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Tonart | Beitrag vom 06.01.2017

Neoklassik"Wenn ich das höre, werde ich gequält"

Moritz Eggert und Paul Frick im Gespräch mit Carsten Rochow

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Der Komponist Moritz Eggert (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Der Komponist Moritz Eggert hält nichts von Neoklassik. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Neo-Klassik, eine Mischung aus Klassik und Pop, hat ihre Fans. Doch viele zeitgenössische Komponisten und Musiker können damit nichts anfangen. Für den Komponisten Moritz Eggert und den Musiker Paul Frick ist Neoklassik das schiere Grauen und Hollywoodkitsch.

In einem sind sich der Komponist Moritz Eggert und der Musiker Paul Frick (Brandt Brauer Frick) einig: Neoklassik ist ein äußerst unglücklicher Versuch, E-Musik und U-Musik irgendwie zusammenzubringen.

Nach einer kurzen Hörprobe mehrerer Musikstücke, die teilweise der Neoklassik zugeordnet werden, fällt Moritz Eggert ein vernichtendes Urteil: Bei den ersten beiden Musikbeispielen (Luca D’Alberto, Sven Helbig), "muss ich speien – sofort. Weil das für mich so eine Art Guantanamó des Easy Listenings ist. Da werde ich richtig gequält, wenn ich das höre."

"Eine Musik, die mir nichts gibt"

Paul Fricks Meinung: Die Beispiele repräsentierten eine Musik, "die mir nichts gibt. Ich habe immer so den Eindruck, das ist Musik, der man nicht wirklich zuhören muss".

Ist Neoklassik – leicht verdaulich und vielleicht nichts, worüber man länger nachdenken muss – vielleicht Ausdruck oder Entsprechung einer Internet-Generation, die ständig wie gejagt sei und nicht die Bereitschaft mitbringe, "sich etwas Eingreifendes anzuhören", wie Paul Frick vermutet?

Moritz Eggert findet schon diesen Begriff "furchtbar". Denn für ihn sei Klassik im herkömmlichen Sinne "komplett tot. Eine Kunst, die sich letztlich nur noch durch endlose Klavierwettbewerbe und pornoartiges Hypen auszeichnet". Diese Musik, die "schon längst im Museum verschwunden ist"  nun durch "Neo" aufpeppen zu wollen, mache deren Gestrigkeit nicht besser.

Daniel Brandt und Paul Frick von der Gruppe "Brandt Brauer Frick" (Deutschlandradio - Andreas Buron)Neoklassik ist für Paul Frick (rechts) "Musik, die mir nichts gibt" - hier mit seinem Band-Kollegen Daniel Brandt von der Gruppe "Brandt Brauer Frick". (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Mit "Klassik" assoziieren die meisten etwas Qualitätvolles, Edles

Für Paul Frick ist die Verbindung von "Neo" und "Klassik" eher ein Marketing-Trick, bei dem es nur um die äußere Verpackung gehe: "Das ist so, wie wenn jemand Harfe auf einer Betriebsfeier spielt . Und fragt: Was soll ich denn spielen? – Egal, aber ziehen Sie bitte ein Engelskostüm an." Mit Klassik assoziierten die meisten etwas Edles, Bürgerliches, vielleicht auch Konservatives. Deshalb könnten die Macher von sogenannten Neoklassik-CDs diese "als etwas Wertiges" verkaufen.

Generell, fügte Moritz Eggert hinzu, gehe es dabei gar nicht darum von der Hoch- auf die Popkultur herabzublicken. Denn das sei auch schon für Mozart oder Brahms kein Problem gewesen. Und gute Unterhaltungsmusik sei ein großartige Sache, wenn sie von ebensolchen Künstlern dargeboten werde – wie etwa in den 20er-Jahren von den Comedian Harmonists oder vielen Swing-Musikern. Aber für sein Empfinden leiste Neoklassik dies eben nicht.

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