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Profil / Archiv | Beitrag vom 20.10.2009

Musik aus Leidenschaft

Komponist Marcel Barsotti im Porträt

Von Alexandra Müller

Barsotti schrieb auch den Soundtrack zu "Die Päpstin" - hier die Hauptdarsteller bei der Premiere in Berlin. (AP)
Barsotti schrieb auch den Soundtrack zu "Die Päpstin" - hier die Hauptdarsteller bei der Premiere in Berlin. (AP)

Schon die Kindheit von Marcel Barsotti war musikalisch geprägt, bevor er am Richard-Strauß-Konservatorium in München Musik studierte. Später schrieb er die Musik für Filme wie "Grüne Wüste" und "Deutschland - Ein Sommermärchen". Nun lieferte er den Soundtrack für "Die Päpstin".

"Die Filmmusik ist eher modern klingend, wir hatten nichts verwendet aus dem Mittelalter. Wir hatten das mal ganz am Anfang probiert. Aber das machte den Film komischer Weise sehr altmodisch und furchtbar träge. Und die Johanna ist j, wenn man sie sich so ein bisschen vorstellt, eine sehr moderne Frau gewesen damals. Also ich mein, die war unglaublich mutig, was die gemacht hatte."

"Ich wollte nicht unbedingt musikalisch so viel erzählen, sondern das Bild belassen, wie es ist und es eher untermalen. Es gibt ja dieses uralte Sprichwort in der Musikbranche, die beste Filmmusik ist die man nicht hört."

Sagt Marcel Barsotti. Das passt: Dieser sympathische Mann mit zwar auffallend grünen Augen wirkt selber eher unscheinbar. Auf den ersten Blick zumindest.

Doch sobald er über Musik, über Kino spricht, merkt man ihm eine Leidenschaft an. Ansteckend ist das. Nicht umsonst zählt Marcel Barsotti heute zu den bekannteren Filmmusikkomponisten. Jetzt also der Film "Die Päpstin". Diese Frau, die sich als Mann gibt, die fasziniert ihn. Noch während er das Buch zum Film liest, macht er sich Notizen.

"Sie ist ja so ne zerbrechliche Person und so ne auch leidende Person aber auf der anderen Seite hat sie auch ein unglaubliches Selbstbewusstsein. Es gibt nichts Schöneres als Komponist, wenn man so eine Person begleiten kann in einem Film, die so viele Facetten hat."

Facettenreich ist auch Marcel Barsotti's Leben. 1963 in Luzern in der Schweiz geboren, lebt er später in Italien und Deutschland. Seine Mutter, eine Schneiderin, sein Vater, ein Puppenantiquitätenhändler, trennen sich als er vier Jahre alt ist. Das Kind bleibt bei der Mutter, zieht mit ihr durch die Welt. Der Vater bleibt in der Schweiz und gründet eine neue Familie.

"Es gibt so ne Suppe in Italien, die nennt man Minestrone mit ganz verschiedenen vielen Gemüse- und Gewürzsorten. So kam ich mir damals immer so ein bisschen vor. Also wie so ne Minestrone, weil meine Mutter kommt aus Berlin, mein Vater aus Florenz, in der Schweiz geboren und ja, so ne Vielfalt."

Das musikalische Talent hat er von seinem Großvater, Heinrich Thoms, einem Opernsänger geerbt. Mit zehn Jahren bereits spielt er Gitarre und Orgel - ohne jemals Unterricht erhalten zu haben.

"Ich konnte irgendwie schon, nachdem ich dieses Instrument hatte, nach ein paar Wochen schon die ersten Volkslieder komplett auswendig. Ich wusste nicht wie, aber ich konnte linke, rechte Hand, das hatte alles funktioniert."

Man hört Marcel Barsotti gerne zu. Ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen, erzählt er liebenswürdig über sich und sein Leben. 1978 zog er mit seiner Mutter, als er 15 Jahre alt ist, nach München. Schon während der Schule jobbt er. Musik wird immer wichtiger: In seiner Freizeit spielt der Jugendliche in Pop- und Jazzbands. Entdeckt wird er jedoch beim Verkauf von T-Shirts. Da läuft im Hintergrund ein Demoband mit eigener Musik. Eine Kundin wird hellhörig. Sie stellt den Kontakt zu ihrem Lebensgefährten, einen damals bekannten Dirigenten aus New Orleans her:

"Ich kann mich noch genau erinnern. Ich war zu Hause, wir hatten zu der Zeit hatte schon ein Klavier, ein ganz einfaches. Und ich hatte ihm dann vorgespielt. Und er guckt mich nur so komisch an und guckt meine Mutter an und sagt "This guy has to study music". Es war für ihn ganz wichtig, ich soll sofort mit Musik anfangen und nichts anderes machen. Ich war dann ein bisschen perplex, weil ich wollte eigentlich Tontechniker werden."

Für Marcel Barsotti beginnt das schwerste Jahr seines Lebens: Mühsam bereitet er sich auf die Aufnahmeprüfung vor - zum ersten Mal mit Hilfe eines Musiklehrers. Er lernt Noten, befasst sich mit Rhythmik und Harmonik und er übt, übt und übt.

Mit Erfolg! Damals 19 Jahre alt wird er am Richard-Strauß-Konservatorium in München angenommen. Seine Fächer: Komposition, Klavier und Klarinette.

"In der Popmusik weht ein anderer Wind als in der Filmmusik. Man produziert und komponiert in einen Trend hinein, ohne dass man eigentlich sein Persönliches wirklich einbringen kann. Das war auch ein Grund für mich in die Filmmusik zu wechseln."

Und doch dauert es 14 Jahre, bis er selbst die erste Filmmusik komponiert. Damals für den kleinen Fernsehfilm "Brüder auf Leben und Tod". Doch da entdeckt Barsotti seine Leidenschaft. Es folgen erste Kinofilme. 1998 "Für immer und immer", danach "Grüne Wüste". 2003 schließlich "Das Wunder von Bern" und später "Deutschland. Ein Sommermärchen":

Und obwohl sein beruflicher Stern stetig am steigen ist, ist Marcel Barsotti am Boden geblieben. In jeder Hinsicht. Zusammen mit seiner Frau, und deren Kinder Benno und Marius, die sie aus einer ersten Beziehung mitgebracht hat, lebt und arbeitet er schon seit fast zehn Jahren in einem kleinen beschaulichen Ort bei München.

Langweilig ist Marcel Barsotti dabei dennoch nicht. Er liebt das Spontane. "Ich bin ein Bauchmensch", sagt der heute 46-jährige über sich selbst. Nichts ist dem Komponisten schlimmer, als das Alltägliche, das Festgefahrene:

"Weil in Bildern, man nicht unbedingt voraus sieht, oder Bilder, die einem etwas neu erscheinen, da hat man auch die Möglichkeit, etwas Neues zu schreiben, weil es eben kein Genre ist. Und es gibt nichts Schlimmeres, als wenn alles nicht mehr überraschend ist, wenn alles schon Alltag ist. Sei das jetzt privat oder in der Musik. Ich glaube dann ist der Zug schon abgefahren."

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