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Interview | Beitrag vom 23.02.2016

Phänomen "Kurzdeutsch""Hallo, du Opfer!"

Diana Marossek im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Ein cool blickender jugendlicher Mann gestikuliert vor einer Wand mit Graffiti (imago / INSADCO)
Junger Mann mit auffallender Geste vor Graffiti-Wand: Kann garantiert "Kurzdeutsch" (imago / INSADCO)

Frau Schmidt "geht Aldi", Fußballer "haben Vertrag" – "Kurzdeutsch" hört man inzwischen selbst von Reportern bei Sportereignissen. Ist das schlimm? Nein, meint die Soziolinguistin Diana Marossek.

Die Soziolinguistin Diana Marossek hat ein Buch mit einem prägnanten Titel geschrieben: "Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?" Marosseks Interesse an dem von ihr so genannten "Kurzdeutsch" erwachte, als sie ihre eigene Schwester auf diese Art und Weise reden hörte. Und das in Berlin-Pankow, weit weg von irgendwelchen multikulturellen Einflüssen.

Früher wurde diese Sprachform, die gern auf Präpositionen, Artikel und Verben verzichtet, abfällig "Türken-Deutsch" genannt. Und tatsächlich dürften junge Migranten wohl für sich in Anspruch nehmen, die Erfinder der grammatikalisch-schrägen Konstruktionen zu sein.

Für Kulturpessimismus sieht die Linguistin keinen Grund

Inzwischen ist die Lust am Verkürzen aber auch tief in die jungen Teile der deutschstämmigen Mehrheitsgesellschaft eingesickert. "Viele haben nicht mehr Zeit für die Sprache", sagte Marossek im Deutschlandradio Kultur. Die neuen sozialen Medien förderten die Neigung, ganz viele Informationen auf einmal ganz schnell zusammenzupacken und sie auch genauso zu kommunizieren.

Für Kulturpessimismus sieht die Linguistin keinen Grund. Das "Kurzdeutsch" werde nur in der Umgangssprache angewandt. Wer es noch nicht kennt, muss lernen, dass nicht immer das gemeint ist, was gesagt wird. So bedeute "Frau Marossek, Du Opfer" beispielsweise, "Wie schön, dass Sie bei uns in der Sendung sind", erläuterte die Wissenschaftlerin.

Rituelle Beschimpfungen gehörten zum "Kurzdeutsch" dazu:

"Um so derber die Beschimpfung, um so liebevoller ist es gemeint. Das kommt daher, dass in der Jugendsprache immer das Umgekehrte zur Erwachsenenwelt gemacht wird. Wenn man sagt 'Herzliche Grüße' ist das ja immer ein bisschen spießig. Und dann sagt man lieber 'Du Kotzfresse!', und dann weiß man: Oh mein Gott, er mag mich!"

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