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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 20.04.2010

Nachhilfe in Vererbungslehre

Mark Henderson: "Genetik. 50 Schlüsselideen", Spektrum Akademischer Verlag, 2010, 208 Seiten

Das Buch legt seinen Schwerpunkt auf die Diskussionen in England und den USA.  (AP Archiv)
Das Buch legt seinen Schwerpunkt auf die Diskussionen in England und den USA. (AP Archiv)

Keine andere Naturwissenschaft hat sich in den letzten 50 Jahren so rasant entwickelt wie die Lehre von der biologischen Vererbung: die Genetik. Aus den Fundamenten, wie sie von Charles Darwin und Gregor Mendel im 19. Jahrhundert gelegt wurde, ist durch die Entdeckung der DNA-Doppelhelix und des genetischen Codes in den 1950er- und 60er-Jahren eine vollwertige Naturwissenschaft geworden. Sie wurde in den letzten 20 Jahren zur Leitwissenschaft der Biologie und hat unser Menschenbild erheblich verändert.

Immer wieder ist in Zeitungen, Radio- und Fernsehnachrichten von spektakulären und kuriosen Ergebnissen der Genetik die Rede. Nicht selten treffen dabei großspurige Versprechungen der Wissenschaftler auf tiefsitzende Ängste bei den Bürgern. Ohne einordnende Hintergrundinformationen lassen sich die Meldungen oft nicht durchschauen. Den Medienkonsumenten fehlt die Möglichkeit, sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden. Hier will dieses sehr übersichtlich gestaltete Buch Abhilfe schaffen. In 50 klar und kompakt geschriebenen Artikeln liefert der englische Wissenschaftsjournalist Mark Henderson auf jeweils vier Seiten die wichtigsten Informationen zu historischen wie aktuellen Themen.

Die Vielfalt reicht von der Evolutionstheorie und Mendels Vererbungsgesetzen über das menschliche Genom, das Klonen und Genmanipulationen bis hin zu neuesten Entwicklungen in der Epigenetik und der geplanten Schaffung künstlichen Lebens. Zitate sorgen für Auflockerung und eine Zeitleiste für den geschichtlichen Überblick. Was fehlt, ist die Gesetzeslage in Deutschland, wie das Embryonenschutzgesetz. Denn das Buch hat eine internationale Perspektive mit Schwerpunkt auf den Diskussionen in England und den USA.

Die Beschränkung auf das Wesentliche, das klare Layout und die gelungene Übersetzung von Andrea Kamphuis machen dieses Buch leicht lesbar und verständlich. Die Erklärungen sind einfach strukturiert, kompetent und stets auf dem neuesten Stand der Forschung. Auf Fachwörter kann der Autor nicht verzichten, aber das ist auch sinnvoll, da viele Fachwörter, wenn auch oft missverständlich, längst Einzug in die Medien gehalten haben. Die klare Gliederung sowie Index und Glossar machen dieses Buch zu einem geeigneten Nachschlagewerk, das immer dann für nützliche Informationen sorgt, wenn Zeitungsartikel, Wissenschaftlerversprechen oder polemische Äußerungen den Nachrichtenkonsumenten ratlos zurücklassen.

Aber auch Studenten und Forschern selbst sei dieses Buch empfohlen, denn viele Wissenschaftler kennen kaum die spannende Geschichte und die gesellschaftlichen Hintergründe ihrer Profession. Kurzberichte über das internationale Patentwesen oder die Illusion einer genetischen Normalität regen zum Nachdenken über Genetik an und machen neugierig. So endet dieses Buch mit der Erklärung, warum wir alle genetisch abnorm sind - jeder auf seine Weise. Und das ist gut so, möchte man hinzufügen.


Autor: Mark Henderson ist einer der führenden Wissenschaftsjournalisten Englands. Als Redakteur der "London Times" ist er stets dabei, wenn angebliche oder tatsächliche Neuheiten aus den Labors der Reproduktionsmediziner und Genetiker verkündet werden. Er ist aber auch ein kritischer Beobachter der Szene, der in seinen Kommentaren immer wieder auf Missstände in der Wissenschaft aufmerksam macht.


Mark Henderson, Genetik. 50 Schlüsselideen.
übersetzt von Andrea Kamphuis, Spektrum Akademischer Verlag 2010,
208 Seiten, 24,95 Euro

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