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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.07.2014

Neu im KinoUtopie einer Liebe zu dritt

"Die geliebten Schwestern" entführt in Schillers Weimar

Von Jörg Taszman

Hannah Herzsprung (links, als Caroline von Beulwitz), Florian Stetter (Friedrich Schiller) und Henriette Confurius (Charlotte Lengefeld) in Weimar während der Dreharbeiten von Dominik Grafs Film "Die geliebten Schwestern". (dpa / picture alliance / Martin Schutt)
Spielen gut und sind auch noch hübsch anzusehen: Hannah Herzsprung (links), Florian Stetter und Henriette Confurius. (dpa / picture alliance / Martin Schutt)

Der junge Friedrich Schiller und zwei ihn verehrende Frauen. Erzählt wird eine ungewöhnliche "Ménage á trois", die an der Realität des Lebens scheitert. Der meisterhafte Film von Dominik Graf glänzt mit hochkarätiger Besetzung.

Sie wollen alles teilen - die beiden Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld. Und als die jüngere Charlotte nach Weimar zu einer entfernten Verwandten muss, schreiben sie sich fast täglich Briefe. Eines Tages lernt Caroline den jungen Friedrich Schiller kennen. Es wird der Beginn einer ungewöhnlichen "Ménage á trois", die so schön romantisch und verspielt beginnt und dann durch das Leben beschwert irgendwann einfach endet.

Es ist schon eine Überraschung, dass ausgerechnet Dominik Graf, der zwischen Fernsehen und Kino pendelt, nun einen klassischen Kostüm- und Liebesfilm gedreht hat. Im Kino hat der von der Kritik hochgelobte noch nie wirklich reüssiert, weder mit Genrewerken wie "Die Sieger" noch mit dem sperrigen und misslungenen "Der Felsen" oder dem nur teilweise überzeugenden DDR-Drama "Der rote Kakadu". Und nun findet Dominik Graf nach über acht Jahren Abwesenheit auf der großen Leinwand zu einer Meisterschaft, die auch schon seine Miniserie "Im Angesicht des Verbrechens" auszeichnete.

Besser als ein Kostümfilm

"Die geliebten Schwestern" schwelgt nicht in seiner Ausstattung und ist doch schön gefilmt mit überzeugenden Hauptdarstellern. Neben Hannah Herzsprung als unglücklich verheiratete Caroline behauptet sich auch die bisher vor allem durch das Fernsehen bekannte Henriette Confurius, die Charlotte zunächst mädchenhaft und schnell entflammbar, später dann als eine vom Leben abgehärtete, junge Frau verkörpert. Florian Stetter als der junge Schiller spielt wohltuend natürlich und voller Elan. Und so wirkt der 139 Minuten lange Film vor allem in der ersten Hälfe wunderbar leicht und beschwingt. Es ist auch eine kluge Metapher auf die Utopie einer Liebe zu dritt oder auf die Liebe schlechthin. Der Anfang ist immer am Schönsten ...

Ins Kino gelangt nun eine -im Vergleich zur Weltpremiere auf der Berlinale- um eine halbe Stunde gekürzte Fassung. Schade- bei diesem wirklich gelungenen Werk hätte man gerne den längeren "Directors Cut" gesehen.

Deutschland 2014, Regie: Dominik Graf, Hauptdarsteller: Hannah Herzsprung, Henriette Confurius, Florian Stetter

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