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Frühkritik | Beitrag vom 07.01.2016

Neu im Kino: "Louder Than Bombs"Die Leere des Alltags füllen

Von Patrick Wellinski

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Isabelle Huppert als Isabelle Reed in dem Film "Louder Than Bombs". (picture alliance / dpa / MFA)
Isabelle Huppert als Isabelle Reed in dem Film "Louder Than Bombs". (picture alliance / dpa / MFA)

In "Louder Than Bombs" erzählt der norwegische Regisseur Joachim Trier ein klassisches Familiendrama. Mit viel Stil sondiert er die Gefühlspanoramen seiner Figuren - begeht in seinem ersten englischsprachigen Projekt aber einen Fehler.

Gene war mal Schauspieler. Doch für seine Frau, eine berühmte Kriegsfotografin, hat er seine Karriere an den Nagel gehängt. Als sie stirbt, macht ihm die Leere seines Witwer-Lebens ordentlich zu schaffen. Vor allem weil sein Verhältnis zu seinen zwei Söhnen miserabel ist.

Der eine ist in der Pubertät und hat die üblichen Teenager-Schwierigkeiten an der Highschool. Der andere, Jonah, ist selber gerade Vater geworden und kommt nun nach dem Tod der Mutter wieder nach Hause.

In der Entfremdung voneinander sind die Männer sich aber dann doch sehr ähnlich. Durch das Reden und Erinnern der toten Mutter kommen sie sich langsam näher, ohne wirklich die Leere ihres Alltags zu füllen.

Einziger Kritikpunkt: zu viele Konturen

Der Norweger Joachim Trier hat sich für sein erstes englischsprachiges Projekt eine sehr klassischen amerikanische Filmkonstellation gewählt: Das Familiendrama. Still und mit aller Ernsthaftigkeit sondiert er die Gefühlspanoramen seiner Figuren.

Der norwegische Regisseur Joachim Trier, Schauspieler Gabriel Byrne und seine Kollegin Isabelle Huppert. (Franck Robichon, dpa picture-alliance)Der norwegische Regisseur Joachim Trier, Schauspieler Gabriel Byrne und seine Kollegin Isabelle Huppert. (Franck Robichon, dpa picture-alliance)

Besonders ambitioniert ist dabei die Tatsache, dass er immer auch die Perspektive der jeweiligen Figur annimmt, so dass der Film visuell auch gleich drei Geschichten erzählt, nämlich die der zwei Söhne und die des Vaters. Die Mutter, gespielt von Isabelle Huppert, erscheint dann wie ein Geist in Rückblenden, Träumen und Erinnerungssequenzen. Hier liegt auch vielleicht der einzige Kritikpunkt an diesem Drama, denn die Figur der Mutter erhält mit der Laufzeit zu viele Konturen.

Sie wäre als reines Erinnerungsgespenst, ohne Isabelle Hupperts Körper, ein wesentlich spannenderer Motor der Figurenkonflikte gewesen. So wird ihre Rolle für die Familie etwas überdeutlich ausbuchstabiert. Dadurch verliert die gesamte Erzählung an der Tiefgründigkeit, die in der Ausgangskonstellation angelegt ist.

Dennoch sind der Schmerz, die Angst und das Entfremden als Grundemotionen in "Louder Than Bombs" sehr dicht und genau in beeindruckende Bilder gepackt.

Louder Than Bombs
Drama, USA/Norwegen 2015
Regie: Joachim Trier
mit: Jesse Eisenberg, Isabelle Huppert, Gabriel Byrne u.a.
109 Minuten, FSK 12

Mehr zum Thema:

Regisseur über "Louder Than Bombs” - "Mir liegt sehr daran, Intimität herzustellen"
(Deutschlandradio Kultur, Vollbild, 02.01.2016)

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