Ex-James Bond Pierce Brosnan, John Paul DeJoria, ein amerikanischer Kosmetik-Milliardär, der seine Karriere als Obdachloser begann, und der Dalai Lama.

Die Schiffe von Sea Shepherd wenden Gewalt an, wenn die Walfänger illegal in internationalen Walfang-Schutzzonen jagen. Paul Watson selbst sieht sich als eine Art Öko-Polizist, der nur international verbindliche Gesetze einklagt. Seine Organisation jagt nicht nur Walfänger sondern auch andere illegale Raub-Fischer und Robbenschlächter. Auf das Konto von Watson gehen vier versenkte Schiffe, - zwei durch Sprengstoff, was Watson allerdings nicht nachgewiesen werden konnte -, und über ein Dutzend schrottreif gerammte Schiffe. Watson ist allerdings nie wegen einer Straftat verurteilt worden, weil die Regierungen der betroffenen Länder die Fälle totschweigen wollten und die negative Publicity fürchteten. Watsons Organisation hat noch nie einen Menschen verletzt.

Die von Peter Heller beschriebene Aktion fand im Winter 2005 statt, Schauplatz Antarktis, an Bord des Flaggschiffs von Sea Shepherd, der Farley Mowat, - ein 30 Meter langer, 52 Jahre alter Hochseetrawler. Die Crew bestand aus 37 Männern und Frauen, drei Offiziere erhielten eine Aufwandsentschädigung, die anderen 34 waren Freiwillige, die auf eigene Kosten mitfuhren. Zum Vergleich: Die Crew der Greenpeace-Schiffe bekommt 17 Dollar pro Stunde. Während seiner einmonatigen Reportage an Bord hat Autor Peter Heller die tatsächliche Rammung eines japanischen Walfängers miterlebt - siehe auch die Videos auf der Internet-Seite von Sea Shepherd.

Mit "Wir schreiten ein – Der Kampf des Paul Watson gegen die Walfangflotten der Welt" ist Peter Heller eine atemberaubende Reportage hinter den Kulissen einer Organisation gelungen, die von der Weltpresse weitgehend totgeschwiegen wird. "Wir schreiten ein" reicht sprachlich an den maritimen Mega-Bestseller "Der Sturm" von Sebastian Junger heran und brilliert darüber hinaus mit Authentizität. Junger war nie ein einzigen Tag auf See.

"Wir schreiten ein" ist ein erschütterndes Dokument über die Zerstörung des Planeten Erde und eine faszinierend spannende Beschreibung einer sympathisch-grotesken Hippie-Kommune auf hoher See am Ende der Welt.

Rezensiert von Lutz Bunk

Peter Heller: Wir schreiten ein - Der Kampf des Paul Watson gegen die Walfangflotten der Welt
Übersetzt von Harald Stadler
marebuchverlag 2008
368 Seiten. 19,90 Euro