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Interview / Archiv | Beitrag vom 11.09.2014

NS-RaubgutProvenienzforschung ist "eine Aufgabe von Generationen"

Kunsthistoriker: Gründung eines Raubkunst-Zentrums ist der richtige Weg

Christian Fuhrmeister im Gespräch mit Kathrin Heise und Christian Rabhansl

Das Haus des Kunstsammlers Gurlitt in Salzburg, wo jetzt weitere Bilder entdeckt wurden (dpa / picture alliance / Barbara Gindl)
Das Haus des Kunstsammlers Gurlitt: Auch hier fand sich Raubkunst. (dpa / picture alliance / Barbara Gindl)

Das "Deutsche Zentrum Kulturgutverluste" soll noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen, hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters angekündigt. Damit verbindet Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister große Hoffnungen, denn noch immer haben weniger als die Hälte aller deutschen Museen ihre Bestände überhaupt auf Raubgut untersucht.

Das geplante Zentrum zur deutschlandweiten Suche nach NS-Raubkunst soll noch in diesem Jahr mit seiner Arbeit beginnen, hat  Kulturstaatsministerin Monika Grütters angekündigt. Das "Deutsche Zentrum Kulturgutverluste", so der offizielle Name, soll die Suche nach einst von den Nazis geraubten Kunstwerken in Museen, Archiven und Bibliotheken stärken. Sitz wird Magdeburg sein.

Die Gründung dieses Zentrums sei ein guter Weg zur breiteren Unterstützung der Provenienzforschung, sagte der Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München:

"Das Entscheidende ist für mich der Schalter im Kopf. Zu begreifen, dass auch die bundesrepublikanische Nachkriegsgeschichte – vielleicht vergleichbar mit dem Zwangsarbeiterfonds – eine ganz große Aufgabe noch vor sich hat: nämlich eine Recherche und Provenienzforschung im Bereich NS-Raubgut. Das halte ich persönlich für eine Aufgabe von Generationen."

Basiswissen über Täter, Opfer und Sammler zusammentragen

Das Zentrum könne vor allem im Hinblick auf die Grundlagenforschung Positives bewirken, meinte Fuhrmeister. Man benötige mehr Basiswissen über Täter, Opfer, Sammler und über die Bestände von jüdischen Kunstsammlern:

"Da gilt es unheimlich viel Informationen zur Verfügung zu stellen, damit nicht jede Institution 'ab ovo' beginnen muss. Und für ein einzelnes Bild vielleicht nach Paris oder Oslo reisen muss."

Grütters hatte in der Haushaltsdebatte des Bundestages erklärt, dass 60 Prozent der deutschen Museen ihre Bestände noch nicht auf NS-Raubkunstverdacht hin untersucht hätten. Nur in zehn Prozent der Fälle stünden die Mittel dafür bereit. Hier könne das mit Ländern und Kommunen vereinbarte Zentrum helfen.

Seit rund 13 Jahren betreibt die Koordinierungsstelle Magdeburg bereits die Lost-Art-Online-Datenbank. Darauf werden Kunstgegenstände gezeigt und beschrieben, deren Herkunft nicht geklärt ist oder die als vermisst gelten.

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