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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.01.2016

Peter DreierLandrat erntet scharfe Kritik für Bus-Aktion

Ingo Schulze im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

Der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) (dpa / picture alliance / Horst Müller)
Der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) schickte einen Bus mit Flüchtlingen nach Berlin (dpa / picture alliance / Horst Müller)

"Eine neue Dimension von Dummheit" nennt der Schriftsteller Ingo Schulze das Vorgehen des Landrates Peter Dreier. Der Politiker aus Landshut ließ einen Bus mit Asylbewerbern vors Kanzleramt bringen – aus Protest gegen Merkels Flüchtlingspolitik. Das sei eine Instrumentalisierung von Menschen, kritisiert Schulze.

Der Schriftsteller Ingo Schulze sieht in der vom Landshuter Landrat Peter Dreier inszenierten Fahrt von 31 Flüchtlingen nach Berlin "eine neue Dimension von Dummheit und Taktlosigkeit":
 
"Es hätte nur noch gefehlt, dass den Businsassen ein Schild umgehängt wird: 'Ich bin zu viel'. Das ist wirklich eine Instrumentalisierung von Menschen par excellence. Also das hat für mich überhaupt nichts mit Kunst zu tun. Das ist einfach nur dämlich."

Er wisse zwar schon, dass viele Kommunen mit der Unterbringung von Flüchtlingen überfordert seien, sagte Schulze. Er finde es aber "ziemlich dreist", mit einer solchen Aktion auf diese Misere aufmerksam zu machen.

Eine politische Kunstaktion?

Hat Landrat Dreier sich bei seiner Inszenierung möglicherweise an politischen Kunstaktionen orientiert? Es interessiere ihn gar nicht, ob es sich bei dieser Aktion um Kunst handele, meinte Schulze. Es gebe vielmehr eine ganz andere Fragestellung:

"Wird es denen gerecht, für die man vorgibt oder eben auch glaubt, etwas zu tun oder nicht? Und inwieweit sie zustimmen oder sogar selbst aktiv werden. Politik braucht einfach eine Transparenz, auch wenn es politische Spiele gibt. Aber ich denke, dass das doch ganz verschiedene Dinge sind." 

Kunst könne im Rahmen der Politik jedoch schon eine bestimmte Rolle spielen, so die Meinung von Schulze:

"Sie sollte etwas vergegenwärtigen, räumlich und zeitlich. Kunst hat ja den Vorteil, dass sie Widersprüche in einem Bild zusammenbringen kann. In einem Vortrag, einer wissenschaftlichen Abhandlung oder in einem Interview – da hat man eine Meinung. Und dann gibt es einen Gegenmeinung. Und eine Erzählung, ein Bild kann Dinge zusammenbringen, die zusammengehören. Und sie kann das aushalten - was in der Diskussion oft viel schwieriger zu leisten ist."    

Aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin hat der Landshuter Landrat Peter Dreier am Donnerstag 31 Flüchtlinge vor das Bundeskanzleramt gebracht. Die Flüchtlinge seien kaum noch unterzubringen, kritisierte Dreier und nannte die Fahrt nach Berlin eine "Verzweiflungsaktion".  Am Freitag Morgen mussten die Flüchtlinge wieder nach Bayern zurück fahren.

Ingo Schulze (Deutschlandradio / Jana Demnitz)Ingo Schulze, Schriftsteller (Deutschlandradio / Jana Demnitz)

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