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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.03.2015

Neu im Kino: "Kingsman"Explosiver Kinderkram als Erwachsenenspiel

Von Hans-Ulrich Pönack

Gary 'Eggsy' Unwin (Taron Egerton) und Arthur (Michael Caine) stoßen an. (2015 Twentieth Century Fox)
Gary 'Eggsy' Unwin (Taron Egerton) und Arthur (Michael Caine) stoßen an. (2015 Twentieth Century Fox)

Wenn Kinder Erwachsene spielen und Erwachsene sich wie Kinder aufführen, dann kann das herrlich lustig sein - oder gähnend langweilig. So erging es Kritiker Hans-Ulrich Pönack beim neuen Agentenfilm "Kingsman" aus Großbritannien.

"Kingsman" ist Murks. Gestandene Sonder-Agenten eines nicht staatlichen Geheimdienstes, der die Besten der Besten aus Polizei und Militär versammelt, treffen auf einen angeblich hochtalentierten, dabei aber störrischen und auch nicht sehr gescheiten, also ständig staunenden Kleinkriminellen aus der Gosse, um ihn zu rekrutieren. Dabei zeigt ihm die Senioren-Riege, was beziehungsweise wie eine Agenten-Harke ist, während er dann, dieser Gary "Eggsy" Unwin (Taron Egerton), auf das, ach gähn, läppische Abenteuer losgelassen wird, die Welt zu retten.

Wenn Erwachsene Kinder spielen und Kinder auf erwachsen gedrillt herumhampeln: zum Langweilen blöd. Wen haben wir also hier vorne: Erstens, den stets fein nadelgestreiften Top-Man Harry Hart alias Galahad alias Colin Firth. Lässig, arrogant, gleich snobistisch-britisch. Zweitens, den Chef der Organisation, Arthur, kein Ritter der Tafelrunde, sondern ein Chester-König alias Michael Caine, der bedauerlicherweise in letzter Zeit nur noch in schlaffen Nebenrollen auftaucht ("Interstellar", "Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen") und der hier nur noch sitzend Nonsens redet. Drittens, den sprachgestörten Internet- bzw. Medien-Milliardär Richmond Valentine alias Samuel L- Jackson, der lispelnd gerne weniger Menschen auf der Erde hätte, weil das mehr Lebens-, besser: Überlebensqualität für den Rest und neue Lebewesen bedeuten würde - und deshalb auf Erstmal-Vernichtung setzt.

Warum muss ich gerade jetzt an den Papst denken, der neulich die Menschen in der asiatischen, afrikanischen und nahöstlichen Ferne aufgefordert hat, nicht "wie die Karnickel" zu rammeln, um viel zu viele (nicht überlebensfähige) Kinder in die Welt zu setzen. An sich doch ein kluger irdischer Rat, nur hier, inmitten der actionreichen Umsetzung, sprich Sofort-Vernichtung, natürlich fatal. Viertens, weitere namhafte Akteure wie Mark Strong und Mark Hamill treten auch auf.

In meinen Notizen steht noch: sehr viele Tote; manchmal niedlich in den filmischen Anspielungen (wie Schuh mit Klappmesser, Erinnerungen an Agentin Rosa Klebb alias Lotte Lenya aus "James Bond 007 - Liebesgrüße aus Moskau"); viel explosiver Kinderkram als Erwachsenen-Spielchen.

Bei "Kingsman: The Secret Service" ist der Spaß äußerst begrenzt und ziemlich dünne.

"Kingsman - The Secret Service" 
Großbritannien/USA. Buch und Regie: Matthew Vaughn, Buch: Jane Goldman; nach der britischen Comic-Serie "The Secret Service" von Mark Millar und Dave Gibbons. Mit: Colin Firth, Samuel L. Jackson, Taron Egerton. 129 Minuten

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