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Profil / Archiv | Beitrag vom 25.05.2009

Multitalentierter Stimmakrobat

Porträt des Beatboxmeisters Daniel Mandolini

Von Marcus Weber

Mit Stimme und Mikrofon bildet Daniel Mandolini die merkwürdigsten Geräusche. (Deutschlandradio)
Mit Stimme und Mikrofon bildet Daniel Mandolini die merkwürdigsten Geräusche. (Deutschlandradio)

In den Anfangstagen des HipHop war es eines der tragenden Elemente des Rap: das Human Beatboxing. Dabei ging es darum, einen Rhythmus mit dem Mund zu machen. Wenn jedoch der zweifache deutsche Beatboxmeister Daniel Mandolini die Bühne betritt, gibt er nicht nur einen Beat zum Besten, sondern formt die erstaunlichsten Geräusche mit seiner Stimme. Mit dieser Kunst erobert er jetzt auch die Theaterbühnen.

"Ja, hallo, ich bin Mando, ich bin Beatboxer und ich mache lustige Geräusche mit meinem Mund."

"Man fühlt sich einfach wie ein Pionier, der irgendwie mit seiner Stimme ständig auf der Suche ist nach neuen Geräuschen. Am besten halt auch noch Geräusche, die keiner irgendwie zuvor mit dem Mund gemacht hat, dass alle dann: Boah, haste gehört, was der machen kann?!"

Mit der einen Hand presst er das Mikrofon dicht an seinen Mund; die andere wippt im Takt durch die Luft. Unter dem Baseballcape schauen seine dunkelbraunen Augen hervor, die kurzen schwarzen Haare, der Drei-Tage-Bart.

Daniel Mandolini, alias Mando, ist Beatboxer - das heißt, er macht Musik mit dem Mund. Aber eigentlich versteht er sich viel mehr als Geräuschesammler und Geräuschesucher.

Zur Zeit steht der 25-Jährige auf der Bühne des Berliner Jugendtheaters Strahl und macht die Musik zu dem Stück "Klasse, Klasse", eine Geschichte über den ganz normalen Wahnsinn des Schulalltags, bei der die Schauspieler Masken tragen und nicht sprechen, und die Musik deshalb besonders wichtig ist. Es ist nicht nur das erste Beatbox-Masken-Theater der Welt, wie Mando stolz sagt, sondern auch die Erfüllung eines Traumes. Denn er beatboxt nicht nur, sondern spielt auch Gitarre.

"Und grade weil das eine sehr rhythmisch ist und das andere sehr musikalisch, ergänzt es sich eigentlich wunderbar. Und ich glaub, diese Kombination aus 'nem guten Gitarristen, der technisch bewandert ist und 'nem guten Beatboxer, der rhythmisch und soundmäßig viel zu bieten hat, ist schon vielleicht einzigartig irgendwo."

Daniel Mandolini, der zur Zeit an der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler Klassische Gitarre studiert, ist in Bonn geboren und aufgewachsen. Seine argentinischen Eltern trennen sich früh. Der Vater, Komponist für elektro-akustische Musik, zieht nach Frankreich, wo ihn Daniel oft besucht.

"Mein Vater spielt ja selber vier, fünf Instrumente, und darunter halt auch Gitarre. Und was das Schöne für mich war, als ich dann als kleiner Junge mit meiner Gitarre dann zu meinem Vater gereist bin: Wir haben dann immer was zusammengespielt. Also es war dann wie so ein Highlight so. Und 'ne Motivation auch, dieses Instrument halt zu lernen, weil ich wusste, ich seh irgendwann meinen Daddy wieder - und dann ... dann spielen wir halt wieder zusammen."

Daniel wächst bei der Mutter auf, einer Musiktherapeutin. Mit zwölf bekommt er eine E-Gitarre und gründet seine erste Rockband. Aber die eigentliche musikalische Entwicklung beginnt erst 1999, als seine Familie nach Berlin zieht.

Mando kommt auf ein musikalisches Gymnasium, lernt einige HipHopper kennen und beginnt zu beatboxen. Bis er 2001 ein Lied des amerikanischen Beatboxers Rahzel hört, der gleichzeitig eine Melodie singt und ein Schlagzeug imitiert.

"Und für mich war das so unreal und so abgefahren, dass ich im ersten Moment dachte: Nee, das sind zwei Personen, wer will mich hier verarschen? Und ich werd jetzt so lange üben, bis ich für mich selber den Frieden hab, zu wissen, das ist einfach 'ne geschnittene akustische Täuschung. Also das geht niemals." [lacht]

Nach monatelangem Üben findet Mando heraus, dass es doch funktioniert. Und dass man mit dem Mund, mit Stimmbändern, Zähnen, Lippen, Kehlkopf und Zunge noch viel mehr machen kann. Inzwischen hat er rund 100 Musiken und 200 Geräusche in einer Datenbank notiert - die Namen, und kurze Beschreibungen dazu, wie die Sounds jeweils gebildet werden.

"Wobei im Prinzip die Geräusche sind ja, wenn man so will, sind ja so wie meine Kinder, meine kleinen Kinder. Und ich muss ganz selten irgendwie noch mal nachgucken: Äh, wie ging das noch mal? Weil ich ja diese Sachen mit soviel Liebe und mit soviel Arbeit entwickelt hab, dass ich überhaupt keine Chance hab, die zu vergessen oder zu verdrängen."

Zusammen mit zwei anderen Beatboxern gründet Daniel Mandolini 2003 die Band 4xSample. Etwas später kommt die Formation Zirkus Mandolini dazu.

Und 2006 und 2007 wird Mando Deutscher Beatboxmeister. Nun hat er mit Freunden in Berlin sogar noch eine Beatbox-Academy eröffnet. Einmal pro Woche bringt er Jugendlichen verschiedene Beatbox-Techniken und Rhythmen bei. Und: Er gibt auch immer wieder ganze Wochenseminare. Sein Ziel ist klar.

"Das Allerschönste wär glaub ich für mich so eine gesamte Welttournee, Welttour, wo ich mit meiner Musik die ganze Welt mit beschallen könnte, und um die ganze Welt reise und gleichermaßen halt auch die Länder kennenlerne, also das wär wirklich ein Traum."

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