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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.01.2011

Poesie der DDR-Moderne

"MD Alphaville" von Maix Mayer in Magdeburg

Von Susanne Arlt

Die Bauten Ulrich Müthers – hier sein "Teepott" in Rostock-Warnemünde – stehen im Mittelpunkt von "MD Alphaville". (AP Archiv)
Die Bauten Ulrich Müthers – hier sein "Teepott" in Rostock-Warnemünde – stehen im Mittelpunkt von "MD Alphaville". (AP Archiv)

Die Utopien der DDR-Moderne haben es dem Leipziger Medienkünstler Maix Mayer angetan. In Magdeburg hat er kühne Stahlbeton-Konstruktionen des Architekten Ulrich Müther vorgefunden, dessen Bauten auch in anderen ostdeutschen Städten zu bestaunen sind.

Seine Forschungsreise zu den Magdeburger Bauten der Moderne hat Maix Mayer mit dem Fahrrad bewältigt. Zu Fuß lasse sich die Stadt nur schwer erschließen, erklärt der Leipziger Medienkünstler. Sie sei einfach zu großflächig - vermutlich ein Erbe der DDR-Moderne. Die Eindrücke seiner umfangreichen Fahrradtour hat Maix Mayer nicht nur in dem halbstündigen Film Alphaville MD zusammengefasst, sondern auch mittels eines dreidimensionalen Diagramms. Die animierte Skulptur wie auch der Film sind derzeit auf riesigen Leinwänden im Magdeburger Kunstmuseum zu sehen.

In seinen Installationen verbindet Maix Mayer gerne die Themen Raum und Zeit und widmet sich dabei vor allem den Utopien und Modellen der DDR-Moderne:

"Es ist kein Roadmovie, aber sozusagen durch die Zeit so ein Besuch in so einer Landschaft, in so einer Stadt darstellt. Für mich ist Magdeburg eher so ein Archipel. Wie ein Archipel und nicht eine Stadt eher so. Und da besuche ich sozusagen so einzelne Inseln der Moderne, der Postmoderne oder der Übermoderne."


Der Künstler Maix Mayer fragt sich, welche der städtebaulichen Ideen auch tatsächlich eingelöst wurden. Es gibt zahlreiche international anerkannte Beispiele. Eines wäre der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz. Der beeindruckende Bau des DDR-Stararchitekten Herrmann Henselmann war damals mehr als nur ein Aussichtsturm. Er sollte bis in den Westteil Berlins die Überlegenheit des Sozialismus verkünden. Der Turm steht bis heute. Die ehemalige Berliner Großgaststätte Ahornblatt des Architekten Ulrich Müther war zwar international geachtet, wurde nach dem Mauerfall trotzdem abgerissen.

Maix Mayer fokussiert in seiner Ausstellung den Blick vor allem auf Magdeburg. Da scheint es kein Zufall zu sein, dass in einer Vitrine zahlreiche Mini-Modelle quasi unwillkürlich nebeneinanderstehen. Diese städtebaulichen Entwürfe hat Maix Mayer im Keller des hiesigen Bauamtes entdeckt. Viele dieser Modelle wurden nie gebaut. Andere, die realisiert wurden, wurden nach dem Mauerfall wieder abgerissen. Viele Gründerzeithäuser stehen in Magdeburg unter Denkmalschutz, Bauten der DDR-Moderne dagegen kaum, moniert darum Maix Mayer:

"Das muss einer einem auch mal erklären, wieso das der Fall ist. Sozusagen so ein starkes Missverhältnis ist. Und ich denke, das ist einfach von diesen grundsätzlichen Dingen, die in den letzten zehn, fünfzehn Jahren passiert sind und dass es durchaus eine Generation von Architekten und Stadtplanern gibt, die das vielleicht ein bisschen neu bewerten und deswegen würde ich eben auch gerne mit bestimmten Dingen durchaus warten und nicht nur Gelder für den Abriss organisieren."

Die Zeit ist reif für einen neuen Umgang mit der DDR-Moderne, findet Maix Mayer und stellt darum in seiner Installation auch den Baumeister Ulrich Müther in den Vordergrund. Kein anderer Architekt in der DDR habe so viel Stahlbeton verbaut und so mutige Schalenbau-Konstruktionen gewagt wie Müther, sagt Mayer. In der Ausstellung zeigt eine Wandprojektion die meisten seiner Bauten: zum Beispiel den berühmten Strandwachturm zwischen den Dünen von Binz. Der Turm musste schon früher als Postkartenmotiv für die Insel Rügen herhalten.

In Maix Myers halbstündigem Film sind vier Müther-Bauten aus Magdeburg zu sehen, unter anderem das Fahnenmonument am Elbufer und die Hyparschale in Stadtpark. Die Decke der Mehrzweckhall ist aus Stahlbeton und selbsttragend. Trotz des Materials wirkt der Bau sehr filigran. Vor vierzehn Jahren musste die Halle jedoch aus baupolizeilichen Gründen gesperrt werde. Zwei Gutachter konnten die Hyparschale zwar vor ihrem Abriss bewahren, doch was mit ihr langfristig geschehen soll, bleibt ungewiss.

"Meine Aufgabe sehe ich durchaus, den anderen Blick den Magdeburgern auf ihre Stadt zu geben. Meinen Blick, der was widerspiegelt, einfach mal sozusagen als Anregung zu verstehen mit ihrer Stadt, sich einfach mal anders auseinanderzusetzen. Und da kommt man vielleicht zu anderen Fragen und anderen Antworten."

Service:
"Alphaville MD" ist bis zum 31.3.2011 im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg zu sehen.

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