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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.03.2016

Parkplätze weg, Wohnraum her"Autos haben in den Städten nichts zu suchen"

Hermann Knoflacher mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Viele Autos stehen am 2. Juni 2015 in Jena (Thüringen) auf einem Parkplatz (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Viele Autos stehen am 2. Juni 2015 in Jena (Thüringen) auf einem Parkplatz (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Hermann Knoflacher will Straßen und Parkplätze bebauen lassen. Autofreie Großstädte seien realisierbar, sagt der Verkehrsexperte. So könnten die Kommunen massenhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen. Aber lassen die sich darauf ein?

Bezahlbarer Wohnraum in den Städten – er ist immer seltener zu finden. Viele fühlen sich an die Ränder gedrängt. Die Politik will gegensteuern, hat aber sehr unterschiedliche Mechanismen, je nach Land, je nach Kommune.

Seit Donnerstag trifft sich in Berlin das "Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen". Dazu gehören Politiker, Bauunternehmer und Immobilienexperten. Der Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher hat einen unkonventionellen Vorschlag, um die Wohnungsmisiere zu lösen.

Weniger Autos, mehr Wohnraum

Er sieht das Auto als Hauptursache des Platzverbrauchs in den Städten und zugleich erkennt er in der Umwandlung von Abstellflächen eine städtebauliche Maßnahme, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. "Das Auto ist für die Stadt in etwa das Gleiche wie der Elefant für Ihr Schlafzimmer", sagte Knoflacher im Deutschlandradio Kultur.

"Autos haben in den Städten nichts zu suchen", sagt Knoflacher und appeliert an Kommunen, einen möglichst weit verzweigten öffentlichen Nahverkehr zu ermöglichen. Sei das der Fall, gebe es selbst für Familien mit mehreren Kindern keinen Grund, in der Stadt mit dem Auto zu fahren. Das 

"Eine menschenverachtende Geschichte"

Knoflacher kritisiert die in vielen Städten gängige Praxis, Bauunternehmer zu verpflichten, für die Bewohner auch neue Auto-Abstellplätze zu schaffen. Das sei "eine menschenverachtende Geschichte", weil dadurch zum Beispiel weniger Platz für die Kinder gebe. Außerdem werde das Geld für den Bau der Garagen auf die Miete umgelegt und das sei ungerecht.

Der Wiener Verkehrsexperte Hermann Knoflacher (picture alliance / dpa / Gerald Mackinger)Der Wiener Verkehrsexperte Hermann Knoflacher (picture alliance / dpa / Gerald Mackinger)

Autofreie Großstädte seien realisierbar. Wer doch ein Auto hat, könne dies beispielsweise in Puffergaragen am Stadtrand abstellen. Dort, wo ein Anschluss an Bus und Bahn bestehe. Die Folge sei zum Beispiel in Wien zu beobachten: Der Motorisierungsgrad gehe zurück, die Stadt "wird lebenswerter, gesünder, schöner". Kommunen würden "durch das Auto ausgehungert". Weniger Autos und mehr Wohnungsbau könnten die Städte auch ökonomisch voranbringen. "Das Geld liegt im wahrsten Sinne auf der Straße", sagt der emeritierte Professor der Technischen Universität Wien.

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