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Packender Krimi inklusive Barock-Schnellkurs

Donna Leon: "Himmlische Juwelen", Diogenes, 298 Seiten

Faible für Venedig und Barockmusik: die US-Krimiautorin Donna Leon.
Faible für Venedig und Barockmusik: die US-Krimiautorin Donna Leon. (picture alliance / dpa - Herbert Knosowski)

Es muss nicht immer Brunetti sein. Donna Leon, die seit 1992 pünktlich jedes Frühjahr einen Krimi um den berühmten Kommissar in Venedig vorlegte, kommt in "Himmlische Juwelen" zum ersten Mal ohne ihren Ermittler aus. Im Fokus ihres jüngsten Romans: Eine italienische Musikwissenschaftlerin.

Es muss nicht immer Brunetti sein. Donna Leon, die seit 1992 pünktlich jedes Frühjahr einen Krimi um den berühmten Kommissar in Venedig vorlegte, kommt jetzt zum ersten Mal ohne Ermittler aus. In ihrem jüngsten Roman macht die Autorin, die demnächst ihren 70. Geburtstag feiert, neben ihrem Faible für die Lagunenstadt ihre zweite Leidenschaft zum Thema, die Barockmusik. Dabei nimmt sie eine historische Figur zur Vorlage und verquickt so zwei Genres, den historischen Roman und den Kriminalroman.

Eine italienische Musikwissenschaftlerin soll den kürzlich in zwei Truhen aufgetauchten Nachlass eines heute nahezu unbekannten Barockkomponisten archivieren. Ihre Auftraggeber, zwei venezianische Geschäftsleute, die mit Wucherei und Steuerhinterziehung ihr Geld gemacht haben, behaupten, die rechtmäßigen Erben des einst berühmten Vorfahren zu sein. Neben Dokumenten, die ihre Verwandtschaft zweifelsfrei belegen könnten, erhoffen sie sich in der Hinterlassenschaft vor allem einen reichen Juwelenschatz.

Systematisch durchforstet Caterina den Inhalt der Truhen, fördert nie gesehene Partituren zutage und taucht tief in das Leben jenes Komponisten namens Agostino Steffani ein, der im Musikleben des 17. Jahrhunderts eine große Nummer war.

Steffani (1654-1728), der Opern und Kirchenmusik komponierte, lebte hauptsächlich in Deutschland am Welfenhof in Hannover. Als Priester und Diplomat stand er im Auftrag des Vatikan und mischte zum ungläubigen Staunen Catarinas wohl bei einem Mordkomplott mit, dem der heimliche Liebhaber einer Welfenprinzessin zum Opfer fiel. Vielleicht aber setzten ihn dunkle Hintermänner nur als wohlfeile Schachfigur ein. Offiziell lautete seine Mission, den protestantischen Norden in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen.

Wie die Wellen um eine Verschwörung, die bestenfalls Historiker interessiert, in die Kanäle der Lagunenstadt von heute schwappen, wird nach einem zähflüssigen Anfang zunehmend spannend. Denn die redliche Wissenschaftlerin sieht sich nicht nur von ihren habgierigen Auftraggebern in die Zange genommen. Auch dem charmanten Anwalt, in den sie sich bei zahlreichen Abendessen ein wenig verliebt, ist nicht zu trauen.

Wie gewohnt vermeidet Donna Leon die Darstellung von brutaler Gewalt und setzt stattdessen auf eine kontrastreiche Zeichnung ihrer Figuren, deren Abgründigkeit sich nach und nach offenbart. Und sie bettet das Geschehen in die bewährte italienische Gemengelage ein, eine Mischung aus Korruption, Vetternwirtschaft und der bis heute ungebrochenen Macht der Kirche.

Ganz nebenbei gerät ihr Genre-Mix-Debüt zu einem Schnellkurs über die Kultur der Barockzeit mit kurzweilig dargelegten musikgeschichtlichen Exkursen. Wer bisher noch nicht wusste, von wem die Preußenkönigin Sophie Charlotte sich bei ihren Kompositionen inspirieren ließ, kann hier etwas dazulernen. Abgesehen davon, dass man sich sofort dem schillernden Schmelz von Steffanis Arien hingeben möchte, wie sie Cecilia Bartoli in der zugleich erschienenen CD zu Gehör bringt.

Besprochen von Edelgard Abenstein

Donna Leon: Himmlische Juwelen
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
Diogenes, Zürich 2012
298 Seiten, 22,90 Euro


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