Seit 10:30 Uhr Sonntagsrätsel
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 10:30 Uhr Sonntagsrätsel
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 21.11.2013

NuklearprogrammIsrael ist gegen Zugeständnisse an Iran

Gesandter Emmanuel Nahshon nennt möglichen "Deal" eine große Gefahr

Der Iran hofft auf einen Durchbruch bei den internationalen Verhandlungen in Genf (picture alliance / dpa)
Die Atom-Verhandlungen mit dem Iran erzeugen in Israel Sorge. (picture alliance / dpa)

Israel sei vom Iran bedroht, dessen strategisches Ziel es sei, ein Atomprogramm und auch Atomwaffen zu haben, warnt Israels Gesandter Emmanuel Nahshon. Die jetzt mögliche Einigung sei ein "Traum" für das islamistische Regime.

Julius Stucke: "Ich weiß nicht, ob wir diese oder nächste Woche einen Deal schließen werden", das sagte US-Präsident Barack Obama und wollte die Erwartungen damit wohl klein halten, die Erwartungen an die neue Verhandlungsrunde über das iranische Atomprogramm. Der Westen hofft, den Streit mit dem Iran endlich lösen zu können. Möglich wurden diese neuen Verhandlungen, weil Präsident Rohani auf den Westen sich zubewegt hat, und sicherlich auch, weil das Land immer mehr unter den Sanktionen leidet, weil es sich also bewegen muss.

Erwartungen auf der einen Seite, Nervosität herrscht auf der anderen: Israel beäugt die Verhandlungen von außen sehr kritisch, allen voran Israels Ministerpräsident Netanjahu. Er misstraut dem Iran, glaubt nicht an die neuen Töne und warnt davor, Sanktionen abzubauen. Über die israelische Sicht auf die Atomverhandlungen spreche ich mit Emmanuel Nashon, Gesandter der Botschaft des Staates Israel in Berlin. Guten Morgen!

Emmanuel Nahshon: Guten Morgen!

Stucke: Herr Nahshon, ist eine Lösung des Streits in dieser Verhandlungsrunde aus Israels Sicht wünschenswert?

Nahshon: Ja, wir unterstützen eine diplomatische Lösung, aber eine gute diplomatische Lösung, die zu einem Abbau des militärischen Atomprogramm des Iran führen wird, und wir sind nicht sicher, dass das hier der Fall ist.

Stucke: Und warum glauben Sie nicht, dass das der Fall ist? Dafür verhandelt man doch jetzt.

Nahshon: Ja, weil wir können nicht an den Iran glauben. Wir wissen, dass für Iran, ein Atomprogramm zu haben und möglicherweise Atomwaffen, ein strategisches Ziel ist, und wir denken, dass der jetzige mögliche Deal würde ... ein Traum für Iran sein, und etwas sehr Negatives für die ganze internationale Gemeinschaft und auch für Israel.

Stucke: Nun ist aber doch der Grundsatz bei Verhandlungen, dass man irgendwie aufeinander zugeht. Wenn Sie sagen von vornherein, wir glauben nicht daran, was der Iran will, was der Iran tut, was er jetzt sagt, dann braucht man eigentlich gar nicht zu verhandeln, oder?

Nahshon: Ja, aber es gibt keinen Grund für den Westen und insbesondere für die US, zu erlauben, dass ein Land ein Nuklearstaat wird. Das ist gegen die Resolutionen des Sicherheitsrates. [Ein Land], das Teil ist von den Massakern und Krieg in Syrien und den Terror unterstützt, würde ein normaler und vertraulicher Partner sein.

Stucke: Aber genau deshalb, Herr Nahshon, verhandelt man doch jetzt mit dem Iran, um das zu beenden, diese Sorge vor dem Iran mit einer Atombombe.

Nahshon: Ja, aber noch einmal: Das wäre gut, wenn es klar wäre, dass am Ende des Prozesses der Iran ohne Kapazität, ohne Fähigkeit, eine Atombombe zu bauen sein würde. Aber wir denken, dass das nicht der Fall ist. Wir erhalten aktuelle Informationen über die Verhandlungen, und wir haben ein klares Bild, dass das nicht der beste Deal für die internationale Gemeinschaft ist und sicherlich nicht für uns, Israel. Wir sind vom Iran bedroht, und wir denken, dass der jetzige Deal nicht die Probleme lösen würde.

