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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 07.07.2010

"Please give"

Hannelore Heider über einen angenehm klugen Film

Das alltägliche Leben von sechs Menschen in New York steht im Mittelpunkt von "Please give" - einem sowohl komischen als auch nachdenklich stimmenden Film, der sich wohltuend vom Actiongetümmel und den albernen Romanzen aus Hollywood abhebt.

Sechs Menschen in New York, sechs Leute, denen es eigentlich gut geht in ihrem schönen Haus im Village, weitab von nervendem Verkehr und ausgestellter Armut. Regisseurin Nicole Holofcener hat die Geschichte um Kate, Alex und Abby, die eine Familie sind, und um ihre Nachbarinnen, die Schwestern Rebecca und Mary sowie ihre uralte Großmutter Andra, nicht auf dramatische Höhen gehoben, sondern lässt eher sanft in gut beobachteten Szenen und unaufgeregtem Hin-und Her Konflikte entstehen, an deren Lösung die Helden arbeiten, ohne dass es zu dramatischen Konsequenzen kommt. Das bleibt mit fein ziselierten und doch Normalität ausstrahlenden Dialogen im engen Lebenskreis von Menschen, die einer ordentlichen Arbeit nachgehen und doch durch den Zustand der Gesellschaft selbst in Konflikt kommen mit ihren Moralvorstellungen.

So betreiben Kate und Alex ein Antiquitätengeschäft, das die oft kostbare Hinterlassenschaft Verstorbener gewinnbringend verscherbelt. Dar ob von Gewissensbissen geplagt, spendet Kate (Catherine Keener) großzügig an Obdachlose. Eine Geste, die ihre halbwüchsige Tochter Abby (Sarah Steele) sehr wohl durchschaut, zumal ihr selbst kostspielige Luxusgüter verwehrt werden. Vater Alex (Oliver Platt) tröstet sich über seine korrekte Gattin derweil mit der lebendigen Mary (Amanda Peet), ohne dass auch dieser Fehltritt dramatische Folgen hätte, ebenso wenig wie das Ableben der alten Andra, auf deren Wohnung sie schon lange scharf sind.

Ein sehr schönes Eigenleben in diesem Personenreigen führt Rebecca, die stille Schwester der aufregenden Mary. Rebecca Hall spielt eine warmherzige, junge Frau, die auf die Segnungen des Lebens ruhig zu warten weiß und letztlich damit belohnt wird. Alles zusammen ergibt einen sowohl komischen als auch nachdenklich stimmenden Film, der sich wohltuend vom Actiongetümmel und den albernen Romanzen aus Hollywood abhebt.

Im Berlinale-Trubel im Februar konnte dieser Wettbewerbsfilm außer Konkurrenz sicher nicht punkten. Für einen angenehm klugen, stimmungsvollen Kinoabend zu zweit ist er allemal zu empfehlen.

USA 2010; Regie: Nicole Holofcener; Darsteller: Catherine Keener, Amanda Peet, Oliver Platt, Rebecca Hall, Ann Morgan Guilbert, Sarah Steele, Lois Smith, Thomas Ian Nicholas, Josh Pais, Scott Cohen; FSK: ohne Altersbeschränkung; Länge: 90 Minuten

Filmhomepage (englisch)

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