Stucke: Ein Punkt dieses Deals, der Israel stört, Benjamin Netanjahu sagt das, ist, dass man die Sanktionen nicht abbauen will, auch nicht ein Stückchen. Nun sind die Sanktionen zum Teil sicher das, was den Iran zur Bewegung gebracht hat. Sie können bis zu einem gewissen Punkt Druck aufbauen, sie können jemanden zur Bewegung bringen. Aber: Wenn jemand in der Ecke steht, der Druck immer größer wird, dann droht doch irgendwann ein ganz anderes Ergebnis, nämlich, dass derjenige heftig reagiert, also was ganz anderes, als man will. Zu viel Sanktionen – das könnte doch die radikalen Kräfte im Iran erst recht stärken. Schadet sich Israel mit diesem Ruf nach mehr Druck also letztlich selber?

Nahshon: Nein, das ist nicht unsere Analyse. Wir denken, wir sehen diese Sanktionen als Druck auf Iran und auf die iranische Führung, und wir denken, dass das der richtige Weg ist. Und zurzeit haben wir kein gutes Ziel erreicht. Wir denken, dass mit noch ein bisschen Druck es möglich wäre, einen Iran ohne gefährliches Atomprogramm zu haben.

Stucke: Herr Nahshon, gehen wir jetzt mal davon aus: Es kommt dazu, dass man diese Zwischenlösung, die da auf dem Tisch liegt, wirklich beschließt, dass man aufeinander zugeht. Die Zwischenlösung ist: Der Iran legt Teile des Atomprogramms auf Eis, dafür werden dann Teile der Sanktionen gelockert. Wenn es dazu kommt – wie wird Israel regieren?

Nahshon: Es wäre möglich, wenn wir über eine normale Verhandlung zwischen vertraulichen Partnern sprechen, aber in diesem Fall gibt es keine zweite Chance, keine second chance, und die große Gefahr ist für Israel.

Stucke: Aber noch mal die Frage: Wie reagiert Israel, wenn es bei diesen Verhandlungen zu einer Einigung kommt?

Nahshon: Wir sind nicht bei einem schlechten Abkommen gebunden, und wir hoffen, das wird die internationale Gemeinschaft verstehen, dass von unserer Seite ein schlechtes Abkommen nicht ... wir sind nicht gebunden bei einem solchen Abkommen.

Stucke: Sie sind nicht gebunden, das heißt, Sie behalten sich vor, darauf wie zu reagieren?

Nahshon: Das ist viel zu früh, darüber zu sprechen.

Stucke: Herr Nahshon, das Verhältnis zwischen Iran und Israel, das war ja auch mal besser vor der iranischen Revolution 1979, da war es durchaus gut. Wünschen Sie sich, dass man dahin einmal zurückkehren kann?

Nahshon: Sicher, es wäre wunderbar. Wir haben keinen Prügel mit dem iranischen Volk. Wir haben sehr gute Beziehungen gehabt. Und wir hoffen, dass in Zukunft wir freundliche und enge Beziehungen haben werden. Aber mit der iranischen Führung, der jetzigen iranischen Führung ist es leider unmöglich.

Stucke: Und ist das auch eine Sache, in der Israel aber auch einen Schritt auf den jeweils anderen, in dem Fall den Iran, zugehen müsste?

Nahshon: Wir möchten uns nicht in die inneren iranischen Entscheidungen einmischen. Aber ich denke, dass mit einem extremen, islamistischen Regime das unmöglich ist.

Stucke: Israel, der Iran und die Atomverhandlungen in Genf – dazu der Gesandte des Staates Israel Emmanuel Nahshon. Herr Nahshon, vielen Dank für das Gespräch und einen guten Tag für Sie!

Nahshon: Vielen Dank, guten Tag!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Mehr zum Thema:

20.11.2013 | INTERVIEW

Nouripour: Ohne internationale Kontrolle sind Irans Zugeständnisse nichts wert

19.11.2013 | INTERVIEW

Saudi-Arabien fühlt sich "abgekoppelt und ausgeschlossen"

Nahost-Experte über die Verhandlungen mit dem Iran

Interview

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur